Trends 2009: Eco und Bio

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Die Wende kommt wieder einmal ganz anders: zwei Beispiele

An den Tankstellen steigen 2008 die Spritpreise in bisher ungeahnte Höhen und auf den Autobahnen wird langsamer gefahren, die Nachfrage nach sparsamen, umweltfreundlichen Autos steigt.

foto:ReclaBox/flickr

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Nach einer Studie von Bain & Company liessen sich zur Zeit allein in Deutschland 250.000 Elekrto-Autos in Smart-Größe absetzen. Das wären etwas mehr als 8% der gesamten Neuzulassungen. Wenn Anfang Januar Benzin und Diesel wieder um 1 Euro kosten, ist jedermann klar: der richtige und zukünftige Preis für den Liter liegt eher bei 1,50 +.

Die Finanzmarktkrise läßt die Konsumenten sparsamer werden und der KFZ-Absatz im Dezember sinkt gegen Vorjahr um 7% auf 226.000 Autos. Gleichzeitig kündigt Mercedes an, die Entwicklung von Alternativ-Antrieben zu beschleunigen und bereits in 2012 mit drei Elektro-Autos auf der Basis der A und B-Klasse auf den Markt zu gehen. Auch die Luxus-Karossen der S-Klasse sollen früher als geplant Hybrid-Antriebe bekommen, berichtet die Wirtschaftswoche in ihrer Ausgabe 1/2 09. Hintergrund: saftige Strafsteuern in UK und Frankreich beim Kauf von S-Klasse Fahrzeugen in Höhe von bis zu 31.000 Euro, die mittelfristig weltweit zur Regel werden könnten.

foto:CATIC-TEDer/flickr

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Beide Beispiele zeigen: erst ökonomischer Zwang ändert etwas. Und dann oft viel schneller, als gedacht. Die Liste ließe sich verlängern. Eines hat das letzte Jahr mit steigenden Lebensmittelpreisen, Energie- und Finanzkrise allen deutlich vor Augen geführt: die Resourcen sind endlich und der Streit darum hat gerade erst begonnen. Das Olympia-Stadion in Peking: aus Beton und Stahl entstandenes Zeichen für wirtschaftlichen Aufschwung und riesige, marktbeherrschende Energie- und Rohstoffnachfrage aus den Schwellenländern in der Zukunft. Mit steigendem Reichtum steigt übrigens auch die Lust auf Wein. Die auf hochwertige Bordeaux spezialisierte HAWESKO-Tochter Chateau Classic hat soeben ihre erste Niederlassung in Festland-China eröffnet.

Peter Sloterdijk foto:Bertelsmann Stiftung/flickr

Peter Sloterdijk foto:Bertelsmann Stiftung/flickr

In einem Interview in der Süddeutschen Zeitung 2/09 spricht der Philosoph Peter Sloterdijk von einem „Gefühl einer bodenlosen Werte-Inflation, die sich nicht nur auf ökonomische Güter, sondern auf sämtliche Wertskalen bezieht“ als Folge der Finanzkrise. Man wisse nicht mehr, „was groß und klein, was viel und was wenig ist. Von Stabilität wagt niemand mehr zu sprechen“.  Gleichzeitig hätten die letzten Wochen vor Weihnachten gezeigt: „Die Menschen immunisieren sich! Sie schirmen sich ab gegen die Schwindler und lassen sich ihr Lebensgefühl durch die Krisenrethorik kaum trüben„. Er hat dafür keine Erklärung. Könnte es sein, daß sich die Menschen auf sich selbst besinnen und auf das, was ihnen selbst gut tut?

Da paßt es, wenn die Marktforscher von Ipsos Anfang Dezember mit dem Titel kommen: „Deutsche Verbraucher lieben Vollkornprodukte und Lebensmittel ohne künstliche Zusatzstoffe. Jeder Dritte für stärkere staatliche Auflagen für Nahrungsmittelhersteller“. Die repräsentative Studie sagt: „Knapp jeder zweite Deutsche würde sich bei entsprechender Kennzeichnung oder Getränken „immer“ oder „häufig“ für Produkte mit „Vollkorn„, „ohne künstliche Zusatzstoffe„, „mit reduziertem Fett-“ oder auch „Zuckergehalt“ entscheiden. Auch die Attribute „ohne Geschmacksverstärker„, „aus der Region“ und „kalorienarm“ sind für über 40 Prozent der Konsumenten entscheidungsrelevant.“ Auch die Kennzeichnung „Bio“ (30%), „ohne Gentechnik“ (34%) oder „aus kontrolliertem Anbau“ (37%) ist noch mit entscheident. Wie zu erwarten, sind die Prozentsätze für „Bio“, „ohne Gentechnik“ und „Kontrollierter Anbau“ bei einkommenstarken Schichten höher.

foto:Koos Fernhout/flickr

foto:Koos Fernhout/flickr

Die Studie zeigt auch: Der Preis spielt nach wie vor ein Rolle. Gutes Essen und Trinken muss man sich leisten können. Interessant ist aber, daß gerade Befragte mit niedrigem Einkommen sich Sorgen über die Qualität ihrer Lebensmittel machen und nach staatlicher Kontrolle rufen. Dahinter scheint die Frage auf, ob „billig“ immer und ohne weiteres mit Qualität zusammengeht. Essen und Trinken soll nicht nur gesund sein, für 41% der Deutschen, vor allem Männern, ist der Genuß wichtig.

Auch die Ipsos-Studie zeigt, Öko und Bio sind aus der Nische heraus, sie werden aber nicht in den Himmel wachsen. Dazu sind sie letztendlich zu teuer. Aber sie dürfen im Sortiment nicht fehlen.

Der Trend für 2009: der Verbraucher verlangt von Herstellern und Handel sichere und gesunde Qualität, die auch noch Spaß macht und den Beweis für umweltbewußtes und nachhaltiges Wirtschaften. Möglichkeiten Flagge zu zeigen gibt es viele: Bio-Alternativen im Sortiment, Fairtrade, umweltfreundliche Outlets (Tengelmann hat gerade seinen ersten Klimamarkt eröffnet), Eco-Zertifikate, Unterstützung von Projekten, alternative Verpackungen, Liefer- und Transportkonzepte, etc.

Tun ist das eine, darüber reden ist das andere: Lidl macht es auch hier mal wieder ganz gut vor: „Verantwortungsvoll zu Handeln, kann mit einem Einkauf beginnen.“ Auch Jacques‘ informiert auf seiner Website über alternative Weinkonzepte. Über Erzeuger, die ökologische Verantwortung demonstrieren hatten wir hier schon berichtet.

http://www.sustainableindustries.com/greenmarketing/36403904.html?page=1

Häagen-Dasz

Wie die Zukunft aussehen kann, können wir wieder einmal in den USA beobachten: es reicht nicht, einfach nur „we go green“ auf die Fahne zu schreiben und die CO2 Werte aufs Etikett zu bringen. Die Verbraucher fordern ein Bekenntnis nicht nur zur ökonomischen, sondern auch zur sozialen Verantwortung der Unternehmen. Sie wollen Beweise sehen, die sie verstehen und aktiv mit einbezogen werden. Beispiele dafür sind Kampagnen von Häagen-Dasz, Kettle Chips und wal-mart.
Wenn die Eco- und Bio-Hausaufgaben erledigt sind, darf man auch wieder zum Eigentlichen zurückkommen: “Be remarkable. Don’t be ‘green;’ be amazing.” Diesmal mit Eco und Bio.

Lesen Sie am Montag im Weinakademie Blog :

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