Paul Boutinot, Weinhändler aus Manchester und Eigentümer von Waterkloofwines foto:mpleitgen

Ein Gentleman Winzer am Kap

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„Wenn man fast vierzig Jahre Wein verkauft hat, will man vielleicht selbst einmal Wein machen – eine andere Begründung habe ich für Waterkloof nicht“ sagt Paul Boutinot beim Mittagessen in einem der spektakulärsten Restaurants in der Umgebung von Kapstadt.

Paul Boutinot, Weinhändler aus Manchester und Eigentümer von Waterkloofwines foto:mpleitgen

Paul Boutinot, Weinhändler aus Manchester und Eigentümer von Waterkloofwines foto:mpleitgen

Durch riesige Glasfenster schaut man auf die False Bay und die Hochhäuser am Meer – auf der anderen Seite lodert ein Feuer im modernen offenen Edelstahl-Fireplace, in der offenen Küche kann man den Köchen bei der Arbeit zusehen oder einen Blick in den Barrique-Keller werfen.

Eine außergewöhnliche Architektur

Hoch oben im bevorzugten Wohnquartier Somerset West zwischen der Stadt und Stellenbosch liegt auf dreihundert Metern die ultramoderne Waterkloof Winery. Der australische Architekte Mitch Hayhow musste auf einem schmalen Bergrücken eine Winery mit Gär- und Lagertanks sowie einem Holzfasskeller für mindestens 50 ha und ein Restaurant mit 120 Plätzen unterbringen. Herausgekommen ist eine eindrucksvolle „new world“ Architektur aus Beton, Glas und Stahl. Das Restaurant befindet sich in einem Glaswürfel der an der Fassade über dem Abhang „angeklebt“ scheint.

„Geld zu verdienen ist hier schwierig – aber ich habe mich nicht in erster Linie von kommerziellen Interessen leiten lassen, als ich Waterkloof kaufte“ sagt Boutinot und kann sich einen kleinen Seitenhieb auf seinen Kollegen und Mitbewerber Tony Laithwaite nicht verkneifen, der ebenfalls Gentleman-Winzer geworden ist. Laithwaite hat als zurzeit erfolgreichster Weinhändler in Großbritannien genau so wie Boutinot klein angefangen, ist im Direkt-Marketing tätig, steht heute für eine halbe Milliarde Euro Umsatz und hat ein Chateau in Bordeaux, außerdem Besitzungen in den USA und Australien.

Auf der Suche nach den idealen Bedingungen

Boutinot besitzt zwar auch noch ein Weingut in der Rhône, ist aber von Dimensionen wie sein Kollege noch ein ganzes Stück entfernt – trotzdem hat er sich vor über 10 Jahren auf die Suche nach einem Stück Land gemacht, auf dem sich ein Top-Wein von internationalem Format erzeugen lässt. In Südafrika ist er fündig geworden – „es hätte aber auch woanders sein können“ – sagt er. Karge Böden, eine optimale Ausrichtung, viel Sonne aber trotzdem nicht zu heiß. Das hat er hier oben gefunden – zum Teil heftige Winde vom Atlantik sorgen für kühle Nächte und einen Ausgleich zu den extremen Tagestemperaturen im Sommer.

Zu einem Top-Wein gehört nicht nur eine tolle Architektur und eine interessante Story, er muss auch von einer außergewöhnlichen Qualität sein – zertifizierte Nachhaltigkeit gehört dazu und am besten noch ein Schuss Öko vom Feinsten: Waterkloof soll demnächst Demeter zertifiziert werden.

Nachhaltigkeit ist in Südafrika Pflicht

Boutinot fühlt sich in Südafrika willkommen – wie auch andere Investoren in der Weinbranche. Die dort exsistierenden Programme für Nachhaltigkeit und Biodiversivität hat er übernommen: 2008 war Waterkloof Biodiversity Champion. Heute ist das nichts besonderes mehr, alle Betriebe in Südafrika müssen sich nach dem Nachhaltigkeits Standard IWP zertifiziert lassen. Bereits 1998 hat Südafrikas Weinwirtschaft dieses umweltschonende Weinbauprogramm „Integrated Production of Wine“ (IPW) eingeführt. Gleiches gilt für die Biodiversity & Wine Initiative (BWI). Ergänzt wurden die Programme noch kurz vor der Cape Wine 2012 mit einer sozialen Komponente.

Farm Manager Christiaan Loots sagt bei einer Führung durch den Weinberg, man müsse Esotherisches und tägliche Praxis auseinanderhalten. Wo Steiner kosmische Kräfte am Werke sah, mache sich beim Pilz-Wachstum die Masse des Mondes und ihre Anziehungskraft bemerkbar. Steiner habe eben in vielem noch nicht wissen können, was da tatsächlich passiere. Auch das mit der Energie beim Dynamisieren erklärt Loots anders – da sei viel Mystisches mit dabei, dem er nicht unbedingt folgen könne, sagt er.

Biodynamie gehört bei den Gentleman-Winzern dazu

Biodynamie ist zu Zeit bei einem zahlungskräftigen Publikum für höhere Preise gut. Auf Waterkloof pflügen schwarze Arbeiter mit dicken Kaltblütern durch die Rebzeilen – das geht bei den Hängen zum Teil besser als mit dem Traktor und ist auch noch fürs Image gut.

Am Image arbeitet von UK aus eine eigne PR-Agentur. Exklusivität, moderne Architektur und biodynamischer Anbau, dazu Medaillen und Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben – dass ist der Werbemix für Waterkloof. Dieses Konzept funktioniert neben Großbritannien auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (der zweit-wichtigste Markt für Waterkloof ?) und den USA gut.

Die Weine von Waterkloof gibt es regional auch in Deutschland zu kaufen – es könnte aber noch besser laufen. Sales und Marketing Managerin Claudia Young-Kelly sucht noch Importeure für weitere Regionen.

Verkaufen heißt Geschichten erzählen

Was kann man von Waterkloof lernen? Wein Verkaufen heißt, Geschichten erzählen. Geschichten, die das Publikum versteht und die es mag. Sie müssen nachprüfbar sein und tatsächlich stimmen. Die Architektur kann man „anfassen“, die Pferde stehen für Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Jetzt müssen noch die Weine den Anspruch einlösen – und da heißt es, sich noch etwas in Geduld zu üben: die Voraussetzungen sind gut, aber die Weinberge sind erst wenige Jahre alt und die Weine trotz aller bereits erhaltenen Vorschußlorbeeren noch von wirklich großen Gewächsen entfernt.

Mit großen Investitionen, toller Technik und gutem Marketing ist es nicht getan: Wein braucht trotz allem Zeit.

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Ein Kommentar

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