Beiträge zum Thema “Spirituosen”
Geschrieben von Michael W. Pleitgen in Fachhandel, Gastronomie, LEH, Marketing, Tags: Gallier, Heilbronn, Premiumwein, Prowein, sparen, Spirituosen, verbraucher, Wein, Weinmarketingtag, Weinwirtschaft, Wirtschaftswoche, 3.535 mal gelesen
Jetzt könnte es auch für die Weinbranche eng werden. In den letzten Monaten sah es noch so aus, als seien die deutschen Verbraucher gegen jede Krisenstimmung gefeit. Aktuell mehren sich Anzeichen, daß die Bereitschaft zum Sparen wächst. Während das GFK-Konsumklima im März noch ganz gut war, belegt laut “Wirtschaftswoche” (print) eine bisher unveröffentlichte Grey-Umfrage, daß die Konsumenten für manche Produkte “sicherheitshalber schon jetzt weniger ausgeben” wollen.
 foto: pmorgan67/flickr
Bei Reisen wollen jetzt 29 Prozent weniger ausgeben als im Vorjahr. Bei Kleidung und Schuhen sind das 21%, bei Nahrungsmitteln 6%, bei Genußmitteln und Spirituosen satte 27%. Besonders einschränken wollen sich die Verbraucher bei Unterhaltungselektronik (34%) und Luxusgütern (43%). Diese Zahlen dürften umso größer werden, je weiter sich die wirtschaftliche Situation Lesen Sie weiter »
5 Kommentare »
Was man alles selbst gegen härtesten Widerstand erreichen kann, zeigt ein Besuch bei der Portman Group in London. Das Thema ist auch in Deutschland bestens bekannt: Alkoholprävention.
Anders als bei uns, hat in Großbritannien die Wein- und Spirituosen-Branche die Sache selbst in die Hand genommen. 1996 gründeten die 9 größten Spirituosen-Hersteller die Portman Group als Think-Tank in Fragen verantwortungsvoller Verpackung, Werbung und Promotion. Das Büro sollte die verschieden Aktion seiner Mitglieder hinsichtlich verantwortungsvollem Umgang mit Alkohol koordinieren und in der Öffentlichkeit als Vertreter der Branche auftreten.
 Code of practice
Der von der Portman Group entwickelte und im Lauf der Zeit immer wieder verbesserte „Code of Practice“ ist heute die allgemeine und verbindliche Richtlinie in Großbritannien, wenn es um Namensgebung, Verpackung und Vermarktung alkoholischer Getränke geht. Obwohl von der Industrie
finanziert, wirkte die Portman Group seit 1996 aktiv darauf hin, dass mehr als 70 nichtkonforme Produkte vom Markt genommen wurden. Sie war an der Umsetzung der gemeinsam vereinbarten Richtlinien in der Werbung ihrer Mitglieder beteiligt. Das führte dazu, dass heute in GB keine Werbung mehr für alkoholische Getränke im Zusammenhang mit Gewalt, Sex, gesellschaftlichem Erfolg, Auto, Kindern und Jugendlichen zu sehen ist. Die Liste der „Vorher-Nachher“ Beispiele ist lang. Beim Jahrestreffen der WSET Kursanbieter in London zeigte David Cox (damals noch Marketing-Direktor von Brown-Forman) einige interessante Beispiele. Der Eindruck: in UK ist die Industrie in vielen Punkten weiter, als die Gesetzgebung in vielen anderen Ländern.
2006 gliederte die Portman Group ihren Bildungs- und Trainingsbetrieb aus und gründete den vollkommen unabhängigen „Drinkaware Trust“. Eine unabhängige Stiftung ist glaubwürdiger, als wenn die Industrie selbst in Schulen, Jugendclubs, etc tätig wird. Auch gegenüber der Regierung wurde durch die Ausgründung des Drinkaware Trusts die Ernsthaftigkeit des Anliegens unterstrichen. 2007 – 2009 unterstützte die Industrie den Drinkaware Trust mit über 6,3 Mio GBP. Im ersten Jahr des Bestehens wurden mehr als 3,5 Millionen Personen direkt durch die Stiftung angesprochen.
Zusammen mit der Regierung wurde die Einführung von Warning-Labels in Angriff genommen. Darüber hinaus führte die Branche weitere freiwillige Kennzeichnungen ein, wie erweiterte Verbraucherhinweise über den Alkoholgehalt eines Drinks und die gesundheitlich unbedenkliche Tagesmenge.
Michael Thompson, Pressesprecher der Portman Group sagte in einem Gespräch: „Wir fordern die Verbraucher auf, sich bei uns zu melden, wenn Ihnen Verstöße gegen unsere Richtlinien auffallen oder wenn sie meinen, der Handel mache nichtzulässige Angebote. Wir haben dafür gesorgt, dass der Beschwerdeweg vollkommen offen und transparent ist. Darin liegt eine der Stärken des Verfahrens.“ Thompson sagte auch, dieses sehr öffentliche und konsequente Handeln habe die Regierung überzeugt, mit der Portman Group zusammenzuarbeiten, also mit der Branche zusammenzuarbeiten.
Vorfahrt vor Gesetzen sollen selbstregulierende Maßnahmen der Branche haben. Ein gutes Beispiel, wohin verhärtete Fronten und mangelnde Kooperation führen können, sieht Thompson in der Glücksspiel- und Wettbranche: die Regierung hatte auf das Beispiel der Wein- und Spirituosen-Industrie verwiesen und erwartet, dass freiwillige Regeln zustande kämen. Als es aber zu keinerlei brancheninternen Vereinbarungen kam, wurde eine Strafsteuer auf Glücksspiele und Wetten erhoben.
Ganz wichtig sei es, so Thompson, mit einer Stimme zu sprechen: „Der Gesetzgeber kann nicht zwischen gutem und schlechtem Alkohol unterscheiden. Daher sind Brauer, Wein- und Spirituosen-Leute gleichermaßen gefordert. Je geschlossener man ist, desto glaubwürdiger und überzeugender kann man auftreten. Und mehr Geld für Kampagnen kommt auch zusammen. Das ist die Chance um aus der Defensive in eine aktive, gestaltende Rolle zu kommen.“
So ist sich die Portman Group nicht zu schade, dort wo es nötig ist, auch den Staat in seine Verantwortung zu rufen. „Wenn es bei Sportereignissen oder zu Krawallen mit Alkoholbeteiligung kommt oder wenn es um alkoholisierte Jugendliche geht, ist es Aufgabe der Polizei einzuschreiten und ihre Arbeit zu tun.“
 DrinkAware Trust Kampagne
„Die große Mehrheit hat kein Problem, trotzdem sollte sie bewusst mit Alkohol umgehen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, langfristig auf einen kulturellen Wandel im Umgang mit Alkohol hinzuwirken. Wir wissen, dass 50% des Alkohols von nur 7% der Bevölkerung konsumiert wird. Das ist ein ganz anderes Problem: Dort sind Mediziner und Sozialarbeiter, dort ist der Staat gefordert. Aber deswegen jeden Genießer kriminalisieren, das wäre die falsche Politik!“ so Michael Thompson.
Die Branche hat sich mit der Portman Group in UK eine gesellschaftlich anerkannte Institution geschaffen. Zur Zeit geht es darum, auch für den Handel ein Regelwerk zu erstellen. Damit wäre dann von der Herstellung über die Vermarktung und, soweit es geht, auch die Verbraucherinformation in den Händen der Branche.
3 Kommentare »
Der weltgrößte Weinproduzent Constellation Brands (Mondavi, Hardys, Reynella) bereinigt sein Spirituosen-Portfolio: 40 Billig-Marken in den USA werden für 334 Mio USD an die Brennerei Sazerac verkauft. Wie Forbes berichtet, kündigte Constellation einen damit verbundenen Verlust von 11 Mio USD für sein viertes Quartal an, daß am 28. Februar endet. Die Transaktion soll aber keinen Einfluß auf das Jahresergebnis haben. Für 2009 hatte Constellation Anfang Januar seine Gewinnprognosen gesenkt. Die Einnahmen aus dem Verkauf helfen Constellation, Verpflichtungen bei den Banken zurückzufahren und die Zinsbelastung zu senken.
Langfristig geht es Constellation, wie CEO Bob Sands schon zum wiederholten Male sagte, nicht nur um Zinsenkung und Margenverbesserung, sondern um die strategische Ausrichtung auf profitable Top-Marken und das Premium-Segment. In diesem Zusammenhang spricht Deutsche Bank Analyst Marc Greenberg auch davon, daß Constellation sich mit dem Verkauf der “Value”-Spirituosen Luft für neue Zukäufe verschafft. Das gibt Gerüchten Nahrung, dass Constellation an einigen Fosters-Wein-Marken (Beringer/Penfolds/Rosemount) oder an der zum Verkauf stehenden Kellerei Ste. Michelle interessiert sei.
Schreiben Sie einen Kommentar »
Mike Finegan ist Director des Wine Board of Ireland in Dublin. Das Wineboard ist eine Einrichtung der Wein- und Spirituosen Industrie in Irland und für die Wein-Ausbildung und Personalschulung zuständig. Ich wollte von ihm wissen, wie sich die drastische Erhöhung der Weinsteuer in Irland um 25 % im Oktober des letzten Jahres ausgewirkt hat.
Mike Finegan: Wir haben jetzt die höchste Weinsteuer in der EU. Wenn über europaweite Harmonisierung gesprochen wird, solllten bei uns eigentlich die Steuern sinken. (lacht)
 Mike Finegan vom Wineboard of Ireland
Aktuell gibt es noch keine Zahlen über die Auswirkungen der Steuererhöhung. Um definitiv etwas sagen zu können, brauchen wir den Jahresvergleich. Im Oktober gab es ein Riesen-Plus bei den Einfuhren, dafür ein genauso großes Minus im November/Dezember. Vieles wurde vorgezogen.
Weinakademie: Was war der Grund für die Erhöhung?
Mike Finegan: Gerade in Zeiten der Krise braucht der Staat mehr Geld. Die Steuererhöhung soll geschätzte 31 Mio Euro mehr bringen. Den Wein hat es diesmal härter getroffen als Bier und Spirituosen, weil der gestiegene Weinverbrauch nach Ansicht der Anti-Alkohol-Fraktion auch ein Zeichen der Verlagerung des Alkohol-Mißbrauchs von den harten Getränken und Bier in Richtung Wein sei. Das ist natürlich Unsinn, denn alle Untersuchungen sagen: mit steigendem gesellschaftlichem Wohlstand wollen immer mehr Leute besser trinken und essen. Deshalb wird mehr Wein konsumiert.
Weinakademie: In Deutschland wird gerade über Steuererhöhungen und die Einführung einer Weinsteuer zur Alkoholprävention diskutiert.
Mike Finegan: Wein hat mit Alkoholmißbrauch und vor allem mit Alkoholmißbrauch bei Jugendlichen nichts zu tun. “Binge-Drinking” ist ein kulturelles Phänomen, dem nicht mit Steuererhöhungen oder Verboten beizukommen ist. Hier brauchen wir vor allem Aufklärung und zielgruppengerechte Kampagnen.
Weinakademie: Zurück zu den konkreten Auswirkungen.
 Quelle: Wineboard of Ireland
Mike Finegan: Ja. Festzustellen ist auf jeden Fall eine Zunahme der Kofferraum-Importe. Immer mehr Leute fahren nach Nord-Irland um Wein zu kaufen. Selbst aus Dublin werden Mitfahrgelegenheiten angeboten. Dies wird durch den guten Wechselkurs Euro-Pfund verstärkt. Nord-irische Händler bieten ihren Kunden 1:1 Kurse beim Einkauf an und tragen selbst die Differenz. Zweitens: wer preiswert kauft, wird schlechter trinken. Durch den höheren Steueranteil bleibt für den Wein in der Flasche weniger übrig. Die Weintrinker werden wie die Autofahrer an der Tankstelle behandelt. Zunächst kassiert einmal der Staat. Drittens, und hier liegt die größte Gefahr für die weitere Entwicklung, durch die Steuererhöhung werden viele Weine die magische 10 Euro Grenze überschreiten und damit für das Gros der Weinliebhaber zu teuer werden.
Weinakademie: Heißt das, die Weinqualität insgesamt wird leiden?
Mike Finegan: So kann man sagen. Schon jetzt ist abzusehen: Die Hersteller werden auf einfachere Weine ausweichen, um unter der 10 Euro Marke zu bleiben. Auch die Tourismusindustrie wird es schwer haben: ein Glas Wein wird nicht mehr unter 8 Euro angeboten. Das ist prohibitiv. Ein irisches Paradox: Schon heute ist es preiswerter, irischen Whisky zum Beispiel aus Italien mitzubringen als ihn in der der Jameson-Distillery zu kaufen.
Weinakademie: Die Steuererhöhung in Irland wurde auch bei uns aufmerksam verfolgt. Wir haben darüber bestimmt nicht zum letzten Mal gesprochen. Vielen Dank nach Dublin.
Lesen Sie zur Steuererhöhung die Original-Meldung vom 15. Oktober 2008
1 Kommentar »
Geschrieben von Michael W. Pleitgen in Fachhandel, LEH, Marketing, Tags: Beaujolais, Fachhandel, LEH, online, Spirituosen, Versandhandel, Wein, Weinakademie, 2.747 mal gelesen
Beaujolais Primeur: heute ist er wieder da und setzt den Startschuss für das Jahresendgeschäft. Immer wieder totgesagt und doch nicht totzukriegen!
REWE bietet ihn gleich in drei Varianten: Primeur 1,79, Villages 2,29 und Réserve 3,99. Jacques kündigt seinen Villages für 6,90 im Kunden-Newsletter an und selbst der Versandhandel hat ihn im Angebot: Brogsitters Avinos online bietet unter der Überschrift “Gamay-Weine” den Primeur für 4,99 und einen Villages für 8,95 an.
 foto:smudie/flickr
Die Discounter marschieren los in Richtung hochwertig: Aldi Süd wirbt mit Barolo 2004 für 9,99, Nord hat wieder Eiswein Rheinhessen im Angebot für 6,99 und Lidl erbringt “erneut den Beweis, daß absolute Spitzenqualitäten auch zu besonders günstigen Preisen möglich sind”. In diesem Fall bezieht sich die Aussage auf die Lidl Spirituosen, die beim “Internationalen Spirituosenwettbewerb” der “MUNDUS-vini GmbH Internationale Weinakademie” ausgezeichnet wurden.
Wie ist die Stimmung in der Branche? Macht Handelspräsident Josef Sanktjohanser in der Süddeutschen “Beim täglichen Genuss wird nicht gespart” in Zweckoptimimus?
Hört man sich einmal um, scheinen die Zeichen für das Weingeschäft zum Jahresende gut zu stehen. Der LEH hat sich mit hochwertigen Weinen und Spezialitäten eingedeckt: “Ein Supergeschäft bisher, mal sehen ob das alles abfließt”, ist von Importeurseite zu hören. Bei den Fachhandelskunden nimmt das Interesse für hochwertige Weine zu und das Geschäft mit Präsenten läuft an. Die Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft und das Jahresende sind mindestens auf Vorjahresniveau oder besser. “Erstaunlich, was in den Läden zur Zeit los ist!”
Ein Indikator, daß es zum Jahresende vielleicht doch besser als erwartet laufen kann, bot die “eat’n Style”: Besucherrekord in München (20.000) und am letzten Wochenende drangvolle Enge in Köln mit geschätzten über 30.000 Besuchern!
4 Kommentare »
Der Verband des Wein- und Spirituosen-Handels (WSTA) in Großbritannien fordert von der Regierung, ein eigenständiges Thema “Umgang mit Alkohol” in die Unterrichtspläne aufzunehmen.
 Jeremy Beadles, WSTA
Genau so, wie Kinder und Jugendliche im Fach Sexualkunde aufgeklärt werden, müsse auch der Umgang mit Alkohol obligatorisches Thema in der Schule werden. Der WSTA verwies in diesem Zusammenhang auf eine jüngst veröffentlichte Untersuchung des Familenministeriums, die feststellt, in der Öffentlichkeit gebe es mehr Akzeptanz für 15-16 Alkoholkäufer als für Jugendliche, die Abfall auf die Strasse werfen. Dieser Fakt zeige, wie groß der Handlungsbedarf sei.
Lesen Sie weiter »
Schreiben Sie einen Kommentar »
|