Chile – auf der Suche nach den Top-Lagen

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Ob Franz Stockinger immer weiss, wo seine Fässer stehn? Stockinger  Fuder in Chile – das war eine der ersten Überraschungen, die uns erwartete.

Marcelo Retamal vor den Stockinger Fässern bei De Martino

Marcelo Retamal vor den Stockinger Fässern bei De Martino foto:mpleitgen/Weinakademie Berlin

Marcelo Retamal, der Winemaker von De Martino in Isla de Maipo südlich von Santiago hatte noch ein paar mehr für uns bereit. „Wir haben uns in den letzten Jahren von vielem verabschiedet – von der sehr späten Lese, die mitverantwortlich für den hohen Alkohol und die Marmeladigkeit unserer Weine war. Von der Reinzuchthefe und den neuen Barriques, die unsere Weine uniformieren. Dafür bauen wir unsere Top-Syrah zum Beispiel in den Stockinger Fässern aus. Oder probieren wieder die alte Gobelet Erziehung aus, die bedeutet zwar einen größeren Aufwand, aber wir haben keinen Sonnenbrand mehr, weil die Trauben beschattet werden. Licht und Sonne haben wir mehr als genug.“

Retamal ist für die 300 ha von De Martino verantwortlich und ständig auf der Suche. Er sucht geeignete Standorte für die Weine, die er im Kopf hat. Für die Rebsorten, mit denen er gerne arbeiten möchte. Sein Star heisst Carmenere, die bei De Martino erstmals systematisch vermarktet wurde und jetzt nach und nach zu der chilenischen Rebsorte wird. Verliebt ist er in die Syrah und letztes Jahr hat er einen kleinen Weinberg mit wirklich alten Carignan Reben entdeckt, der extensiv bewirtschaftet wird.

Für Retamal, der 2009 zum chilenischen Weinmaker des Jahrzehnts ausgerufen wurde, ist das Zusammenspiel von Boden, Microklima und Rebsorte Vorausetzung für große Weine. Da gibt es dann auch Überraschungen: wer von aussen auf Chile blickt, für den ist klar: im Süden in Bio Bio ist es kühl und je weiter es nach Norden geht, desto wärmer wird es. „Stimmt nicht“ sagt Retamal. Im Limari Valley 500 Kilometer nördlich von Santiago herrscht wegen des Einflusses der kalten Winde vom Pazifik und den Wolken, die sich am Meer entlang bilden, eher ein kühles Klima. Er hatte recht – genauso erlebten wir es am nächsten Tag. „und in Bio Bio wird es im Sommer sehr heiß. Das ist eher ein Hot Climat.“ Man muss also genau hinschauen.

Retamal hat großen Einfluß auf die junge Generation der Winemaker in Chile -deshalb gehen viele heute landesweit auf die Suche nach den richtigen Standorten für ihre Top-Weine. Die einen gehen an die Küste, andere in die Anden bis über 2.000 Meter, andere wie Retamal suchen sich kleine Parzellen in weniger extremen Lagen aus. Die weiten Transportwege nehmen sie in Kauf. Wenn das Lesegut in Top-Zustand ist, braucht es 500 km mit dem LKW nicht zu fürchten. „Wir machen keine Kaltmaceration und bei unseren Top-Weissweinen machen wir auch keine Kaltvergärung. Wir lassen die Hefen auf den Beeren wirken und hören ganz genau zu, beobachten und probieren.“

Hier zumindest stimmt die Gleichung Neue Welt = Maschinenwein nicht. De Martino betreibt zu 100% Bioanbau, übrigens von BCS aus Deutschland zertifiziert. Auch Nachhaltigkeit hat man sich auf die Fahnen geschrieben und zertifizieren lassen. „Wir leben seit drei Generationen vom Wein “ sagt Marc Antonio De Martino, der zusammen mit seinen Brüdern für die Familie das Weingut managt „und wir müssen ständig bereit sein, etwas dazu zu lernen. Heute ist der Standard eben eine umweltverträgliche und nachhaltige Produktion. Dazu stehen wir!“

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