WSET Tasting mit David Hunter Prowein 2013 foto:mpleitgen

PROWEIN 2013 – höher, weiter, schneller, besser ?

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Höher, weiter, schneller, besser. Es gibt keine PROWEIN, von der nicht neue Rekorde zu vermelden wären. So auch dieses Mal.

WSET Tasting mit David Hunter Prowein 2013 foto:mpleitgen

WSET Tasting mit David Hunter Prowein 2013 foto:mpleitgen

Höher – die Zahl der Aussteller und Besucher  war so hoch wie noch nie. Weiter – durch die neuen Hallen sind die Wege deutlich weiter geworden. Schneller – durch die Vielzahl der Aussteller und Veranstaltungen vergingen die drei Tage wie im Fluge. Aber besser? Besser ist die neue PROWEIN nach Meinung vieler Aussteller eher nicht geworden.

Rekorde bei Ausstellern und Besuchern

4.783 Aussteller aus 48 Ländern und  44.000 Besucher zählte die Messe offiziell – das ist ein Zuwachs von acht Prozent. Gefühlt waren es eher weniger als im vergangenen Jahr, schreibt Dirk Würtz auf seinem Blog. Aussteller, die am Ende ihre Besucher-Listen durchgingen, sprachen von einem Minus qualifizierter Kontakte von 15 bis 20 Prozent gegenüber 2012.

Die Hallen mit den großen Gemeinschaftspräsentationen von Frankreich, Italien und Spanien schienen am Sonntag und Montag eher mäßig besucht, am Dienstag waren die Aussteller weitgehend unter sich. Deutsche Aussteller vermissten wohl am meisten Einkäufer aus dem LEH und von den großen Fachhändlern, meint die Weinwirtschaft.

Besucherqualität unterschiedlich

Interessant: am Stand von WSET fanden sich zu den Tastings jeweils eine Menge chinesisch sprechende junge Damen ein. Ein Stück weiter präsentierte das DWI seine China-Projekte. Und auch die Messe ist  ja in Richtung China unterwegs. Da war es natürlich schön, in Düsseldorf chinesische Besucher zu haben. Welche Beziehung die jungen Damen allerdings zur Branche hatten und woher sie kamen, war nicht in jedem Fall zu klären.

Auch Wein+Markt merkt in seiner aktuellen Faxline an: „Tatsächlich befanden sich [unter den Besuchern] jedoch nicht nur Fachleute aus den Bereichen Handel, Gastronomie und Weinproduktion, sondern auch wieder zahlreiche weininteressierte Privatleute“.

Ungünstiger Termin

Ganz sicher ungünstig war der Termin dieses Jahr für die deutschen Fachhändler und Einkäufer. Die Woche vor Ostern ist im Weingeschäft nach Weihnachten die zweitwichtigste des Jahres.

„Ich kann doch nicht nach Düsseldorf fahren, wenn bei mir im Geschäft die Kunden Schlange stehen“ – so oder so ähnlich, war es im Vorfeld der Messe zu hören. Etliche seiner Kunden hätten signalisiert, dieses Jahr auf den Messebesuch zu verzichten, berichtete ein Fach-Großhändler – das habe sich in der Zahl der Kontakte niedergeschlagen.

Overload bei Veranstaltungen und Präsentationen

Auch bei den Veranstaltungen, Seminaren und Verkostungen bei der Messe gab es neue Rekorde. Das offizielle Veranstaltungsverzeichnis war schon beachtlich – zusätzlich tönten von überall her die Lautsprecher. Das scheint nahe am Overload zu sein. Auch die zahlreichen „Master“ konnten da nichts mehr reißen – zumal sich die Frage stellt, wie glaubwürdig ein solcher Star ist, der um 10h00 für Bordeaux, um 11h00 für die Türkei und um 12h00 für Südfrankreich auftritt.

Man müsse diese Konzepte dringend überdenken, meinte ein Marketing-Verantwortlicher. Das dürfte auch für die vielen Abendveranstaltungen und Parties gelten – sicher macht es Spaß, gemeinsam zu feiern. Ob die Budgets aber tatsächlich auch im Interesse des Geschäfts wirken, darf bezweifelt werden. In vielen Fällen feiert man sich wohl eher selbst.

Branche hat keinen Grund zum Feiern

Auch die neue PROWEIN bleibt der große Branchentreff, in Europa ist sie mittlerweile der größte. Auf der Ausstellerseite ist die Messe noch internationaler geworden – fast alle sind da, bis hin zu Exoten. Der große Türkei-Stand – Tschechien, Georgien, Moldawien, die östlichen Länder – ja sogar Großbritannien war vertreten. Mancher inländische Aussteller kam sich angesichts der internationalen Präsenz in der „deutschen“ Halle 6 etwas verloren vor.

Die PROWEIN 2013 spiegelt die aktuelle Situation der Branche – Alle drängen auf den deutschen Markt, die deutschen Anbieter haben zur Zeit Wein im Keller. Der Markt insgesamt ist schwieriger geworden: weniger Menge, weniger Käuferhaushalte, steigende Preise. Sollte es so weitergehen, wie in den ersten Monaten des Jahres, wird die Stimmung kippen. Zur PROWEIN hat man sich noch mal Mühe gegeben und sich herausgeputzt – rechte Feier-Laune wollte aber trotz alledem nicht aufkommen.

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3 Kommentare

  1. Wir hatten dieses Jahr ein Plus von über 20 %. Wir hatten auch Bedenken wegen der Osterwoche. Der Sonntag war etwas schwächer als letztes Jahr. Montag und Dienstag besser. Wenn man schon eine deutsche Halle will und wir aus der 5er verjagt wurden, sollte es auch wirklich eine Deutsche Halle sein. Zumal man hörte, dass einige deutsche Aussteller wie wir auch, keine zusätzliche Fläche bekamen.

    • Ich denke, wer die Messe gut vorbereitet hatte, wußte, was zu erwarten war.

      Es dauerte diesmal im Vorfeld wirklich lang, bis das Flächenkonzept stand. Um jeden Quadtratmeter wurde gerungen.

      Viele Aussteller waren befremdet, in der „deutschen“ Halle so viele ausländische Angebote zu finden. Auch dass Winzer, Weingüter und Kellereien so nahe bei einander waren, hat nicht jedem gefallen…

  2. Obwohl ich (Onlinehändler) im Vergleich zum traditionellen Weinhandel nahezu das ganze Jahr Saison habe, war auch für mich der Termin eher ungünstig. Wollen die Organisatoren der Prowein vielleicht weniger die Fachhändler? Mir drängt sich diese Frage geradezu auf. Auch auf der Biofachmesse hat man/frau das Gefühl das das große Publikum gefördert werden soll. Am Sonntag, wo die Biofachhändler am ehesten Zeit hätten, hat die Biofach gar nicht mehr geöffnet. Will man auf der Prowein die kleinen Fachhändler etwa verdrängen? Diese Frage drängt sich mir geradezu auf. Aber Achtung liebe Proweiner: Die Biofach hat für die Weinaussteller drastisch an Bedeutung verloren.

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