EC-Karten: Abbuchung im Visier der Datenschützer

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EC cash Kassen Terminal

EC cash Kassen-Terminal foto: buetts/flickr

famila hat sofort reagiert: seit Freitag wurde in den Märkten des Unternehmens beim bargeldlosen Zahlen auf das PIN-Verfahren umgestellt. famila war ins Visier der Datenschutz-Beauftragten und Verbraucherverbände geraten, da es beim Bezahlen mit EC-Karten  „zweifelhafte Einwilligungen zur Weitergabe von Kontodaten“ einfordere (NDR online/Info).

„Kunden, die mit Karte bezahlen, willigen mit ihrer Unterschrift ein, dass die Unternehmen empfindliche Informationen über sie einholen“ sagte laut Spiegel der der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert. Nach Informationen des Hambuger Abendblattes ermittelt Weichert aktuell gegen die Supermarktkette. Gleichzeitig hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen beim Kieler Landgericht Klage eingereicht, meldet das Blatt.

famila möchte nicht Beklagte in einem Musterprozeß sein. Obwohl man sich sicher ist, daß der Ablauf beim Bezahlen rechtlich in Ordnung ist, wird famila Geschäftsführer Christian Lahrtz in einer Pressemitteilung zitiert: ,, Da wir unsere Kundinnen und Kunden aber auf keinen Fall verunsichern wollen, haben wir heute bereits auf das so genannte PIN-Verfahren mit Eingabe der Geheimzahl umgestellt.“

famila wickelt wie viele Unternehmen den elektronischen Zahlvorgang über den Dienstleister Telecasch ab. Beim Bezahlen werden Bankleitzahl, Kontonummer, Bonsumme, Einkaufstätte und Kaufdatum an den Dienstleister übermittelt. Telecash bietet unter anderem an, die Bezahldaten für den Händler zu arichivieren und jederzeit zugänglich zu halten. Ähnliche Dienste bieten auch andere Anbieter an. Der Vorgang ist mit Einwilligung des Kunden rechtlich zulässig, die schriftliche Zustimmung erteilt er beim Bezahlen mit seiner Unterschrift auf dem Bon. Allerdings finden sich die Formulierungen meist im „Kleingedruckten“ der immer länger werdenden Bons oder auf der Rückseite. Genau hier greifen die Datenschützer an: Es sei fraglich ob in der Situation an der Kasse eine gültige Einwilligung zustande komme.

Mit familas Rückzug ist die Sache wohl nicht vom Tisch: die Verbraucherverbände wolle eine gerichtliche Klärung. Ein Rechtsstreit durch alle Instanzen könnte gegebenenfalls das Bezahlen mit Karte und Unterschrift in der Öffentlichkeit so in Mißkredit bringen, dass der Handel auf das teurere PIN Verfahren mit Eingabe einer Geheimzahl umstellen muss. Das würde es auch in anderer Hinsicht kompliziert machen: viele Kunden kennen ihre Geheimzahl nicht. Eine Übersicht der Zahlverfahren im Einzelhandel findet sich bei InterCard, einem weiteren Dienstleister.

60% der Einzehandelsumsätze werden nach wie vor bar abgewickelt. 40% laufen über Karten. Dabei haben reine Kreditkarten eine eher untergeordnete Bedeutung: fünf Sechstel der Karten-Umsätze werden laut einer Studie des EHI mit Electronic Cash, EC-Lastschrift und Maestro erreicht. Der Anteil an Kartenzahlungen ist nach Branche und Geschäftstyp unterschiedlich. Er beträgt beim Lebensmitteldiscounter 20%, in City Kauf- und Warenhäusern liegt er fast doppelt so hoch. Im Weinhandel dürften diese Zahlen sehr viel höher liegen: geschätzte 2/3 der Einkäufe dürften über Karten abgerechnet werden, im Einzelfall gibt es noch höhere Quoten.

Tipp:

Datendiebstähle bei Kreditkarten und die EC- Karten-Panne Anfang des Jahres haben die Verbraucher sensibilisiert. Das Thema wird so schnell nicht aus der Öffentlichkeit verschwinden. Für den Weinhandel hat die Kartenzahlung überproportionale Bedeutung. Deshalb sollte man den eigenen Ablauf prüfen. Juristisch einwandfrei zu sein ist unbedingte Voraussetzung. Um das vom Kunden entgegengebrachte Vertrauen zu rechtfertigen, sollte man überlegen, wie man die Abwicklung so transparent wie möglich macht. Das kann zum Beispiel heißen, auf „Kleingedrucktes“ weitgehend zu verzichten.

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4 Kommentare

  1. Pingback: Handel: Thema Kartenzahlung bleibt brisant

  2. Es kann so viel passieren beim Bezahlen mit Karte…da ist wirklich besondere Vorsicht geboten. Allerdings kann man auch nicht komplett auf EC Karten verzichten, denn das ist nun mal das Zahlungsmittel der Zukunft und wird dem Bargeld über kurz oder lang immer mehr den Rang ablaufen. In anderen Ländern gehen die Barzahlungen schon stärker zurück als in Deutschland. Daher sollte die Vorsicht immer an erster Stelle stehen, wenn sich das Risiko schon nicht vermeiden lässt.

  3. Pingback: ELV Kartenzahlung weiter unter Beschuss der Datenschützer

  4. Das ist gut, dass die so schnell reagiert haben. Da fühle ich mich als Verbraucher durchaus ernst genommen.

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