Luxus läuft nicht mehr – Icon Weine in der Krise?

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Alte Jahrgänge foto:Jeffrey Beall/flickr

Alte Jahrgänge foto:Jeffrey Beall/flickr

Luxus läuft nicht mehr: Prestige-Autos, Schmuck und Uhren tun sich schwer. Wie sieht es beim Wein aus? Ich habe dazu mit dem Frankfurter Wertpapierhändler Thorsten Jodaitis gesprochen, der den Weininvestment Blog betreibt, der sich mit dem Fine Wine Markt befasst.

Letzte Woche hat HAWESKO schlechte Halbjahreszahlen gemeldet und führt das auf die schlechte Absatz-Situation bei Bordeaux + Champagner  zurück. Insbesondere der Sekundärmarkt für Bordeaux-Weine, an dem HAWESKO mit seiner Tochter Chateau Classic in den letzten Jahren erfolgreich war, sei schwierig. Wie sieht der Markt für Icon-Weine zur Zeit aus?

Der Markt für den Handel mit Icon-Weinen ist derzeit schwierig. Auf der einen Seite besteht immer noch eine große allgemeine Verunsicherung bezüglich der wirtschaftlichen Gesamtsituation. Die Käufer halten sich daher merklich zurück. Auf der anderen Seite möchten potentielle Verkäufer ihre Weine nicht unbedingt auf dem aktuellen Niveau verkaufen und spekulieren auf steigende Preise in der Zukunft. Somit ist der Markt derzeit auf beiden Seiten relativ ausgedünnt. Zudem liegt ein Nachteil darin, dass viele Weinhandelshäuser ihre Preise oftmals nur sehr langsam den aktuellen Marktentwicklungen anpassen, insbesondere wenn die Preise nach unten gehen.

Wie lange dauert es, bis sich die Preise anpassen?

Diese Phase wird gerne einmal „ausgesessen“. International sieht man derzeit den Trend zu aktiven Weinhandelsplattformen, die zwar abhängig vom Anbieter unterschiedlich ausgestaltet sind, aber grundsätzlich den An- und Verkauf transparenter gestalten und die es ermöglichen, flexibel auf die jeweils aktuelle Marktlage zu reagieren.

Sind die Wein-Auktionen von der Krise betroffen oder ist der Markt für die dort gehandelten Weine vom allgemeinen Geschehen abgekoppelt?

Die großen internationalen Weinauktionshäuser schlagen sich erstaunlich gut in diesem Jahr, nicht zuletzt wegen der Nachfrage aus Asien, die ungebrochen erscheint. Überhaupt sieht man, dass Asien zunehmend als Handelsplatz für hochwertigen Wein an Boden gewinnt.

Auch HAWESKO hatte sich mit Chateau Classic in Asien versucht. Scheint aber in China genau in dem Moment gestartet zu sein, als der Markt nach unten ging. Wird sich der Markt für Top-Bordeaux auf Sicht wieder erholen?

Ich bin zuversichtlich, dass sich der Handel mit Icon-Weinen auf mittelfristige Sicht wieder beleben wird. Namen wie z.B. Lafite oder Mouton Rothschild gelten weltweit als Statusobjekt und erfreuen sich daher auch internationaler Nachfrage. Es gibt immer noch genügend Leute, die sich solche Flaschen problemlos leisten können und Spaß daran haben, ihren Weinkeller mit entsprechenden Weinen zu bestücken. Zudem könnte ich mir persönlich vorstellen, dass sich als Folge der Finanzkrise ein Trend zu Sachwerten ergibt, wovon dann in der Zukunft auch der Markt für hochwertige Weine profitieren könnte.

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Ein Kommentar

  1. Die Preisentwicklung insbesondere der 1er Grand Crus aus dem Bordeaux war in den letzten Jahren leider schon erschreckend.
    Als bloße Anlageobjekte wurden die Weine nicht mehr in die Keller gelegt, sondern wechselten – Depot lagernd – nur noch auf dem Papier den Besitzer, von wenigen Ausnahmen abgesehen.
    Ambitionierte Weinfreunde und -geniesser schauten in leere Flaschen die sogar noch für zig Euro bei ebay verkauft wurden.

    Wohlgemerkt, wir reden immerhin von Preissteigerungen der 1er Grand Crus Classés gegenüber der bekanntesten 2eme vom bis zu 10fachen innerhalb von nur ein paar Jahren ! Und das sogar für Jahrgänge, die nicht unbedingt als „outstanding“ zu bezeichnen wären.

    Glücklicherweise sind derzeit 2007er Flaschen auf dem Markt, die z.T. sogar unter dem einstmaligen Subskriptionspreis liegen. Angeblich weil etliche Käufer nicht mehr flüssig waren. Wahrscheinlicher ist aber, daß sich die Négotiants verspekuliert und ihre Keller in der Hausse Hoffnung zu sehr gefüllt haben.

    Eine Preisanpassung war dringend notwendig und hoffentlich werden wir nicht mehr so schnell in die alten Größenordnungen zurückkehren, denn große Gewächse sollten man trinken, nicht mit ihnen noch größeres Wachstum monetärer Art erzielen (wollen).

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