Ist Facebook nur ein Hype – Social Media in Firmen

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Von Deutschlands profiliertestem Social Media Trainer Karl-Heinz Wenzlaff (blogtrainer.de) wollte ich wissen, wie es um Social Media in deutschen Firmen steht.

Sie sind 2007 als Web 2.0 Berater gestartet – was hat sich seither verändert?

Schon damals hat sich relativ bald gezeigt, dass es mit der Beratung allein nicht reicht. Wenn der Geschäftsführer

Karl-Heinz Wenzlaff - blogtrainer.de
Karl-Heinz Wenzlaff – blogtrainer.de foto:mpleitgen

einen Plan hat, braucht er in seiner Firma Mitarbeiter, die mit den Tools umgehen können. So wurde aus der Beratung Training. Daran hat sich im wesentlichen nicht viel geändert – nur dass heute neben Blogging auch Twitter, Facebook und andere Plattformen dazugehören.

Wer kommt zu den Seminaren?

Anfangs waren das Online-Redaktionen aber auch ganz normale Verlage, die Blogs für ihre Autoren aufsetzen und für ihr Marketing einsetzen wollten. Bezeichnenderweise viele Leute, die mit dem geschriebenen Wort zu tun hatten. Heute sind es vor allem PR-Agenturen, Marketing-Leute und Werber, die sich schlau machen müssen. 1/3 meiner Seminare sind Firmenschulungen – unter anderem für namhafte Konzerne, die sie alle kennen. Auch hier sind es vor allem die Öffentlichkeitsarbeiter aus den verschiedenen Sparten, die zu den Seminaren kommen. Viele PR-Verantwortliche kommen selbst – sie wollen von einer neutralen Stelle wissen, wie es geht, um dann mit ihren Agenturen sachkundig verhandeln zu können.

Wie sieht es mit Selbstständigen aus – Architekten, Handwerker, Mediziner?

Eher weniger – die sehen noch nicht die Notwendigkeit mit ihren Kunden oder potentiellen Kunden online in den Dialog zu gehen. Neu sind in letzter Zeit Online-Händler, für die gehört ein Blog oder eine Facebook-Präsenz mittlerweile dazu. Interessant: auch stationäre Händler kommen zu den Seminaren– die wollen nicht ins Internet-Geschäft einsteigen, aber online Werbung für sich machen. Ein starkes Segment sind auch lokale oder regionale Tourismus-Organisationen oder Hotels. Da geht es um ein sehr individuelles Produkt – Dialog macht Sinn.

Viele reden von Social Media, meinen aber Facebook und Co – welchen Stellenwert haben Corporate Blogs?

Blogs sind Social Media – der Vorteil: mit einem Blog tut man etwas für die eigene Domain und leistet nicht Gratis-Arbeit für Herrn Zuckermann.. Wenn es darum geht, dauerhafte „digital assets“ zu schaffen, dann immer mit einem Blog oder einer Website in Verbindung mit einem Blog. Ganz abgesehen davon, dass Suchmaschinen Content und Blogs lieben – man tut also auch gleichzeitig etwas in Richtung Suchmaschinenoptimierung. Ein Corporate Blog eignet sich ideal als Social Media Hub, als „Herzstück“ der Social Media Aktivitäten. Firmen haben das erkannt – an den meisten geht der derzeitige Facebook Hype weitgehend vorbei.

Ist Facebook nur ein Hype?

Nein – aber Facebook ist trotz aller Zahlen nur eine Plattform. Und sie wird auch nicht die letzte sein. Wer redet heute noch von Second Life? Man kann ein regelrechtes Social Media Hopping beobachten: immer auf der Suche nach der nächsten Oase – ob sie jetzt Pinterest, Instagram oder wie auch immer heißt. Nach einiger Zeit zieht die Karawane weiter. XING Nutzer wechseln zu Linkedin, StudiVZ User sind jetzt auf Facebook. Social Media als solches bleibt – die Plattformen ändern sich.

Was sollte man beachten, wenn man in Plattformen wie Facebook investiert?

Man muss sich immer im Klaren sein, dass man dort nur Gast ist. Facebook ist Hausherr und ändert seine Regeln, wie es ihm passt – das hat manchmal etwas von Willkür. Auch große Firmen können dort „rausfliegen“ – Beispiel die Fluggesellschaft SAS. Aktivitäten auf Facebook und Twitter sollten dazu dienen, die Leute dort abzuholen und auf die eigene Seite mitzunehmen.

Wird sich Corporate Social Media weiter durchsetzen?

Ja – in dem Maße, in dem sich in den Firmen der Wandel vom Push-Marketing zum Pull-Marketing vollzieht. Erfolg kaufen nach dem Motto mehr mails gleich mehr Käufer funktioniert immer weniger – da wird nicht erfolgreich verkauft, sondern Spam produziert. Trotzdem wird viel zu oft immer noch darauf vertraut. Inbound-Marketing heißt, zuerst nach dem Kunden fragen – interessiert den das, was ich tue, was ich zu sagen habe, wie muss ich es formulieren, damit er es versteht? Blogs sind ideal dafür – aber bevor es um die Tools geht, muss erst die grundsätzliche Denke stimmen.

Wie steht es um die Blogs?

Gut – das Interesse fürs Bloggen in den Firmen ist da. In den letzten Jahren sind viele neue Corporate Blogs entstanden, die sehen zum Teil gar nicht so aus, sind unspektakulär, aber sie wirken. Das hat man gar nicht so mitbekommen – die Medien laufen halt Facebook hinterher. Interessant ist auch noch: lange war es ruhig um WordPress – jetzt werden die Seminare wieder häufiger nachgefragt.

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