Die verschenkte Chance – was ist von der Nacht der Guten Weine geblieben?

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Mit der vierten „Nacht der guten Weine“ dürfen wir gerade ein weiteres  Beispiel dafür erleben, wie schwierig – fast unmöglich – es ist, Weinhändler zu gemeinsamen Aktionen zusammen zu schliessen. Bei der vierten Auflage der Veranstaltung ist weder Jacques‘ noch Rindchen mit dabei. Damit ist von der 2009 mit über 40.000 Weinfreunden gestarteten Initiative nicht viel übrig geblieben.

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von der Nacht der guten Weine ist nicht viel geblieben…

Jacques‘ hatte in der Vergangenheit den größten Teil der bundesweiten Aktivitäten bestritten. Im letzten Jahr fanden allein 200 der insgesamt 250 Veranstaltungen in Jacques‘ Depots statt. Grund für die Jacques‘ Abstinenz in diesem Jahr:  für viele Depot-Inhaber ging das „Nacht“-Konzept nicht auf. Mit mehreren tausend Veranstaltungen pro Jahr verfügt Jacques‘ über viel Erfahrung im Bereich Kunden-Events. Und auch Rindchen ist an der Event-Front sehr rührig.

Jacques‘ bundesweit mit Alternativ-Konzept

Als Alternative zur „Nacht“ findet bundesweit in allen Depots  am 21. September während der Öffnungszeit „Jacques‘ größte Weinprobe“ mit dem Thema „Familiengeschichten“ statt. Vorgestellt werden Weine von Vätern und Söhnen – André und François Lurton, Henri und Laurent Miquel, Aurelio Montes senior und junior. Teilnehmern an der Probe winkt ein Wochenende bei einem Winzer in Südfrankreich.

Thomas Peters, der bei der GEV Osnabrück für die Nacht verantwortlich ist, meinte, auch ohne Jacques‘ werde das ursprünglich von der GEV und der WEINWIRTSCHAFT aus dem Meininger Verlag initiierte Konzept weitergeführt. Die „Nacht“ sei eine eingetragene Marke und auch in diesem Jahr hätten sich die Fachhändler für den 21. September wieder etwas Besonderes einfallen lassen.

In den vergangenen Jahren habe man versucht, das Konzept als Marke zu etablieren. Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, zu zeigen, wie attraktiv und vielfältig der Handel ist. So reichte die Palette der Veranstaltungen von der Big Bottle Party mit Magnum-Flaschen über Entdeckungsreisen in die Welt der alten Rebsorten bis hin zu modernen Inszenierungen mit Licht und Kunst.

Weinhändler sind Individualisten – und verschenken manche Chance

Die Weinhändler seien Individualisten und jeder wisse, was bei seinen Kunden am besten ankomme – so habe man sich nicht, wie anfangs einmal angedacht, auf ein gemeinsames Wein-Thema einigen können. Damit habe man aber auch die Chance vertan, an Fördergelder oder Budgets von Regionen und Verbänden zu kommen – das hätte auch dem Einzelkämpfer ermöglicht, von diesen Töpfen zu partizipieren, sagte Peters. Vielleicht müsse man das Konzept in dieser Hinsicht noch einmal überdenken. Aktionen wie „WeinEntdecker werden“ vom DWI oder das „Festival Sud de France“ in der Rhein-Ruhr Region in diesem Herbst zeigten, dass man die Fachhändler doch für ein Thema begeistern kann.

Der Individualismus in der Branche könne auch ein Bremsklotz sein, kommentierte ein Fachhändler einen Artikel zur zweiten Nacht. Manchmal hat man sogar den Eindruck, man suche nach Argumenten fürs Nichts-Tun: Fachhändler äußerten in der Vergangenheit oft, man nehme doch nicht als Steigbügel-Halter oder Qualitäts-Beschaffer an einer Jacques‘ dominierten Veranstaltung teil. Demnach müßten ja jetzt – ohne Jacques‘ – mehr Händler teilnehmen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Von den einmal 150 unabhängigen Veranstaltungen in 2009 sind knapp 40 in diesem Jahr übrig geblieben.

Ein weiterer Grund, warum es Zeit ist, in der Weinszene miteinander zu reden – wir werden das am kommenden Montag beim Weinhandelsworkshop an der Hochschule Heilbronn tun. Über 50 Händler, Erzeuger und Verbands-Verantwortliche haben sich angemeldet.

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