Krise ganz praktisch

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„Ich freue mich ganz besonders, den Saal heute abend wieder einmal so gut besetzt gesehen zu haben. Das war im letzten Vierteljahr nicht oft der Fall. “ Mit diesen Worten bedankte sich vor wenigen Tagen der Chef eines bekannten Berliner Restaurants bei den Gästen eines Wine & Dine-Abends für den Beifall und das Lob über den gelungenen Abend. „Es läuft nicht gut und wer von den Kollegen etwas anderes sagt, sagt schlicht die Unwahrheit“ meint er zum Abschied.

Berlin vom Potsdamer Platz <br>foto: inyucho/flickr

Berlin vom Potsdamer Platz foto: inyucho/flickr

Auch der Weinhändler, der zu dem Abend geladen hatte, sagt, er habe noch nie so intensiv für seine Veranstaltungen trommeln müssen, wie zur Zeit. Obwohl man sich mit der Kalkulation bewußt zurückhalte. So ein Abend sei ja mehr als Incentive und Appetizer für die Kunden gedacht.

Die Zahlen der Gastro-Branche sind nicht gut: laut DEHOGA schreibt sie die schlechtesten Zahlen seit 2003. Das erste Quartal bescherte ein Minus von 6,9 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sind Hotels und Restaurants, die von Geschäftsreisenden leben. Die Budgets wurden in den meisten Firmen zurückgefahren. Viele sitzen jetzt bei der Bahn in der zweiten Klasse und auch bei den Hotels darf es ein Stern weniger sein.

„Mit unseren Zimmerpreisen sind wir auf IBIS Niveau“ sagt der Empfangschef eines zentral gelegenen 200 Betten Hauses in Berlin. „Zur Zeit schlafen Sie bei uns  im 4 Stern Zimmer für 79 Euro und wir machen unsere Preise jeden Tag neu“.

Für Berlin meldet der Tagesspiegel fallende Umsätze bei Spitzenhotels, da Conventions und Galas wegfallen. Dazu fehlen die Touristen aus den USA, die den 5 Sterne Häusern immer noch eine gute Auslastung bescherten. Das Adlon liegt laut Tagesspiegel mit nur $0% Auslastung im April 15% unter de Jahresmittel von 2008.

Gestern meldete die spanische Hotelgruppe NH Hoteles ein Minus von 14,9 % im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr. Die Hotelgruppe erwirtschaftete in den ersten 3 Monaten 2009 einen Verlust von 39,2 Mio Euro.  NH Hoteles (NH steht für Navarra Hoteles) ist mit  375 Hotels weltweit der drittgrößte Business-Hotel-Betreiber in Europa. NH kündigte an, kurzfristig für 300 Mio Euro Grundstücke und Immobilien zu veräußern. Außerdem sollen an der Börse 200 Mio Euro durch die Ausgabe neuer Aktien beschafft werden.

Der Hotelverband Deutschland (IHA) sieht noch keine Besserung. Eher werden Preise und Auslastung weiter sinken. Schwarzmalerei helfe nicht, meint IHA-Präsident Dreesen in der AHGZ.

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