Studie Winzermarkenweine: Warum sich Winzer für Marke entscheiden

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Verkostung WinzerMarkenWeine

Verkostung Winzer-Markenweine im Weinland Waterfront Hamburg

Gestern und heute werden in Hamburg im Weinland Waterfront die Weine für die Top 100 der Deutschen Winzermarkenweine verkostet. Die Ergebnisse finden sich bei best-of-wine.com. Interessant waren die Rotweine, die gestern auf den Tisch kamen. Bei moderaten Preisen wurden zum Teil beachtliche Qualitäten angestellt.

Parallel mit den Top 100 wurden die Winzer zu ihrem Markenwein-Konzept und zu ihren Weinen befragt. Manchen war die Arbeit, den umfangreichen Fragebogen auszufüllen, wohl etwas viel. Auch mit konkreten Zahlen tuen viele sich schwer. Aber die Ergebnisse sind trotzdem aufschlussreich und interessant.

Es gibt im wesentlichen zwei Gründe für einen Winzer, sich Gedanken über einen Markenwein zu machen: der erste ist eher betrieblicher Natur. Durch Traubenzukauf oder Zupacht von Rebgrundstücken passt das bisherige Lagen/Rebsorten-Schema des Betriebes nicht mehr. Cuvees über Lagen und Rebsorten hinweg entstehen. Dafür braucht es einen Namen.

Mancher hat eine ganz eigene Vorstellung von einem großen Wein und möchte bei der Kreation frei sein von Lagen, Rebsorten, Ausbaumethoden und Bezeichnungen. „Barrique-Rebellen„, deren Weine vor Jahren noch bei der Qualitätsweinprüfung als untypisch abgelehnt wurden, gehören dazu. Explizit schrieb jemand, nach einer solchen Erfahrung habe er sich an den großen Vino da Tavola aus der Toskana orientiert. Das ist die zweite Kategorie von Gründen für einen Winzer-Markenwein.

Während die Weine der ersten Kategorie eher im günstigen bis mittleren Preisbereich (bis 10 Euro) zu finden sind, gibt es in der zweiten Kategorie Weine, die im Premium-Segment angesiedelt sind.

Selten, zumindest in der vorliegenden Befragung, ist die Entscheidung für eine Marke direkt von der Vermarktung ausgelöst. Bei Genossenschaften oder größeren Betrieben gibt es den Fall, daß eine Sonderlinie für die Gastronomie oder für einen bestimmten Handelspartner unter einer Marke geschaffen wird.

Die vollständige Studie wird in den nächsten Tagen hier online gestellt.

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4 Kommentare

  1. Deutscher Tafelwein (vgl. Vino da Tavola) im Premium Segment ab € 20,- ?
    Noch selten und ganz sicher nichts für das klassische Klientel.
    Zudem ein Kraftakt für das Marketing, respektive die Platzierung einer Marke.

    Wir dürfen gespannt sein auf die Entwicklungen, obschon ich persönlich diesbezüglich meine Zweifel hege.
    Fehlende Terroirprägung, unterschiedliche Selektion etc. führt m.E. nur zu profillosen Massenprodukten, die vielleicht konform gehen, mit gewissen Trends, die natürlich ausgleichend wirken bei Ernteausfällen u.ä., die aber austauschbar und ohne Konturen sind.

    Auf der anderen Seite steht die Rückbesinnung auf Traditionen, auf bewährte Rebsorten im Einklang mit Mikroklima und typischen regionalen Speisen.
    Junge Winzer die sich wieder trauen, spontan zu vergären, die wieder lernen, Milben nicht mit der chemischen Keule zu bekämpfen und die auch wieder sinnvolle Beibepflanzung in den Wingert bringen.

    Quo vadis vitis vinifera ?

    Mir scheint es heute oft wie ein Scheideweg zwischen Trend und Tradition , zwischen Geld und Genuss, der zu guten wie zu schlechten Kompromissen führt. Und auf Kunst-Marken kann ich weiterhin verzichten, dafür haben wir doch ein viel zu schönes Potential in unseren tollen Lagen.

    • Um eine Familie zu ernähren, braucht es in den meisten Regionen bei uns doch 10 – 12 ha. Wenn man mehr machen will (oder muß) stößt man schnell an die Grenzen von Lagen und Rebsorten. Das ist dem Klein-Klein in unserer Weinwirtschaft geschuldet. Nur wenige haben große zusammenhängende Grundstücke oder das Geld gleich alles neu aufzureben.

      Um aus der Not eine Tugend zu machen, entscheiden sich manche für die Marke.

  2. Da gebe ich Ihnen ja auch Recht Herr Pleitgen. Bezogen habe ich mich eher auf die von Ihnen beschriebene zweite Kategorie der sog. Premium-Weine.

    Einige Marken haben es ja auch schon geschafft, eine gewisse Bekanntheit zu erzielen, darunter sogar VdP-Güter mit einem Hang zur Anglisierung.
    Eine Steillage bezogen auf den Absatz wird deswegen noch lange nicht daraus und eine „Dumpfbergener Achselhöhle“ wird nicht zum Großen Gewächs, nur weil der Verschnitt mit dem „Bischöflichen Punkteregister“ als „Geilomat“ in den Szenekneipen vermarktet wird.

    Wir hatten solche Marken auch früher schon und leider wird deutscher Wein im Ausland noch heute oft damit gleichgesetzt.

    Jedem sei der Absatz und auch der Erfolg gegönnt, nur birgt ein solches Branding eben auch Gefahren, die vermittelt werden sollten, bevor es durch die nächste Trendwende Essig ist mit den neuen Abnehmern – gerade bei den kleineren Betrieben.
    Dann sind nämlich gleich beide Konsumentengruppen weg – der alte konservative Kunde zuerst, der neue Trendsetter danach.
    Und das ist mit Verlaub wie die Axt im Wingert, oder schlimmer noch, der Nährboden für den sich ausdehnenden Pilz der Massenproduktionen.

    • Was ist dann mit einem Geheimrat J oder einem Dr. L? Die Produzenten sehen das auch in gewisser Weise als Marke. Vor allem exportorientierte Winzer haben sich schon seit Jahren neu orientiert. Sie sind wie viele ausländische Journalisten der Meinung, dass Deutscher Wein verständlicher werden muss. Bei gleicher Qualität selbstverständlich.

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