Saale-Unstrut – mehr Profil mit Wein und Tourismus?

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Saale Unstrut Rebberg

Wie bekommt man mehr Profil ? foto:Weinbauverband Saale-Unstrut

„Wir haben die Chance für mehr Profil und wir sollten sie nutzen“ sagte gestern abend Christian Kloss Chef des Landesweingutes Kloster Pforta bei einem Gespräch am Rande der Jungweinvorstellung der Saale-Unstrut Weine in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin. „Die Weinmarktreform eröffnet die Chance für neue, verständlichere Bezeichnungen – auch wenn es um Spitzenlagen und Top-Qualitäten geht“. Das letzte Wort scheint also in der Region noch nicht gesprochen – man hat den Eindruck als beginne auch hier, wie in anderen Regionen, die Diskussion jetzt erst richtig. Anläßlich der großen Jahrgangspräsentation der mitteldeutschen Weine aus Elbtal und Saale-Unstrut, die dieses Jahr in Weinböhla bei Meissen stattfindet, wollen die Winzer sich zusammensetzten.

Profil – das ist überhaupt das Wort in der Region um Naumburg, Bad Kösen und Freyburg. Man sieht sich als „echter Geheimtipp für geschichtsinteressierte Kenner und Freunde mittelalterlicher Baukunst“. So heißt es in der offiziellen Tourismus-Werbung, die wie so vieles in der Region an der Vielfalt leidet: soll man sich als Land der Romanik, der Burgen und der Geschichte präsentieren, eignet sich Wein und Genuß besser als Thema oder sollen Natur und Aktivurlaub in den Vordergrund? Von allem hat man genug: 2011 steht ganz im Zeichen des „Naumburger Meisters“, einer der profiliertesten Bildhauer und Architekten des Mittelaters, man blickt auf über 1.000 Jahre Weinbau zurück, mit Kloster Pforta hat man eines der ältesten deutschen Weingüter in der Region und der Naturpark „Saale-Unstrut-Triasland“ bietet sich zum Wandern und Radfahren mit der ganzen Familie an. Das Problem: wen soll und will man ansprechen? Eignet sich Vielfalt als zugkräftiges Motto?

Vor einem ähnlichen Herausforderung steht der Wein in der Region: im ca. 730 ha großen Weinanbaugebiet werden an die 30 verschiedene Rebsorten angebaut. Das hat historische Ursachen: im nördlichsten deutschen Anbaugebiet am 51. Breitengrad, den vielfältigen Bodenformationen und unterschiedlichen Mikro-Klimata hat man schon immer probieren müssen, mit welcher Rebsorte man dauerhaft Erfolg haben kann. Das hat dazu geführt, daß selbst der als Leit-Rebsorte der Region anzusehende Weissburgunder nur auf etwas über 12% Flächenanteil kommt. Eigenen sich Spätburgunder (30 ha Anbaufläche) oder Zweigelt (20 ha) als  rote Profil-Rebsorten? Erschwerend kommt dazu, daß sich die Region verwaltungtechnisch in drei Bundesländer teilt: der größte Teil liegt in Sachens-Anhalt, dazu kommen Rebflächen in Thüringen und Sachsen – entsprechend darf man sich den Abstimmungsbedarf vorstellen.

Trotzdem wird von der Weinwirtschaft viel unternommen: vor allem im Frühjahr und in den Sommermonaten finden fast jeden Tag Veranstaltungen statt. Höhepunkte sind der Freyburger Weinfrühling am 1. Mai und die Saale-Weinmeile , die an Pfingsten mit über 30 Stationen in Weingüter, Gaststätten und Privat-Gärten einlädt.

Gerne würde man mehr Berliner an Saale-Unstrut begrüßen – im Grunde liegt die Region nur 1 1/2 Auto-Stunden entfernt und ist auch per ICE direkt von der Hauptstadt aus zu erreichen. 90 Kilometer Radwanderwege laden ein, es gibt Unterkünfte in Gasthäusern, auf dem Weingut und bei Privat ….  Allerdings scheint es der Berliner maximal bis zum Wachtelberg zu schaffen, der gehört zwar weinbaurechtlich auch zum Anbaugebiet Saale-Unstrut, liegt aber nur wenige Kilometer von Berlin entfernt beim brandenburgischen Werder an der Havel. Das dortige Baumblütenfest Ende April ist dort regelmäßig mehr als überbucht.

2010 war für uns eine Herausforderung – da war zum einen das feuchte Wetter während der Reifeperiode und der Erntezeit – die späten Rebsorten wie Riesling und Traminer sind uns sehr gut gelungen, weil wir lange mit der Ernte gewartet haben. Zum anderen lag die Ernte-Menge um 35% unter dem langjährigen Mittel. Das war an Saale und Unstrut schon der zweite Jahrgeng in Folge: bereits 2009 hatten wir 45% Ausfall. Wenn man nur wenig zu verkaufen hat, ist nicht gerade die Zeit für große, neue Werbeanstrengungen – wir müssen trotzdem dranbleiben“, meint Kloss zum Schluss.

 

 

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5 Kommentare

  1. Ich hatte vor rund 2 Jahren das große Vergnügen, nach einem spannenden Besuch in Sachsen das zauberhafte Gebiet Saale-Unstrut kennen zu lernen.

    Nach meinen Besuch in der WG Freyburg-Unstrut ging es zu Bernhard Pawis und Kloster Pforta. An den Hängen von Kloster-Pforta zu stehen und einem Vortrag von Christian Kloss zu lauschen kann nur noch durch einen Besuch beim Bernhard Pawis oben auf dem alten historischen Gutshof Zscheiplitz getoppt werden.

    Ich jedenfalls habe Saale-Unstrut mit den Worten verlassen: Hier wird der Müller wieder salonfähig gemacht! Beide Daumen hoch für die sehr guten Weine und die Gastfreundlichkeit!

    Ein Besuch dieses Weinbaugebietes lohnt sich in jedem Fall und sollte bald in vielen Kalendern eingetragen sein.

  2. Pingback: Berliner Blogs im Wikio-Ranking April 2011 – Von Stefan Stahlbaum

  3. Gut, dass Saale-Unstrut auch hier mal etwas mehr Aufmerksamkeit erfährt. Das Anbaugebiet hat es verdient. Wir sind jährlich mindestens dreimal vor Ort und haben die Region und ihre Menschen kennen- und schätzengelernt. Inzwischen konnten wir auch viele Berliner motivieren, sich vor Ort selbst ein Bild von der Landschaft und der Qualität der Weine zu machen. Wer alte Vorurteile, die er vielleicht Anfang der 90er gemacht hat und seither mit sich rumträgt, überwindet, kann viel Neues entdecken und nicht nur seinen Weinhorizont erweitern.

    Zwei Ergänzungen zum Schluss: Das Anbaugebiet umfasst – wie oben geschrieben – auch den Werderander Wachtelberg und damit auch das Bundesland Brandenburg. Höhepunkte der Weinkultur an Saale und Unstrut, Weißer Elster und am Süßer See sind ganz sicher die Tage der offenen Weinkeller am ersten Augustwochenende.

  4. Ich kann da nur unterstreichen, dass sich ein Besuch immer lohnt, besonders möchte ich auf die Schweigenberge in Freyburg hinweisen. Im Spätsommer und Herbst ist dort eine durch aus Mediterrane Atmosphäre spürbar… und mit ein bisschen Glück kann man einen Winzer bei der Arbeit oder in einer der vielen Besenwirtschaften begegnen.

    Grüße aus Saale / Unstrut

    Weinbau24 -Team

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