Michael Halbritterauf Blaauwklippen

Frühstück bei Blaauwklippen

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Ein Semester lang haben wir miteinander über Sortimentsstrategien, Kundenbindung und  e-commerce im Weinhandel diskutiert – wir waren nicht immer einer Meinung, aber am Ende konnten wir beide zufrieden sein: Michael Halbritter mit dem Ergebnis aus dem Seminar Weinhandelsmarketing und ich mit dem Feedback der Heilbronner WB-Studenten.

Michael Halbritterauf Blaauwklippen

Michael Halbritterauf Blaauwklippen foto:mpleitgen

Zum Abschluss der Veranstaltung im Sommersemester gab es eine zweistündige Klausur – die zugegebenermaßen nicht ganz einfach war – aber von den meisten Weinbetriebswirtschafts-Studenten des vierten Semesters mit Bravour gemeistert wurde. Für die Studenten folgt dann ein Praxis-Semester und wir sehen uns meist erst im sechsten Semester beim Thema  Internationale Weinwirtschaft wieder.

Frühstück auf dem Weingut

Michael habe ich heute, wenige Wochen nach der Klausur wiedergetroffen – in Südafrika. Er absolviert sein Praxis-Semester auf einem der ältesten Weingüter am Kap, bei Blaauwklippen in Stellenbosch. Wir sind zum Frühstück mit seinem Chef Rolf  Zeitvogel im Restaurant des Weingutes verabredet.

Während draußen noch die Stände des Farmer Markets vom Sonntag abgebaut werden, gibt’s drinnen Eggs Florentine und dazu einen Kaffee. Blaauwklippen wurde 1682 gegründet und drinnen und draußen ist vieles von der Tradition zu sehen.

Tradition muss gelebt werden

Das 110 ha große Weingut hat in Südafrika einen bekannten Namen – konkret können aber die meisten Verbraucher wenig damit anfangen. Deshalb hat Zeitvogel verschiedenste Anlässe geschaffen, um Leute aus Kapstadt und Umgebung aber auch Touristen auf das Weingut zu bringen. Zum sonntäglichen Farmers Market kommen je nach Jahreszeit und Wetter zwischen 3.000 und 5.000 Personen.

Im Spätjahr soll es zusätzlich einen Weihnachtsmarkt und ein ganztägiges Gospel-Event geben. Überhaupt ist die Winery das ganze Jahr über geöffnet – als wir vom Frühstück zurückkommen, stehen die ersten Kleinbusse mit Touristen vor der Tür. Sie werden durch den Keller geführt, schauen sich das Kutschen-Museum an – eine Zeit lang gehörte Blaauwklippen einem Kutschenfabrikanten und einige Weine sind nach Kutschen benannt.

Der Name kommt von den Felsen, die auf dem Weingut überall zu finden sind. Hat es geregnet glänzen sie schwarz-blau – Blaauwklippen.

Nach dem Frühstück geht es zu den alten Häusern aus der Kolonialzeit im holländischen Stil mit den geschweiften und gekringelten Fassaden.

Kulturelle Unterschiede

In einem dieser Häuser wohnt für ein halbes Jahr Michael Halbritter. Anfangs war er noch ein bisschen unsicher: wie verhält man sich gegenüber den schwarzen und farbigen Kollegen? Eigentlich geht es nicht anders als mit den weißen Kollegen, hat er herausgefunden. Zu Beginn begegnete man mit einer gewissen Scheu – schnell hat Michael ein paar Worte Afrikaans und Xhosa gelernt. „Hallo“ und „wie  geht’s“ und schon ist man im Gespräch.

Auch die Warnungen, keine Wertsachen mitzunehmen und den Wohnbezirken der schwarzen Bevölkerung fernzubleiben, nahm er anfangs sehr ernst. Dann blieb sein Auto – ein gebrauchter Ford –ausgerechnet vor dem Township mit einer Panne liegen. Sofort kamen ein paar Leute und halfen ihm, den Wagen wieder flott zu machen.“ Da hatte ich zuerst richtig Angst – man ist einfach vorkonditioniert“ sagt er. „das hat sich aber mit der Zeit gelegt – heute bin ich viel entspannter. Trotzdem: es gibt kulturelle Unterschiede und die muss man respektieren….“ Alles gehe irgendwie langsamer, meint er. Man dürfe nicht ungeduldig sein.

Südafrika kann ein Leben lang faszinieren

Während seiner Zeit auf Blaauwklippen soll er sich um die Weiterentwicklung des Kundenbindungsprogrammes und der Märkte in Deutschland und im fernen Osten kümmern.

Was ist schwierig bei der Eingewöhnung? Er muss allein zurechtkommen. Weihnachten wird seine Freundin aus Deutschland kommen. Er freut sich schon jetzt darauf. Jeden Tag kommuniziert man auf Skype. Danach wird ihn die Weinlese fordern – das geht wie bei uns rund um die Uhr.

Kann er sich vorstellen, dauerhaft hier zu leben? Einstweilen noch nicht. Seinen Chef, Rolf Zeitvogel, der aus Sinzheim in Baden stammt, hat Südafrika seit seinem ersten Praktikum 1992 hier nicht mehr losgelassen „Es ist wie ein Virus….“ sagt er.

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