Fairtrade und Öko nur Alibi? Beispiel LIDL und NESTLE

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Robin Goudsblom - LIDL, David Rennie - Nestle, Michael Schellenberger - Lebensmittelzeitung

Robin Goudsblom - LIDL, David Rennie - Nestle, Michael Schellenberger - Lebensmittelzeitung foto:mpleitgen

Greenwashing können wir uns in Deutschland nicht erlauben, dazu gibt es hier viel zu viele Kritiker, die uns ganz genau auf die Finger schauen“ sagte LIDL Einkaufs-Vorstand Robin Goudsblom gestern bei der International Fairtrade Conference in Berlin auf die Frage, ob Fairtrade und Öko für den Discount nicht nur Alibi-Funktion haben. Immerhin 15 von ca. 600 Eigenmarken im Lidl-Sortiment seien mit Fairtrade gebrandet. LIDL verkaufe, was die Kunden wollten. Und manche wollten eben auch Fairtrade und Öko. Den meisten Kunden sei das allerdings egal, da es denen in erster Linie auf den Preis ankomme. Ein Fairtrade- oder Öko-Artikel mache nur 10 bis 20 Prozent des Umsatzes eines vergleichbaren konventionellen, nicht markierten Produktes aus. Trotzdem bewerbe man Fairtrade überproportional, weil man sich als Vorreiter sehe.

Darauf erwiderte Michael Schellenberger von der Lebensmittelzeitung, einfach nur grüne Produkte in die Regale zu stellen, genüge nicht, wenn nicht auch die soziale Verantwortung ernst genommen werde. Er nannte als Beispiele WALMART und dessen Umgang mit den Mitarbeitern und erinnerte an das Schwarzbuch LIDL von ver.di.

Einen wichtigen Aspekt beleuchtete David Rennie von Nestle: die großen Hersteller müßten sich mehr um die Lieferanten ihrer Rohstoffe kümmern. Steigende Nachfrage auf der einen Seite und kleinere Ernten (Stichwort Klimaveränderung, Wasserknappheit) würden in der Zukunft zu Engpässen führen. Man müsse fair miteinander umgehen, damit die Produzenten nicht nur überleben, sonder auch nachhaltig produzieren könnten. Ohne Produzenten kein Produkt. Als Beispiel nannte er die Umstellung von KitKat in UK auf Fairtrade: den Kakao dafür konnte man nicht so einfach am Markt kaufen, weil das Angebot zu gering ist. Deshalb müsse man sich seine Lieferanten aufbauen und sich gemeinsam mit denen entwickeln. Fairtrade sei also nicht nur ein Wunsch der Konsumenten, sonder eine Notwendigkeit.

Ist Fairtrade beim Wein ein Thema? Mariska Przyklenk, die bei Fairtrade Deutschland für alkoholische Getränke zuständig ist, sagte am Rande der Konferenz in Berlin, bei Fairtrade markiertem Wein habe es im vergangenen und in diesem Jahr deutliche Zuwächse gegeben. Die größten Mengen gingen natürlich im LEH und im Discount, aber auch der Fachhandel habe sich des Themas angenommen. Zwei Aktions-Weine bei Jacques‚ und Angebote bei anderen im Zusammenhang mit der Fußball WM deuteten auf Interesse bei den Fachhändlern hin. Fairtrade sei einfacher zu vermitteln als Öko oder Bio, da in der Öffentlichkeit eine positive Grundstimmung vorhanden sei. Fairtrade Weine kommen zur Zeit aus Projekten in Südafrika, Chile und Argentinien.

Deutschland ist weltweit nach Großbritannien, den USA und Frankreich der viertgrößte Markt für Fairtrade-Produkte. 2009 wurden bei uns 267 Millionen Euro umgesetzt, ein Wachstum von 26% gegenüber dem Vorjahr. Daß diese Zahlen ausbaufähig sind zeigt UK: dort betrug der Wert Fair gehandelter Produkte 897 Millionen Euro und geht auf eine Milliarde zu. Fast ein Drittel des in UK verkauften Tees trägt bereits das Fairtrade-Siegel.

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