Frankreich: Wein demnächst verboten?!

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Man kann Frankreichs Winzer gut verstehen, wenn sie massenhaft auf die Strasse gehen: Weinprobe beim Winzer verboten, Weinversand verboten, nationale und internationale Weinmessen nur noch als „trockene“ Veranstaltungen erlaubt! Das können die konkreten Folgen eines Gesetzes sein, daß seit dem 22. Oktober in der Pariser Nationalversammlung zur Debatte steht! Ganz unscheinbar in einer ganzen Reihe von Änderungen, Ergänzungen und Erweiterungen von Gesetzen aus dem Gesundheitsministerium birgt diese Vorlage (§ 22 folgende) enormen Sprengstoff. Mindestens genau so viel wie das 1991 verabschiedete Loi Evin, daß uns den denkwürdigen Einzeiler l’abus de l’alcool peut être dangereux beschert hat, der seither immer dann zitiert werden muß, wenn das Wort Champagne, Bordeaux oder Burgund fällt. Wer den Einzeiler vergisst, kann mit bis zu 15.000 Euro Strafe belegt werden.

Konkret: jede Gratisabgabe von Alkohol und Wein zu Werbezwecken ist untersagt. Damit ist das Ende der netten Werbedamen und der herbstlichen „Foires aux Vins“ gekommen, über die in Frankreich im Supermarkt 40% des Wein-Jahresumsatzes innerhalb weniger Wochen realisiert werden. Für den Versandhandel gelten die gleichen Vorschriften, wie für Ladengeschäfte und Bistros: Alters-Check vor Verkauf und Übergabe der Ware. Für diese Branche bedeutet das „technisches k.o.“

„Hier (in Frankreich) wird nie so heiss gegessen, wie gekocht……“ meinte zu den ersten Meldungen zu diesem Thema ein Kommentator im Drinktank. Darauf möchten Frankreichs Winzer sich nicht verlassen. Die Geschichte des Loi Evin hat bewiesen: was einmal da ist, bleibt. Die Sozialisten versuchten, dieses Gesetz, das sie selbst eingebracht hatten, zu modifizieren oder abzuschaffen. Sie sind, wie spätere Regierungen, gescheitert. Jeder der etwas ändern wollte, wurde in die Ecke der Drogendealer und Gesundheits-Verbrecher gestellt.

André Lurton

André Lurton

André Lurton, mit über 80 Jahren und mehr als 600 ha der Doyen der Bordelaiser Weinwirtschaft (Château de La Louvière, Dauzac, Bonnet und Couhins Lurton…), war gestern mit auf der Strasse um zu protestieren. In einem Fernseh-Interview sagte er: „Es ist in höchstem Maße ungerecht, daß der Staat mit Steuermitteln Organisationen unterstüzt, die uns Winzer an die Wand drücken und uns als Drogenproduzenten diffarmieren. Unser Produkt hat mit Drogen und Alkohol-Mißbrauch nichts zu tun... Wie immer geht es auf die Schwachen, auf zig-tausende kleiner Winzer, die keine Lobby haben. Die Spirituosen- und die Bierindustrie wird davonkommen. Wir haben nicht die Mittel dazu. … Die Spanier nutzen den Wein als Imagefaktor für ihr Land. Die Pariser Politiker haben vollkommen vergessen, daß die Weinwirtschaft zu Frankreichs Top-Exporteuren zählt und jede Menge Geld in die Kasse bringt. Unsere Weine haben ein fantastisches Qualitäts-Image und so weiter…. Ich möchte niemanden beleidigen, aber da läuft etwas ganz entschieden falsch..“

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Ein Kommentar

  1. Wenn man dieses „Projet de loi portant réforme de l’hôpital et relatif aux patients, à la santé et aux territoires“ also Reformprojekt für Krankenhäuser und Patienten, und regionbale Gesundheitspolitik“ ab Artikel 23 aufmerksam liest, fällt einem auf, dass neben der lobenswerten Überwachung des Verkaufs- und Gratisausschankverbots an Jugendliche, auch der Verkauf in Tankstellen verboten, bzw. eingeschränkt wird. Besonderes Gewicht wird auf den Verkauf gekühlter alkoholischer Getränke gelegt, dafür braucht man eine Spezialausbildung, wenn sie nicht vollständig verboten werden.

    Das Problem war mir neu, da ich meine Getränke nicht an der Tankstelle kaufe (zum Glück haben wir noch einen Lebensmittelladen im Dorf – das ist ja schon alange nicht mehr überall der Fall). Die Unterscheidung zwischen gekühlten und ungekühlten finde ich schon fast wieder amüsant: also keine eisgekühlten Rosé oder Weißweine für eilige Camper mehr im Sommer – nur noch lauwarme Plörre – damit wird sich jeder lokale Winzer überlegen müssen, ob er das Risiko eingeht, dass seine Flaschen zur Mitnahme durch Touristen auf dem Regal der Tankstelle stehen – denn an die wendet sich das Angebot – zumindest hier im Süden. Der Stadt(Land)streicher und die Jugendbande kaufen billig bei Lidl und nicht überhöht an der Tankstelle:-)

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