Madeira 3 :20 Jahre auf den ersten Wein warten

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„Wie wollen Sie nach 20 Jahren noch die Handschrift des Winemakers schmecken?“ sagt Francisco Albuquerque, als wir ihn in seinem Tasting-Room treffen. „Natürlich hat der Winemaker Einfluß auf den gesamten Prozess. Wenn wir heute etwas ändern oder verbessern, dann wird man das unseren Jahrgangsweinen in 20, 30 oder 40 Jahren anmerken. Aber da bin ich dann schon nicht mehr dabei. Nach 20 Jahren bei der Madeira Wine Company habe ich meinen ersten Colheita auf die Flasche gefüllt.“

Francisco Albuquerque

Francisco Albuquerque

Jedes Jahr werden die beachtlichen Bestände Fass für Fass durchprobiert und entschieden, was gefüllt werden kann (oder muss) und was sich für die weitere Reifung eignet. „Damit sind wir 2 Monate beschäftigt“ sagt Albuquerque. „Im November bekommen Verkauf und Marketing unseren Bericht und wir legen dann fest, was weiter geschieht.“ Die Aufzeichnungen über Weine, Abfüllungen und Verschiffungen gehen in der Firma bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück: 1811 gründete John Blandy seinen Weinhandel auf der Insel. Der Familie ist heute noch Miteigentümer der Wine Company. Neben Blandy’s lagern auch die Weine von Cossart-Gordon, Leacock’s und Miles im 50.000 hl fassenden Keller.Die Madeira Wine Company ist der größte Exporteur für Madeira Wein. Winemaker Francisco Albuquerque ist damit für fast 50% des aus Madeira exportierten Weines verantwortlich.“A drop in the ocean of wine“ meint er bescheiden.

Albuquerque bekam 2008 zum dritten Mal in Folge den „Winemaker of the Year Award“ bei der International Wine Challenge in London in der Kategorie „Fortified Wines“ verliehen, eine bisher einmalige Leistung. Zurück zu unserer Probe: durch Rebsorten und Jahrgänge geht es wie mit einer Zeitmaschine Jahrzehnt um Jahrzehnt rückwärts bis zum „aktuellen“ Blandy’s 1920 Bual, der in den letzten Jahren bei allen Wettbewerben mit Gold-Medaillen ausgezeichnet wurde. „Madeira Wein ist: Rebsorte, Reifung und Konzentration“ sagt Albuquerque. Klar: je länger der vollständig oxidierte Wein in den Kellern liegt, desto konzentrierter wird er. Der 1920er duftet dann intensiv nach Kiefernwald, Kaffee, Citrusschale, Trockenfrüchten und Pfeffer, im Gaumen ist er erstaunlich frisch, fast leicht, mit einer überaus markanten Säure (auch die ist konzentriert) und lang anhaltend.Verflüssige Zeit im Glas.

Was das Besondere am Madeira ausmacht? „Das Terroir, aber nicht wie Sie vielleicht meinen: von allen Süssweinen haben wir den höchsten Gehalt von Sotolon in unseren Weinen. Das ist typisch Madeira und das gibt’s so nur hier“ kommt der Wissenschaftler durch. Albuquerque hält uns eine Riechprobe unter die Nase. Ja genau, das ist es, dieses Kräuterige. „Madeira kann man nur verstehen, wenn man die Geschichte und die Hintergründe kennt und die Weine dazu probiert“, sagt er zum Abschied. „Trotzdem müssen auch wir uns was Neues einfallen lassen!“ Er gibt uns eine Flasche mit. „Probieren Sie mal unser „jüngstes Baby und sagen Sie mir, was Sie davon halten. Ich sage Ihnen dann was wir gemacht haben“.

PS: Sotolon ist die Hauptaromakomponente von Liebstöckel und Bockshornklee. Auch in vielen Curry-Mischungen schmeckt es durch. Es spielt eine große Rolle im Aromaspektrum gereifter Weißweine.

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