Finden Social Media und die Weinbranche 2012 zueinander?

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Wie wird das Social Web 2012 aussehen? Ist Social Media schon Alltag geworden? Schließen sich im Marketing die Definition von Zielgruppen und Dialoge mit Kunden aus?

Social Media in der Weinbranche - Abwarten und Tee trinken?

Social Media in der Weinbranche - Abwarten und Tee trinken? foto:mpleitgen

Was passiert mit den Daten, die über Facebook gewonnen werden? Wird die Privatheit im Netz eher wichtiger oder unwichtiger werden? Welche neuen Einkaufserlebnisse wird Social Commerce zukünftig bescheren?

Während Experten wie Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach und Mirko Lange auf Google+ solch wichtigen Diskussionen führen, haben die Anwender an der Basis ganz andere Probleme. In der Weinbranche beginnen Winzer, Weingüter und Händler gerade Facebook zu entdecken. Von den Verbänden und ländlichen Dienstleistungszentren werden Kurse angeboten, die in der Regel auch gut besucht sind. Allein: 2011 sind auf Facebook oder Twitter nicht allzu viele neue Anbieter aus der Szene hinzu gekommen.

Warum die Weinbranche Social Media nicht nutzt

Woran liegt es? Die Technik ist beherrschbar – das scheint nicht das Problem zu sein. Die meisten sehen wohl zu wenig direkten Nutzen für ihr Geschäft. Obwohl dieses Jahr 50% der Internet-User in Deutschland die Sozialen Medien nutzen und dort über ein Profil erreichbar sein werden, finden die Weinleute ihre Kunden dort nicht wieder.

Die bestehenden Kunden sind dort nicht, weil sie zum Beispiel nicht in das Alters-Schema passen oder weil sie sich beim privaten Austausch mit familiy and friends via Facebook nicht von ihrem Winzer oder Weinhändler belämmern lassen wollen.

Stichwort „targeting „: auf Facebook gibt es zur Zeit etwa 325.000 Menschen ab 18 Jahren, die für Wein, Gastronomie, Reisen, Italien, Urlaub in Frankreich, Spanien, Trinken oder Essen laut ihrem Profil empfänglich sind. Schränkt man die Auswahl auf Personen ab 35 Jahren ein, bleiben gerade einmal 116.000 übrig. Die Zahlen sprechen für die vorgenannte These.

Vielleicht sind es mehr, wenn man tiefer gräbt und den relevanten Kontext durchwühlt, statt sich auf die Profile zu verlassen, die in der Regel unvollständig ausgefüllt sind? Damit sind wir beim nächsten Thema.

Wer Social Media für sein Geschäft nutzen will, muß mehr können, als ein Profil anzulegen

Um neue Kunden in den Sozialen Medien zu finden, bedarf es heute bereits professioneller Methoden und eines langen Atems. Das kostet Geld und zeigt erst nach 1 – 1 ½ Jahren Wirkung. Beides verträgt sich nicht mit der Vorstellung von einem schnellen Gratis-Medium, die in vielen Köpfen herumgeistert. Das könnte mit ein Grund sein, warum viele nach den ersten Postings die Anfangs-Euphorie wieder verlässt.

Durchschnittlich 278 Fans haben die Pages der 100 Weingüter, die zur Zeit beim Wettbewerb für die „Beste Weinguts-Seite auf Facebook“ beim Genussportal von Niko Rechenberg vorgeschlagen sind. Das ist nichts – jeder weitere Klick ist hier Zeitverschwendung. „Branding, Marketingkonzepte, Community building sind allenfalls bei einem Dutzend Betriebe im Ansatz zu erkennen“ schreibt Mario Scheuermann im drinktank über die Kandidaten des Wettbewerbs. Dabei sind hier wirklich schon die Guten versammelt.

Zum Vergleich: Wente Vinyards in Livermore/Kalifornien hat über 9.300 Fans auf seiner Seite. Das ist ein familiengeführtes Weingut. 6.000 dieser Fans wurden in den letzten ein-einhalb Jahren gesammelt.

Wieviele deutsche Weinguts-Seiten bei Facebook gibt es überhaupt? Von Insidern wird die Zahle auf 150 geschätzt. Das ist auch nichts. Die Zahlen sprechen dafür, dass Wein auf Facebook noch nicht angekommen ist.

Was werden die Sozialen Medien in 2012 für die Weinbranche bringen?

Es wird sich nicht viel ändern.

Die Profis werden weiter lernen und immer besser werden. Sie werden Shops, Email-Marketing und Social Media immer besser miteinander verzahnen. Bereits in 2011 konnten sie deutlich zulegen. Gerade hat Amazon in einem Interview mit Wein+Markt angekündigt, sich verstärkt im Wein zu engagieren. Der Anteil der Profis am Kuchen wird vor allem auf Kosten der Fachhändler und Direktvermarkter wachsen.

Einige Naturtalente werden ihre vorwiegend jungen Leser und potentiellen Käufer in den sozialen Medien finden.

Das Gros wird sich weiterhin wundern, warum nach den ersten Gratis-Gehversuchen in den Netzen so wenig passiert und früher oder später die berühmte Flinte in die Reben werfen.

Die eingangs erwähnten Diskussionen helfen da nicht viel. Vor allem bei den Erzeugern geht es um

  • ein grundsätzliches Umdenken in der Beziehung zum Kunden
  • eine systematische Auseinandersetzung mit der Technik und den Möglichkeiten von Shops  und Online-Verkauf
  • das Verstehen der Funktionsweise von Email-Marketing und der Sozialen Medien
  • die Entscheidung, ob und wie das alles umgesetzt werden soll

Das alles genau in dieser Reihenfolge und nicht umgekehrt.

Habe ich die eingangs erwähnte Diskussion richtig verfolgt, würde mir Mirko Lange jetzt wahrscheinlich vorwerfen, ich würde das Ganze zu einseitig aus der Perspektive des Verkäufers sehen – damit würden die Kunden zu Objekten degradiert. Für die Weinbranche sehe ich das eher als den Einstieg in die Kundenorientierung, denn oft drängt sich auch heute noch der Eindruck auf, die Kunden seien wirklich die Letzten, an die gedacht wird. Die Sozialen Medien erlauben, hier das Gespäch aufzunehmen.

Interessiert?

Hier sind die nächsten Termine der Social Media Seminare der Weinakademie Berlin speziell für die Weinbranche.

 

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