Beaujolais Nouveau – noch ein Thema? Nachgefragt in BERLIN

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Beaujolais Primeur 2010

Beaujolais Nouveau 2010 beim Kaufhof Berlin Alexanderplatz foto:mpleitgen

Beaujolais Nouveau – machen wir seit Jahren nicht mehr!“ So kurz und knapp fiel die Antwort von Wolfgang Lodde, dem Leiter der Mövenpick-Filiale in Berlin-Wilmersdorf bei unserer kleinen Umfrage aus.  Der Wilmersdorfer Laden ist einer der größten im Weinkeller-Netz.

Bei Jacques‘ in Zehlendorf, dem größten Berliner Wein-Depot erinnert sich Inhaber Michael Eckert lieber an alte Zeiten: in den 80er Jahren habe er einmal in einem Bonner Depot 107 Flaschen Primeur an einem Wochenende an die Kunden ausgeschenkt – dafür seien dann aber auch 7-8 Paletten abmarschiert. Ganz ohne geht nicht, meint er. Bei Jacques‘ gibt es einen Villages für 6,95 und einen einfachen Beaujolais Nouveau für 5,50. Die Mengen sind überschaubar.

Beim Kaufhof am Alexanderplatz war das Engagement auch schon stärker. Man konzentriert sich auf drei Sorten Nouveau. Top ist der Villages von Louis Jadot. „Sonst gab es immer eine ganze Menge Vor-Anfragen für den Primeur – in diesem Jahr war so gut wie nichts“  sagt Chef-Sommelier Carl Boyles, für ihn ein Zeichen, daß die ganz großen Primeur Zeiten wohl vorbei sind. „Wir schauen, daß wir die Weine bis Weihnachten verkaufen – allzuviel soll nicht ins neue Jahr mit hinüber.“

Die  Galeries Lafayette in Berlin verstehen sich nicht nur als ein französisches Kaufhaus, sondern als eine etablierte Institution für gesellschaftliche Ereignisse in der Hauptstadt. Stilgerecht feierten hier auch in diesem Jahr wieder 150 zahlende Gäste die  Soirée Beaujolais Nouveau mit Coq au vin und anderen Spezialitäten der französischen Küche. Das Interesse sei nach wie vor ungebrochen, heißt es. So bietet die Wein-Abteilung acht verschiedene Nouveaus an. Preislage von 7,45 bis 10,95 Euro.

Auch wenn es nicht so aussieht: Beaujolais Nouveau ist auch bei uns immer noch ein Thema. Nach Japan mit 6 Mio. Flaschen und den USA mit 2,3 Mio. Flaschen war Deutschland mit 1,3 Mio. Flaschen Primeur das drittgrößte Importland für den Primeur im vergangenen Jahr.

Nach Angaben des Beaujolais Verbandes wurden letztes Jahr rund 290.000 hl Primeur vermarktet. Davon 2/3 unter der Appellation Beaujolais Nouveau und 1/3 als Beaujolais-Villages Nouveau. Besonders wichtig ist der Primeur für die AC Beaujolais: die Hälfte der Ernte wird als Nouveau verkauft – bei den Villages sind es etwas mehr als 10%. Wo bekommt der Winzer so schnell sein Geld für den neuen Jahrgang?

Die Durchschnitts-Preise für den Hektoliter Primeur vor Ort haben gegenüber 2009 angezogen: 164 Euros für den Beaujolais (Vorjahr 139 Euro) und 175 Euro/hl für den Villages (Vorjahr 150 Euro).

Auch im Beaujolais darf man nicht stehenbleiben. Dernier cri: Beaujolais nouveau rosé. Er wurde erstmals 2006 in Japan getestet. 2007 gab es ihn dann auch in Frankreich. Im letzten Jahr wurden immerhin 726.000 Flaschen abgesetzt.

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2 Kommentare

  1. Ein Mythos ist tot vermarktet worden.
    Die Raffsucht der Winzer aus den Beaujolais hat ihren Preis!
    Den müssen Sie jetzt teuer bezahlen. Sie sitzen jetzt auf der „Brühe“ und keiner will sie mehr haben. – Diese taugt bestimmt zu einen guten sortenreinen Gamay-Essig.
    Lass dich mit den einschlägigen Discounter-Konsorten ein und du wird’s der Verlierer sein.
    Wo bekommt man heute hier einen ordentlichen Beaujolais???
    Ein Nischenprodukt für Liebhaber. – Da muss man suchen!

  2. ja eben so ist es, Beaujolais ist hierzulande ein Nischenprodukt, es gibt hier nicht die Vielzahl an Kunden. Im Online-Handel würden diese Weine eh mal als Essig enden. Kaum einer würde sich die Ware einlagern, auch nicht die Großen Moulin a Vent, Morgon und wer Sie hat viel Erfolg beim Verkauf.
    Die Region Beaujolais hat schon länger ein Vermarktungsproblem zumindest was den deutschen Markt betrifft. Meines Wissens nach treffen diese aber wiederum den Geschmack auf dem japanischen Markt, genau wie die elsässischen Rieslinge(keine bestehende Nachfrage). Um so besser läuft es mit mit den Bordeaux Weinen (Bekanntheit, besseres Marketing). Wer anständigen Beaujolais sucht ist sicher mit den Weinen von Georges Duboeuf gut bedient.

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