Kein Mensch will Probleme trinken

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Prof. Dr. Ruth Fleuchaus mit ihren Studenten beim 5. Weinmarketing-Tag

Prof. Dr. Ruth Fleuchaus mit ihren Studenten beim 5. Weinmarketing-Tag

„Moralinsaure Appelle sind fehl am Platz. Klar zeigen und sagen, was man für Nachhaltigkeit tut. Das werden die Menschen honorieren!“ war eine der Botschaften, die Petra Mayer den Teilnehmern am  5. Heilbronner Weinmarketing-Tag mit auf den Weg gab. Petra Mayer betreut in Deutschland Südafrika mit seinem Nachhaltigkeitsprogramm, die öko-orientierten Fetzer-Vinyards, Alois Lageder und andere.

Das Thema des Tages hieß „Nachhaltig wirtschaften„. Über 150 Teilnehmer aus der Weinwirtschaft kamen gestern in die Aula der Hochschule Heilbronn. Nachhaltigkeit scheint ein Thema für die Branche zu sein. Für Petra Mayer geht die Diskussion in der Weinwirtschaft dann auch nicht mehr darum, ob sich die Betriebe nachhaltig ausrichten, sondern wie. Der Tag zeigte dann, daß Nachhaltigkeit viele Facetten hat und daß es mindestens eben so viele Konzepte gibt.

Die drei Säulen heissen Ökologie, Ökonomie und Soziales, erläuterte Ruth Fleuchaus, Professorin an der Hochschule und Initiatorin des Weinmarketingtages. Zusammen mit Hochschulkollegen aus den Fachbereichen Weinbetriebswirtschaft, Logistik und Tourismus hat sie das Deutsche Institut für nachhaltige Entwicklung (DINE) in Heilbronn gegründet. DINE will mit Forschung und Entwicklung helfen, daß die Branche auf demm Feld der Nachhaltigkeit besser werden kann.

Regionalentwicklung wurde an zwei Projekten aufgezeigt: was passiert wenn ein Investor in ein Kaiserstühler Dorf ein richtungsweisendes, ultramodernes Weingut implantiert? Geschäftsführer Armin Sütterlin stellte das Weinguts-Projekt der Eheleute Haub (Tengelmann) in Bischoffingen vor. Zusammen mit dem im Bau befindlichen Loisium F in Vögtlinshofen/Elsass und dem Projekt von Fritz Keller könnte das neue Weingut Abril den Weintourismus in der Regio deutlich beleben. Die recht kontroverse Diskussion vor Ort, zeigt aber den Handlungsbedarf: bei einem solchen Projekt gilt es die Bürger mit einzubeziehen.

Ganz anders der Gemüsebauer Christian Hiß aus Eichstetten. Er stellte eines Tages fest, daß das Saatgut für seinen Öko-Salat in der saudischen Wüste produziert wird und das meiste,was er sonst an Samen kaufte aus China kam. Er fragte sich, ob man das nicht auch in der Regio produzieren könnte. Bei seiner Recherche erfuhr er, das sein anderer Großhändler, den er als württembergischen Betrieb ansah, längst einem Saatgut-Multi aus den USA gehörte. Er machte sich Gedanken, wie Produzenten und Verbraucher wieder mehr Einfluß auf die Produktion dessen gewinnen können, was sie essen und trinken.

Heraus kam die Regionalwert AG, die wie mit ihrem Fonds Flächen kauft und verpachtet, Betriebsmittel finanziert und Bauern berät. Das tut sie nicht nur unter Gewinnmaximierungs-Aspekten, sondern auch unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten. In der Bilanz eines Betriebes, der mit Mitteln der Regionalwert AG arbeitet spielen Nachhaltigkeit, Ökologie und Ausbildungsplätze eine Rolle. Hiß spricht gern von der „zweifachen Rendite“ die es zu erwirtschaften gelte.  Er denkt mit seiner Regionalwert AG in Südbaden in 2 – 3 Jahren über den Berg zu sein und nicht mehr mit betriebswirtschaftlichem Verlust zu arbeiten.

Sehr spannend war die Vorstellung des Nachhaltigkeitskonzeptes der Sparte Weinlogistik bei DB/Schenker. Dort hat man sich das Ziel gesetzt, mittelfristig den CO2-Ausstoß um über 20% zu senken. Der Wein-Verantwortliche Lutz Wempe zeigte, wie man mit Routenveränderung bei Transporten bis zu 60% gefahrene Kilometer einsparen kann. Die Einrichtung von Zwischenlagern und Umschlagplätzen, sogenannten Hubs, spart bis zu 40% und indem man Container-Schiffe langsamer fahren läßt, lassen sich bis zu 30% einsparen.

Wempe sagte, in den letzten beiden Jahren habe der Bulk-Transport von Wein aus Übersee, aber auch in Europa sich deutlich erhöht. Es mache schon einen großen Unterschied, ob in einem Container 24.000 Liter befördert würden oder aber nur 13.000 Flaschen. Die Abfüllung in Deutschland sei nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern spare auch noch Kosten.

Zum Abschluss des Tages meinte Frau Prof. Fleuchaus, Nachhaltigkeit sei noch nicht zu Ende gedacht. Es sei auch noch nicht klar, welche Infos der Endverbraucher brauche, damit er sicher sein könne, daß der Winzer nachhaltig arbeite. Einfach ein neues Label? Das könne es nicht sein. Aber das Bewußtsein beim Kunden sei da. Es komme jetzt darauf an, daß die Weinwirtschaft handelt.

Weitere Fotos vom Weinmarketing-Tag auf unserer Facebook-Seite

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2 Kommentare

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  2. Das Weingut in Bischoffingen sieht auf dem Modell hässlich und uninspiriert aus. Mag sein, dass das Innenleben interessanter ist. Oder neuartige Dinge enthält.

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