Change: Wie die Rezession das Kaufverhalten verändert

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foto:ktylerconk/flickr

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Marketing-Experten meinen, daß die Rezession das Kaufverhalten der Verbraucher so nachhaltig verändert, daß es auch nach einer Konjunkturerholung so bleibt. Gestützt wird diese Annahme zum Beispiel durch die europaweite IGD-Studie“ Shopper Trends 2009: Contest for Value . 27% aller Befragten haben bereits ihre Einkaufsgewohnheiten geändert und wollen auch dabei bleiben.  Mit Zahlen wird belegt:  die Verbraucher planen ihre Einkäufe viel mehr als vorher, sie kaufen bewußter und achten mehr auf das Preis/Qualitäts-Verhältnis. Sie kaufen mehr Angebote und Markenartikel, weil sie dort Qualität vermuten. Sehr zum Leidwesen der traditionellen Markenartikler geht allerdings der Trend zu den Eigenmarken der Händler, die für viele Verbraucher genauso attraktiv und preislich meist noch überzeugender sind. Dies zeigt jetzt eine Einkaufszettelstudie der Marktforscher der Düsseldorfer Innofact AG .

Europaweit geht der Trend zum Discounter. In Deutschland finden bereits 52% der Wocheneinkäufe beim Discounter statt. Und: nur jeder vierte Deutsche würde seine seine Marke vermissen, sollte sie in der Rezession untergehen, heißt es in der Infratest Studie „Building Brands in trouble Times„. Zusammengefaßt bedeutet das: der Preis rückt absolut und im Verhältnis zur Qualität mehr in den Fokus, auch der Fachhändler steht im Vergleich mit dem Discounter, die Kunden sind eher bereit zum Wechsel und finden es ganz normal, wenn in der Krise auch mal etwas verschwindet.

Die Hersteller bereiten sich auf weitere Veränderungen vor und erwarten, daß ab Herbst immer mehr Verbraucher gezwungen sein werden, stärker auf ihre täglichen Ausgaben zu achten. Nach der oben zitierten IGD Studie, in der auch 120 Unternehmen befragt wurden, setzt fast die Hälfte darauf, Leistung und Preis in der Werbung stärker hervorzuheben. 43% geben mehr Geld für Kommunikation aus und 42% fangen an Packungsgrößen und Inhalte zu verändern, wie es die ganz großen bereits in ihren Produkten für Dritte Welt und Schwellen-Länder tun.

Auch wenn nach außen immer gesagt wird, im Wein gebe es bislang keine Krise, berichten die Fachhändler bei den Weinakademie Seminaren anderes. Sie sehen sich durch die Rabatt-Aktionen der Großen, die Billig-Konkurrenz im Internet und die VDP-Angebote bei den Discountern massiv verunsichert. Und sie hören von ihren Kunden mehr und mehr, daß sie „dort auch mal probiert hätten“. Dies wird sich im Herbst und den folgenden Monaten sicher noch verstärken.

Für den Fachhandel wird es darum gehen, neben der besonderen Leistung beim Kunden seine Preis/Leistung deutlich zu machen und dabei tatsächlich auch auf günstige Preise zu achten. Achtung: Bei Angeboten gehört unbedingt immer eine Begründung dazu, warum dieser Artikel so günstig sein kann. Das „Besondere“ des Fachhandels hat sicher immer noch seine Bedeutung, tritt aber in der Zeit des „Value for money“ etwas zurück. Falsch wäre es, Preis und Qualität auf breiter Linie nach unten zu ziehen, denn da sind LEH und Discounter im Zweifel immer besser. Das macht es bei einer Erholung schwierig, wieder auf ein nachhaltiges Preisniveau zu kommen.

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3 Kommentare

  1. Sicherlich ist da Bewegung im Markt. Bei hochwertigen Weinen (mit Ausnahme Bordeaux) ist da jedoch relativ wenig zu spüren. Wenn ein Fachhänler gute Stammkunden hat, so wird er diese sicherlich nicht leichtfertig an den Discounter verlieren. Und so eine Wirtschaftskrise sollte auch als eine Herausforderung gesehen werden, am eigenen Konzept zu arbeiten.

    Gleichzeitig ist im Schaumweinbereich, bei Überseemarken und im Lebensmittelbereich derzeit sehr viel im Bereich Rabatte passiert. Eine bekannte italienische Nudelfirma hat ihren Normalpreis für 500g-Packung z.B. auf 1,49 Euro anheben können. Vor drei Jahren lag dieser Preis noch bei 0,99 Euro. Solch eine Preissteigerung beim Kunden durchzusetzen ist eine erhebliche Anstrengung. Nun sehe ich diese Nudeln ständig in Angeboten für 77 Cent oder für 79 Cent. Den Kunden freut es.

    Zugleich ist das ein Sinnbild die Preisentwicklung. Und wenn die Angebotspreise langfristig unter der Kalkulation liegen, wird der Kunde die 1,49 mittelfristig nicht akzeptieren. Beim Wein gibt es so etwas jedoch selten, da die Marken nicht so bekannt sind. Hier ist jedoch der Versuch der Discounter und auch der SB-Märkte (die werden ja irgendwie immer – trotz erheblichen Wachstum – vergessen) offensichtlich in Fachhandelsklientel vorzustoßen. Dazu meine aktuelle Geschichte:
    http://weinverkostungen.de/grosse-wein-auswahl/

  2. Pingback: Krise: Franzosen brechen beim Export massiv ein

  3. Pingback: Herbstperspektive: Halb leer oder halb voll?

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