Abendessen ist fertig!

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Abendessen ist fertig!

Abendessen ist fertig! foto: JürgenLang/fb

Foto-Impressionen von meinen „Freunden“ letzten Samstag-Abend auf Facebook:

smoked eel, marinated beetroot, horseradish and potato pancake Jamie Goode dazu gibt es bis Sonntag 6 Beiträge mit Fragen, „i“s und „bäh“s. Das muss doch irgenwie interessant sein!

Freunde von Jürgen Lang fragen  „Sieht nach gefüllt mit schafskäse kalbfleisch und speckummantelt mit rosmarin und salbei aus !!!“ “ Fast richtig“ ist die Antwort „mit Aprikosen gefüllt.“  Jürgen Lang 10 Beiträge kommentieren Jürgens Essen, das richtig Appetit macht.

Ute Mangolds „handgemachte Tortellini in gesalzener Butter … Sél de Guerande … mit Salbei aus dem Garten und Parmiggiano Reggiano.. und Knoblauch!“ diskutieren sogar 28 User.

Bei Mario Scheuermann haben „die Lammkoteletts … inzwischen eine schöne Farbe … angenommen.“ Für die sehr lecker aussehenden  Lammkoteletts vom Grill bekommt Mario leider nur ein paar Likes.

Was treibt die Leute dazu, ihr Abendessen  bei  Facebook der Öffentlichkeit zu präsentieren? Ich habe die Frage auf Facebook gestellt und nur ganz wenige Antworten bekommen: einige meinen, das sei für Food und Wein-Profis die natürlichste Sache von der Welt.  Anregungen für andere sollen es sein oder man wolle sich imaginäre Tischgenossen schaffen. Einer meinte: Die Leute haben Hunger. Genau! und genau da könnte man metaphysisch werden.

Einer meiner Freunde, ein veritabler Doktor der Philosophie, meinte einmal, die Philosophen hätten über Jahrtausende versucht, die Welt unter alle möglichen Kategorien einzuordnen, man könne mit dem gleichen Recht alles Seiende in „Essbar“ und „Nicht essbar“ unterteilen. Warum soll man diese essbaren und nicht-essbaren Bestandteile der Welt nicht auf Facebook zeigen?

Gert von Paczensky erinnert in seiner Kulturgeschichte des Essens und Trinkens an chinesische und ägyptische Malereien und Grabbeigaben, die schildern, wie die Toten im Leben gefeiert haben. Essen zubereiten heißt leben, lebendig sein. « Beuvez toujours – Ne mourrez jamais. – Jeden Tag trinken heißt niemals sterben» dieser Spruch wird Fancois Rabelais zugeschrieben.Vielleicht ist es das, was meine  Zeitgenossen inspiriert, Essens-Bilder zu posten: um zu zeigen, dass sie noch am Leben sind?! Das Abendmahl, das letzte Mahl, die Henkersmahlzeit, das finale Einverständnis in das nicht mehr abwendbare Schicksal – zahlreiche Assoziationen tun sich auf.

Wahrscheinlich ist alles wieder viel einfacher „Wou!! Essensbilder bei fb zu posten ist voll der trend grade!! :) schreibt ein User zum Handy Foto von Michael Barth, der seine Butterstullen nebst einem Chili und einem alkoholfreien Bier aus dem IKEA-Glas ins Netz gestellt hat (5 Kommentare). Zumindest dieses Posting dürfte dann in die Kategorie „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ fallen.

„Chef, wann ist denn meine Curry fertig?! Meine Batterie macht schlapp!“  Die Erregung ist verständlich, geht es doch vielleicht um einen lebenswichtigen Grundsatz des Web 2.0 Zeitalters: Solange ich mein Essen noch fotografiere  – bin ich!

Genauso könnte man sich auch bei einer anderen Tätigkeit ablichten, die genauso symbolträchtig und lebensbejahend ist. Aber das wäre dann nach den herkömmlichen Grundsätzen von Anstand und Sitte verboten – selbst bei Facebook!

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2 Kommentare

  1. Das mit den likes und Kommentaren ist nicht ganz korrekt. Die Lammkoteletts waren eine Bilderserie mit insgesamt 22 likes und 4 Kommentaren. Die Reaktionen auf solche Postings sind sehr unterschiedlich – manchmal 0, aber es gab auch schon welche mit Dutzenden von Kommentaren.

  2. Frankly I think that’s absoullety good stuff.

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