Premium-Wein zukünftig made bei ALDI?

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Weinberge bei Auggen in der Markgrafschaft

Weinberge bei Auggen in der Markgrafschaft foto:Deutsches Weininstitut

Ihren Premium-Wein machen die Discounter in Zukunft selbst. Eine leerstehende Kellerei wird angemietet, ein bekannter Top-Weinmaker eingestellt, Winzer, die von den Genossen genug haben, unter Vertrag genommen. Damit die Qualität dann auch bekannt wird, werden die Weine bei Wettbewerben angestellt. Eine PR-Agentur bekommt den Auftrag das Projekt als neuen Premium-Star an den Presse-Himmel zu heften. Fertig ist der 90-Punkte Discounter Wein.

Und er macht Spaß: weil es keine Querelen mehr mit maulenden Genossenschaftswinzern gibt, keine Verhandlungen mit VDP-Weingütern, die nicht wissen, ob sie sich trauen sollen und weil die ganze Marge im Haus bleibt.

So könnte das Szenario von Premium-Weinen im Discount aussehen.

Dass das garnicht so unrealistisch ist, läßt eine Meldung in WEINWIRTSCHAFT und WEIN+MARKT vermuten: Fritz Keller und der ALDI-Broker Frank Frickenstein haben für ihre VITIS PROJEKT GmbH die ehemalige Genossenschaftskellerei in Kirchhofen im Markgräflerland angemietet, die Teil der Bezirkskellerei Markgräflerland ist. Fritz Keller begründete den Schritt gegenüber der WEINWIRTSCHAFT so: »Für uns bedeutet dies einen weiteren Qualitätssprung nach vorne. Gerade bei unserem hochwertigen, komplexen und nach traditionellen Methoden erfolgten Rotweinausbau ist es notwendig, dass wir die vollständige Produktionskette unter Kontrolle haben.«

Neben dem Qualitätsaspekt spielen sicher auch Überlegungen wie in dem Szenario beschrieben eine Rolle.

Dass die VITIS-Leute gerade von der Markgräfler Bezirkskellerei Kapazitäten anmieten, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: bisher wurde bei den ALDI-Projekten eng mit dem Badischen Winzerkeller Breisach zusammen gearbeitet. Nach den ALDI/Keller Erfolgen entwickelte der aber auch mit LIDL Projekt-Weine. Das führte zu Verstimmungen, wie die Badische Zeitung wußte.

Auch die Markgräfler waren beim ALDI/Keller-Projekt mit dabei. Wie Insider wissen, ist das Verhältnis zwischen der ehemaligen Zentralkellerei und den Markgräfler Genossenschaften nicht ohne Spannung. So konkurierte man in der Vergangenheit um Winzer und Flächen südlich von Freiburg. Für die Breisacher ging es dabei um den unmittelbaren Zugriff auf den regional bedeutsamen Gutedel. Die Konkurrenz ging für den Winzerkeller nicht unbedingt gut aus: die ehemals Breisach angeschlossenen WGs in Sankt Georgen und Buggingen/Seefelden fusionierten in den letzten Jahren mit Markgräfler Genossenschaften. Wenn jetzt auch noch ALDI/Keller enger mit den Markgräflern zusammenrücken, dürfte das ein weiterer Schlag ins Kontor sein.

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4 Kommentare

  1. Ob das wirklich ein 90-Punkte-Wein werden kann, sollten wir erst einmal abwarten. Bisher weisen die von Fritz Keller für ALDI produzierten Qualitäten nicht darauf hin, dass dies auch nur ansatzweise möglich sein könnte. Zu einem großen Wein gehört schon mehr als nur die Erfüllung räumlicher Voraussetzungen, ein Weinmacher und eine PR-Abteilung. Vom Menge-Güte-Gesetz reden wir im Zusammenhang mit der Vermarktung über Discounter besser nicht. Ich frage mich nur: Wie soll das allein kostenmäßig funktionieren?, wenn gleichzeitig die Erträge gerade beim Spätburgunder (um den geht es doch in erster Linie?) schmerzhaft reduziert werden müssen, um nicht (wieder) eine dünne Plörre herzustellen. Ich glaube eher, dass den Konsumenten mit viel Marketinggetöse ein billig hergestelltes und ebenso schmeckendes Produkt als vermeintliche „Premium-Qualität“ schmackhaft gemacht werden soll.

    • Werner
      natürlich braucht es für einen 90-Punkte Wein etwas mahr als nur ein cleveres Marketing. Herauskommen wird wieder ein Wein, der 5,99 oder 6,99 Euro kostet, an dem die Beteiligten, eventuell sogar die beteiligten Traubenlieferanten, gutes Geld verdienen und der dann auch im Internet wieder als „Schnäppchen“ gefeiert wird. Da kann man fragen: Was will der denn noch mehr?

      Winzer und Händler können auf die Dauer nicht zulassen, dass immer mehr über die Discounter läuft, die das Weingeschäft immens schnell gelernt haben (siehe unser Beispiel). Der Eindruck beim Kunden, dass Premium-Weine zu Discount Preisen hergestellt werden können, wird dadurch noch mehr verfestigt. Schon jetzt ist der Kunde der Ansicht, daß ein guter Wein nicht mehr als 5 Euro kosten darf. Bitte aufwachen!

  2. Pingback: Wein online – Überraschung bei LIDL

  3. Pingback: Aus ist – Lehrbeispiel Beaujolais Primeur

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