Georgien: Amphoren, alte Rebsorten, neue Leute, neue Weine

| 11.013 mal gelesen | 10 Kommentare |

In einem neu angelegten Amphoren (Kvevri) - Keller

In einem neu angelegten Amphoren (Kvevri) - Keller foto:Anja Wetzl

Saperavi, Rkatsiteli und Mtsvane. Eigene Rebsorten, den Kaukasus, Amphoren-Weine und tausendjährige Tradition: Georgien hat eigentlich alles, was zu einem eigenständigen Profil im Reigen der Weinbau-Regionen gehört. Hier gibt es wirklich etwas zu entdecken – erfreulicherweise nicht die allgegenwärtigen Chardonnay, Cabernet und Merlot, wie sie weltweit angebaut werden. Die Georgier können zwischen 500 autochthonen Rebsorten wählen. Ein großer Teil der Weine wird mittlerweile mit moderner Technik produziert und entspricht internationalen Standards.

Eine neue Region, neue Rebsorten, neue Weinstile, neue Leute. Das sollte die Wein-Fans elektrisieren. Trotzdem sind georgische Weine bei uns so gut wie unbekannt. Im kleinen Georgien-Spezialisten-Kreis wird über den Amphoren-Ausbau gestritten, wird von der Wiege des Weinbaus geraunt und werden die Erlebnisse mit den Trinkhörnern zum besten gegeben . Ob das der richtige Weg ist? Auch die offizielle Website des georgischen Landwirtschaftsministeriums ist eher etwas für Insider. Die dargestellte Tradition dürfte kaum Lust aufs Kennenlernen und Probieren machen. Wenn dann ein deutscher Wein-Journalist auf der Prowein ein georgisches Mützchen aufsetzt, ist das ungefähr so, als würde ein Japaner in Lederhose auf der Messe in Tokio das neueste Modell von Mercedes Benz vorstellen.

Information tut not. Der gleiche Journalist hat sich darum schon große Verdienste erworben: als einer der ersten ist er vor Ort gewesen und hat darüber berichtet. In Georgien erinnert man sich gerne an seinen Besuch. Geschäftlich blieb er allerdings weitgehend ohne Folgen. Da in Deutschland so gut wie keine georgischen Weine distribuiert sind, wird nicht darüber berichtet. Und weil nicht darüber berichtet wird, beschäftigt sich niemand im Handel mit den Weinen.

Nachdem Russland vor drei Jahren ein Embargo verhängte, fielen 80% des Marktes weg.  Die Georgier selber setzen auf die verbliebenen traditionellen Märkte: Ukraine, die baltischen Staaten und Kasachstan. Für den europäischen Markt sehen sie sich noch nicht gerüstet: bei den niedrigen Preisen zum Beispiel in Deutschland meinen sie, nicht mithalten zu können. Trotz extrem niedriger Löhne ist Georgien kein Billig-Land für Wein: das Material muß teuer importiert werden. So kommen Flaschen zum Beispiel aus Bulgarien oder Rumänien über das Schwarze Meer, da es in Georgien keine Glashütte gibt. Die Transportkosten liegen bei 6.000 Euro pro LKW.  Ebenso müssen die Weine auf dem Land- und Seeweg über die Türkei und das Mittelmeer versandt werden. Bei Kleinmengen entstehen dadurch hohe Kosten.  Dazu kommt, daß Georgien zwar Mitglied im Europarat ist, die Weine aber als Herkünfte aus „Drittland“ behandelt werden und mit Zoll belegt sind.

Eine funktionierende Gemeinschaftswerbung gibt es nicht. Die Stände bei der Prowein in den letzten Jahren wurden zum Teil durch Entwicklungshilfe-Organisationen (PPT download) zur Verfügung gestellt.

Welche Möglichkeiten hat georgischer Wein bei uns? Einzelne Betriebe sind zur Zeit dabei, Parker-Punkte, Medaillen und Auszeichnungen zu sammeln. Das gilt vielen als Nachweis internationalen Niveaus. Moderne Weine und Tradition müssen miteinander verknüpft und mediengerecht aufgearbeitet werden. Es werden neue Amphoren(Kvevri)-Keller angelegt. Spezialcuvees ein oder zwei Monate darin ausgebaut und mit Barrique verfeinert.

Die Hausaufgaben im Hintergrund werden gemacht: die guten Betriebe sind nach ISO und IFS zertifiziert, es wird mit Öko-Anbau experimentiert und man macht sich über Nachhaltigkeits-Konzepte Gedanken. Fachkräfte werden zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn ausgebildet.

In der Kommunikation sind die einzelnen Betriebe gefordert: neben dem Aufbau der Distribution wären klassische und Internet-PR wichtig. Eine gemeinschaftliche Anstrengung mehrer großer Betriebe könnte auch mit einem kleinen Etat viel bewegen. In der Tat haben die Georgier recht, wenn sie sagen, niemand habe auf Georgien gewartet. Doch wenn sie selbst nicht aktiv werden, bleiben Saperavi, Rkatsiteli und Mtsvane auch weiterhin bei uns unbekannt.

Das könnte Sie auch interessieren:

10 Kommentare

  1. Nun, Publikationen gab es in den letzten Jahren (seit Beginn des russischen Boykotts) im deutschsprachigen Raum ja wirklich zu Hauf, aber wenn ich die Geschichte richtig verfolgt habe, kommen die Georgier bei der Abwicklung des kommerziellen Teils nicht zu Potte. Die wohlwollenden Akteure im deutschen Handel, die ich kenne, waren jedenfalls nach einer Weile des Hin und Hers ohne konkrete Resultate immer ziemlich frustriert. Es fehlt nicht (nur) an PR, sondern es fehlt am Verständnis für die Märkte. Mit Parker- oder Scheuermann- oder Knoll- oder Supp-Punkten alleine wird man den Markt jedenfalls nicht erobern.

  2. Pingback: Georgien: Amphoren, alte Rebsorten, neue Leute, neue Weine « Phiala Weinjournal

  3. seit neuestem gibt es nun auch zumindest Fairtrade Mindestpreise und Prämien für Georgien. Bin gespannt wann der erste Wein hier auf den Markt kommt.

    http://www.fairtrade.net/793.html?no_cache=1&tx_zwo3pricing_pi1%5BproductType%5D=113&tx_zwo3pricing_pi1%5Bcountry%5D=0&tx_zwo3pricing_pi1%5Bsubmit_button%5D=Go

  4. In Deutschland gibt es schon lange Händler mit georgischen Weinen. Versuchen Sie zugoogeln.

  5. Einer unserer Aussteller auf der Vinalia Hannover ist Telavino WineCompany aus Hannover Fachhandel für georgische Weine. Ich weiß, dass seine Weine teilweise sehr gut beurteilt wurden und auch von der Fachjury der Vinalia Wein Trophy die Weine in der Blindverkostung gelobt wurden. Der Inhaber heißt Arthur Weber http://www.telavino.de 0511/5459550

    Beste Grüße von Vinalia

  6. ich habe auch einen guten Tipp.
    Antike Weine aus Aschaffenburg: http://www.antikeweine.de
    Freundlicher Service und günstige Preise.
    MfG

  7. Georgische Weine erobern sich seit geraumer Zeit das Interesse der Weinfreunde. Nach dem russisschen Einfuhrstop für georgische Weine und der darauf folgenden Zwendung zu neuen Märkten haben die georgischen Produzenten die Qualitäten gesteigert. Auch neue Betriebe sind entstanden und produzieren bemerkenswerte Weine, z. B. Badagoni oder Schuchmann http://www.schuchmann-wines.com

    Eine große Auswahl georgischer Weine ist u. a. bei http://www.geovino.de zu haben…

  8. Die georgische Weine kaufe ich immer bei http://www.bebu-wein.de
    Die Badagoni Weine haben sehr gute Qualität und niedrige Preise

  9. Eine große Auswahl an georgischen Weinen- von Schuchmann,Badagoni, Marani oder Teliani Vally und noch mehr!

  10. Pingback: Heilpraktikerausbildung Hamburg – Heilpraktikerschule Hamburg

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.