Letter from London: Oddbins vor dem Aus

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Nachdem good, old „Woolies“ (die Billig-Kaufhaus-Kette Woolworth) dieser Tage Konkurs angemeldet hat, kann die Briten so schnell nichts mehr erschüttern. So würde es niemanden wundern, solllte auch eine Ikone des Weinhandels auf der Insel demnächst verschwinden.

foto:Ewan-M/flickr

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Deutsche Fachbesucher waren früher regelmäßig nach dem Besuch eines Oddbins in zweierlei Hinsicht geschockt: ein beeindruckendes, vielfältiges Sortiment (zuletzt mit fast 600 Artikeln) und eine unkonventionelle, junge mit vielen Komiks durchsetzte Werbung, die oft hart am guten (deutschen) Geschmack vorbeischrammte. Den Briten gefiel beides und Oddbins wurde innerhalb von 40 Jahren mit über 200 Outlets zu einer der größten Weinhandelsketten im Vereinigten Königreich. Wirtschaftlich gab es immer mal wieder Turbulenzen und 2002 übernahm die französische  Castel-Gruppe für angeblich 57 Mio GBP das Ruder.

Nach der Übernahme wurden die Läden renoviert, das Sortiment änderte sich und Oddbins wurde mehr und mehr zu einem verlängerten Arm der auch zu Castel gehörenden Nicolas-Kette. Trotz aller Beteuerungen blieb dabei das unkonventionelle Pionier-Image von Oddbins auf der Strecke. Oddbins wurde zu einem gute Beispiel dafür, dass sich Konzepte nicht ohne weiteres von einem in ein anderes Land übertragen lassen.

Castel verlor angeblich die Lust am Weitermachen, als Oddbins im vergangenen Jahr wieder große Verluste einfuhr: Insider sprechen von 8,6 Mio GBP. Lange fand sich kein Käufer, bis im August dieses Jahres Simon Baile, der Sohn eines ehemaligen Oddbins Directors, die Firma übernahm.  Auch wenn vom „neuen Oddbins“ oder dem „Phönix aus der Asche“ in den Medien die Rede ist, glaubt kaum jemand daran, daß Oddbins aus eigener Kraft die nächsten Monate überlebt.

PS Der Fairniss halber muss gesagt werden, dass sich die Weinszene in UK in den letzten Jahren komplett verändert hat: die Supermärkte wie Sainsburys, Tesco und Waitrose sind mehr und mehr in die Domäne des Fachhandels eingebrochen. Dazu kommen noch Aldi und Lidl mit zusammen fast 1.000 Läden. Trotzdem: London ist auch für Weinhändler immer noch eine Reise wert!

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