Social Media im Alltag

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Twitter, Facebook und Friendfeed sind schon sehr viel mehr Bestandteil unseres Alltages, als wir gemeinhin wahrnehmen. Die Berichte über die Rolle von Twitterern bei Erdbeben und Flugzeugabstürzen haben eher dazu beigetragen, die Medien zu mystifizieren, als aufzuklären. Für die Öffentlichkeit ist Social Media unverständliche Technik, Zeitvertreib für Leute, die sowieso nichts zu tun haben und digitale Modeerscheinung.

Dabei ist Social Media Bestandteil einer sich verändernden Kultur. Einer Kultur, die maßgeblich von den „Digital Natives“ getragen wird, denjenigen, die mit Spielkonsole und Internet großgeworden sind. Und die tauchen jetzt mehr und mehr in den Besprechungsrunden unseres Arbeits-Alltages auf.

Meeting with laptops foto:shareski/flickr

Meeting with laptops foto:shareski/flickr

Sind Sie schon einmal in einem Meeting gesessen, wo nebenher jeder mit seinem Laptop arbeitet? Nach traditioneller Arbeitsauffassung kann das nicht sehr effektiv sein. Meine Erfahrung sieht anders aus. Anfangs war auch ich etwas befremdet, aber nach zwei, drei Sitzungen störte mich das nicht mehr, weil ich wusste, daß das Ergebnis genauso gut oder schlecht ist, wie bei einem „normalen“ Meeting. Der frappierende Unterschied zum „normalen“ Meeting war: als ich wieder an meinem Schreibtisch ankam, war das Protokoll der Sitzung schon in meinem Postfach, meine Powerpoints waren mit Anmerkungen versehen und im hauseigenen Chat-Channel war eine lebhafte Diskussion zum Thema im Gange. Die Sitzung ging quasi im Netz unter Einbeziehung weiterer Kreise im Haus weiter. Alles wird gleichzeitiger und schneller. Meine Begegnung mit der neuen Multitasking-Kultur fand übrigens in einer jungen, erfolgreichen Weinfirma statt.

Wie die „Digital Natives“ Reales und Virtuelles zu einer neuen Wirklichkeit verbinden und wie sie die Arbeitswelt verändern, ist in einem sehr guten Beitrag im manager-magazin.de nachzulesen.

Fest steht: schaut man heute in der Weinbranche, wer in den neuen Medien unterwegs ist, fällt auf, daß mittlerweile alle aktuellen Meinungsführer dort zu finden sind. Einige Beispiele aus dem englischsprachigen Raum:  Sie können heute mit Jancis Robinson, Robert Joseph , Kevin Zraly und anderen twittern oder im Twitterverse den Notizen von Oz Clarke oder Jamie Goode folgen. Nicht in den neuen Medien vertreten sind dagegen diejenigen, die die Bücher und Artikel von gestern geschrieben haben und die heute mit sinkenden Auflagen- und Abonenntenzahlen zu kämpfen haben.

Die Wirksamkeit unmittelbar an Nutzerzahlen festzumachen, wäre falsch. Die Branche selbst ist sich noch nicht im Klaren, wie Social Media wirkt. Dazu hat am Rande des Frankfurter Social Media Measurement Summit am 20. Mai Bernd Negelmann von Social Breakfast ein interessantes Gespräch mit Jörg Blumtritt von der AG Social Media geführt.

Für Praktiker spielt die Theorie übrigens keine große Rolle: die machen einfach. Wie es geht, kann man in meinem Gespräch mit dem twitternden und bloggenden Winzer Dirk Würtz nachlesen.  Für Bordeaux-Freunde hat es sich in diesem Jahr unbedingt gelohnt, sich mit Twitter vertraut zu machen: Twitter funktionierte wie ein Börsen-Ticker mit Kommentarfunktion.

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3 Kommentare

  1. Wie wahr! Meine Erfahrung ist, dass die online generierten Synergien noch wirkungsvoller werden, wenn offline fortgesetzt. Als Netzwerkerin und Digital Native (obwohl östlich der Elbe noch ohne Computer und Spieleconsole aufgewachsen) möchte ich ein Berliner kulinarisch-vinophiles Tweet-up (Treffen der zu diesen Themen twitternden oder sonstwie online agierenden Spezies) anregen…

  2. Hallo Michael, ich kenne die Food-Blogger-Szene einigermaßen gut. Bei den Weinis kennst Du Dich doch bestens aus…
    Wir können ganz unkompliziert via twitter-Ankündigung mal den Vorschlag machen und ggf. die uns bekannten Leute einladen und schaun, wer sonst noch aufkreuzt… Weiteres gern via Twitter…

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