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Beiträge zum Thema “biofach”

Nachhaltigkeit - das Wort zog sich beim 4. Weinmarketing-Tag in Heilbronn fast durch alle Fachvorträge. Klar das LOHAS, Menschen die einen umweltbewußten und auf Nachhaltigkeit gerichteteen Lebenstil verfolgen, sich für Öko- und Bio-Lebensmittel und Weine interessieren. Zu den LOHAS werden etwa 20% der Bevölkerung gerechnet. Klar wurde in Heilbronn aber auch, daß über diese Kernziel-Gruppe hinaus das Verlangen nach Werteorientierung in unserer Gesellschaft wächst. Leider wurde bei der Tagung das Ganze von den meisten Teilnehmern unter der Rubrik “Bio-Wein” abgehakt. Damit wird viel Potential verschenkt.

REWE Bio e-card zum Versenden

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Der LEH hat dieses Potential für sich entdeckt und nutzt es zur Schärfung des eigenen Profils. Der Handel wird Bio aus zwei Gründen weiter forcieren: erstens beträgt der Preisabstand zum konventionellen Produkt teilweise bis zu 30%, während die Einkaufspreis zum Teil nur gering über dem Preis für konventionelle Ware liegt (Beispiel Milch). Zweitens eignet sich Bio ausgezeichnet, das Engegement für Nachhaltigkeit gegenüber dem Verbraucher zu dokumentieren und darüber Präferenezen zu schaffen. In der Lebensmittelzeitung (LZ) bezeichnet Dirk Heim, Category Manager der REWE Group, das Bio-Sortiment als die “Speerspitze” der REWE, wenn es um Nachhaltigkeit geht:”Bio ist per se nachhaltig!”. Lesen Sie weiter »

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Wer noch einmal durch das bereits im November im Auftrag des Ernährungsministeriums von EMNID erstellte “Ökobarometer 2008″ liest, findet darin interessante Zahlen zum Kaufverhalten bei Bio-Artikeln.

53% der Bevölkerung kauft gelegentlich Bio-Artikel ein, 17% sogar häufig. Interessant ist, dass junge Verbraucher sich am wenigsten für Bio-Artikel interessieren. Eine Erklärung könnten die Kaufmotive liefern.

Die Mehrheit der Bio-Käufer traut dem Biofachhandel (umgangssprachlich: Ökoläden) die meiste Kompetenz in Sachen Bio zu. Tatsächlich werden aber Bio-Artikel vorwiegend im Supermarkt gekauft: 77% gaben an, Bio-Artikel dort zu kaufen, 62% gaben sogar den Discount als Einkaufsstätte an. Bio wird eben dort gekauft, wo man sich mit den Lebensmitteln für den täglichen Bedarf eindeckt.

foto: Biofach NuernbergMesse / Thoams Geiger

foto: Biofach NuernbergMesse / Thomas Geiger

In der Studie wurde auch nach den Motiven für den Kauf von Bio-Artikeln gefragt. 66% der Käufer erwarten von Bio-Lebensmitteln eine geringere Schadstoffbelastung und weniger Rückstande im Essen. Nach wie vor steht der Gesundheitsaspekt und der Wunsch nach unverfälschter Nahrung ganz vorne. Hier scheint auch der Grund zu liegen, warum junge Verbraucher nicht so oft zu Bio greifen: ihnen ist die Gesundheit (noch) nicht so wichtig. 40% der Käufer meinen, bei der Erzeugung von Bio-Nahrungsmitteln würden Sozialstandards besser eingehalten, unter anderem auch, weil sie den Bauern persönlich kennen. 37% denken, sie würden mit dem Kauf von Bio-Lebensmitteln zum Klimaschutz beitragen.

Interessant ist auch,  w i e  Käufer auf Bio-Artikel aufmerksam werden. Anzeigen und Werbung spielen eine immer untergeordnetere Rolle. Ausschlaggebend sind Empfehlungen von Freunden und Bekannten (58% lassen sich davon anregen) oder neue Artikel im Laden (51%). 2/3 der Verbraucher würden öfter zu Bio-Artikeln kaufen, wenn sie mehr Information zu Herstellung und Bio-Garantien hätten. Hier ergeben sich interessante Ansätze fürs Marketing: Freunde werben Freunde, Empfehlungsmarketing aktivieren, Bio-Artikel deutlich herausstellen und mehr Information dazu anbieten.

Die Kauf-Motive für Bio-Artikel sollen so stark sein, dass sie selbst in Krisenzeiten wirken. Im Vorfeld der Biofach schrieb Kai Kreuzer von biomarkt.info, wer einmal Bio-Kunde sei, werfe auch in der Krise seine Überzeugung nicht über Bord und kaufe weiter. Und Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW (Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft) sah in einem Gespräch mit der SZ für die nächsten Jahre weiteres Wachstum. Der deutsche Biomarkt sei 2008 um +10% auf einen Umsatz von über 5,8 Millarden gewachsen.

Es gibt allerdings Zeichen, dass auch in der Biobranche die Zeiten üppigen zweistelligen Wachstums vorbei sind: Die Krise bei den BASIC Märkten gilt zwar teilweise als hausgemacht, aber es sollen wohl auch die für ein weiteres Wachstum notwendigen Zuwachsraten gefehlt haben. “Letzten Sommer haben wir alle ein bißchen gezittert”, berichtet ein BASIC Lieferant im Gespräch bei der Biofach.

Auch beim Branchenprimus dennree in Töpen habe sich das Tempo deutlich veringert, so die Lebensmittelzeitung. dennree habe zwar 2008 um +7% auf 330 Millionen Euro zulegen können. Im Vorjahr seien es jedoch noch +15% gewesen. Neben dem Großhandel betreibt dennree 25 eigene Bio-Märkte unter der Marke denn’s. Hier soll die Expansion weitergehen: die Zahl der Outlets soll in diesem Jahr von 33 um weitere 25 wachsen.

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Bei der Biofach in Nürnberg diskutierten am vergangenen Freitag Experten aus Verbänden und Fachhandel zum Thema. Viele Weinfachhändler haben sich mit Bio-Weinen noch nicht beschäftigt oder sind immer noch skeptisch, was die Qualitäten angeht. Stefan Gerner (Winzerwelt ex Mövenpick Weinland Chef) sagte:”Ein Biowein muss zunächst einmal ein guter Wein sein. Bio ist dann eine zusätzliche Eigenschaft. Das gilt für meine Listungsentscheidung, aber auch in der Argumentation meinen Kunden gegenüber.” Allerdings würden zunehmend Kunden nach Bio-Weinen fragen.

Winzer- und Händler-Runde foto: NuernbergMesse / Thomas Geiger

Winzer- und Händler-Runde foto: NuernbergMesse / Thomas Geiger

In der Diskussion ergab sich der Eindruck, dass sich manche Öko-Produzenten mit den Gepflogenheiten des Weinhandels noch nicht so richtig auskennen. Ein Weinfachhändler berichtete von absolut  unzureichenden Spannen, die manche Öko-Produzenten vorgeben, indem sie selbst über ihre Direktvermarktung zu Niedrigpreisen die möglichen Ladenpreise nach unten drücken. Auf der Produzentenseite scheint es Berührungs-Ängste mit dem Handel zu geben. Indem Biosiegel zunehmend im Handel auftauchten, könnten sie entwertet werden. Auch der Fachhandel wird kritisch gesehen: da er in Konkurrenz zum LEH und Discount stehe, drehe er auch an der Preisschraube nach unten. In diese Mühle wolle man nicht hinein.

Dem widersprach Frank Lüske von Biolüske, einem der erfolgreichsten und innovativsten Bio-Fachhändler in Berlin. “Wir sind auf die Konkurrenz mit dem LEH vorbereitet.Bei uns berät ein Wein-Eexperte und  wir haben es in den letzten Jahren mit Wein-Seminaren und Kochevents geschafft, unseren Durchschnittspreis auf 8 Euro pro Flasche zu heben. Unseren Kunden wird der 3,99 Bio-Wein vom Discounter nicht schmecken!”

Auch Christine Bernhard vom Ecovin-Vorstand meinte, die Öko-Winzer brauchten den Handel. “Aber wir wünschen uns eine neue Qualität im Umgang miteinander. So etwas wie fair trade. Ein professionelles, aber partnerschaftliches Verhältnis.”

Alle waren sich einig: mit den zunehmenden Angeboten im LEH und Discount ist der Bio-Wein in der Normalität angekommen. Darauf müssen sich Winzer und Händler einstellen.

Der deutsche Biomarkt ist 2008 um 10% auf einen Umsatz von 5,8 Millarden gewachsen, berichtete die SZ. Biowein hat mengenmäßig sogar um über 30% zugelegt.In der Weinhalle konnte man dies an der positiven Entwicklung der Aussteller- und Besucherzahlen nachvollziehen. Alexander Ultes, der das Tasting mit organisiert, sagte, bereits am ersten Tag der Messe seien doppelt so viele Besucher wie im vergangenen Jahr bei den Proben gewesen. Auch am Freitag mittag war die Halle deutlich besser gefüllt als im Vorjahr.

Insgesamt zählte die Messe zu ihrem 20-jährigen Geburtstag 46.000 Besucher und lag damit auf Vorjahresniveau. Knapp 40% kamen aus dem Ausland. Nicht nur Ökohändler fanden den Weg nach Nürnberg, noch nie war das Interesse aus dem LEH und auch dem Wein-Fachhandel so groß. Unter den 2.540 Austellern der Biofach waren 304 Weinanbieter. Wein stellte damit 11% des Angebotes. Dies unterstreicht die Bedeutung fürs Bio-Sortiment.

Die Verbandsvertreter sehen auch für die Zukunft trotz heraufziehender Krise weiteres Wachstum. Wer einmal Bio-Kunde sei, werfe auch in der Krise seine Überzeugung nicht über Bord. Insider sehen allerdings zweistellige Zuwachsraten als Vergangenheit.

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