Twitter zeigt, wer Herr im Hause ist

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twitter schreibt vor, wie es weitergeht

Twitter schreibt vor, wo es langgeht foto: avlxyz/flickr

„Wir werden niemandem Dritten erlauben, die Twitter-API zu benutzen, um in der Timeline bezahlte Tweets zu veröffentlichen“ schrieb Twitter-CEO Dick Costolo am Montag in einem offiziellen blog post. Er bezog sich damit auf  die ebenfalls am Montag geänderten Nutzungs-Bedingungen für die Twitter-API. Im Abschnitt IV erlaubt Twitter Werbung rund um seine Anwendung herum. Voraussetzung:  sie darf nicht wie ein Tweet aussehen und sie darf nicht in der Timeline erscheinen.

Die neue Regelung dürfte schlagartig einigen um Twitter herum entstandenen Firmen die Geschäftsgrundlage entziehen. Dazu gehört zum Beispiel Ad.ly, das Twitterer dafür bezahlt, einmal am Tag einen Werbetweet in ihre Timeline platzieren zu lassen. Auch 140 Proof dürfte Twitter auf die Dauer nicht gefallen. 140 Proof bedient sich der Profile von Twitter Usern, analysiert deren Follower und Tweets  und sorgt dann dafür, daß zum Beispiel Rotwein-Freunde mit Rotwein Werbung versorgt werden. Ähnlich funktioniert Magpie, das auch in Deutschland aktiv ist. Die Tweets sind hier ausdrücklich als Werbung mit einem „ad:“ gekennzeichnet. Auf den Seiten des Dienstes heißt es zwar: „Magpie ist als Anwendung offiziell auf der White-List von Twitter eingetragen“, aber das US-Branchenblatt Advertising Age sieht auch auf Magpie scharfe Einschränkungen zukommen.

Der Hintergrund: Twitter möchte endlich anfangen, mit Werbung Geld zu verdienen. Das Modell der verauktionierten Promoted Tweets will Twitter selbst in der Hand behalten. Die  Promoted Tweets erscheinen seit April in Twitter-Such-Ergebnissen in den USA. Auf  Sicht sollen sie überall vermarktet werden und automatisch auch auf Twitter basierten Diensten wie TweetDeck, twhirl, TwitterBerry and Tweetie eingeblendet werden.

Costolo schreibt im Twitter Blog: „We don’t seek to control what users tweet. And users own their own tweets.“ Dabei soll es auch bleiben. Jeder User wird auch zukünftig Empfehlungen für Dritte tweeten können. Er darf sich auch fürs Twittern bezahlen lassen. Aber über die Nutzungsbedingungen für die API macht Twitter die Tür für Dritte zu. Vollkommen legal.

Auch Facebook könnte sich eines Tages entscheiden, Fanseiten, Newsseiten oder Ähnliches nur noch gegen Gebühr zuzulassen. Bestehende Verbindungen und Weiterleitungen zu Twitter oder Blogs können jederzeit einseitig gekappt werden, neue Buttons können auftauchen oder bestehenden Buttons neue Funktionen zugeordnet werden. Beispiele aus diesem Jahr sind die Änderungen zur privacy oder die Einführung des „Like“-Buttons. Alles ist möglich. Jederzeit. Darüber wird nicht demokratisch abgestimmt. Und es ist nicht gesagt, daß sich immer die Vernunft durchsetzt.

Deshalb warnen wir in jedem Seminar, geschäftlichen Erfolg im Internet auf Twitter, Facebook oder eine andere Plattform aufzubauen, bei der man nicht selbst Hausherr ist. Zunächst gilt es eine „Home-Base“ zu schaffen. Das kann eine Website, ein Blog oder ein Forum sein. Nach Möglichkeit auf einem eigenen oder gemieteten Server. Dort, wo man selbst das Hausrecht ausüben kann.  Twitter, Facebook und wie sie alle heißen, dürfen dann Zulieferer sein, aber nicht mehr. Kunden-, Fan- oder Freunde-Adressen gehören (mit deren Einwilligung) in eine eigene Datenbank. Wenn dann einmal einseitig die Nutzungsbedingungen einer Plattform geändert werden sollten, bleiben die überlebenswichtigen Kontakte auf jeden Fall erhalten.

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7 Kommentare

  1. Ja, ohne Strategie wird Social Media nichts, nur einfach auf Twitter und Facebook sein reicht nicht. Wenn Twitter, Facebook oder auch Youtube jemanden rauswerfen bedarf es schon einiger Kontakte um da gegensteuern zu können. Egal ob das eigene Business von diesen Kanälen abhängt. Mit dem Punkt „der Kern muss der Firma gehören“ stimme ich vollkommen überein.

    Die Promoted Tweets hatte Twitter lange genug angekündigt. Wer sein Geschäft darauf aufgebaut hat konnte sich vorbereiten. Schauen wir mal, was das für die Zukunft bringt.

    • Die Anwender in den Firmen sind oft von den Kanälen und deren Möglichkeiten fasziniert. Die wichtigste Frage heißt aber: Was will ich? Daraus ist dann eine Strategie abzuleiten. Vorsicht mit Twitter, Facebook, etc: täglich ändert sich was! Gestern war StudiVZ und Myspace aktuell, heute Facebook und morgen?

  2. Die Social Media Welt dreht sich schnell. Entscheidungen werden ad hoc getroffen, zurück genommen und dann doch wieder ins Spiel gebracht. Seine Geschäftsidee alleinig auf Twitter und Co. zu basieren, funktioniert meist für eine kurze Zeit sehr gut und dann gar nicht mehr. Eine solide Homebase ist auf jeden Fall eine MUST! Doch sollte man auch nicht zu scheu gegenüber Social Media sein: Oft ist erst eine gewisse kritische Masse an Invest (z.B. ein Social Media Advertising Budget) nötig, um als Firma/ Unternehmen/ KMU wirklich erfogreich in Social Media (Marketing) einzusteigen.

    • @Reinhardt
      100% Zustimmung! Das ist noch so ein Ammen-Märchen: einfach loslegen – kost ja nix. Genau in dem Moment ist es meist schon danebengegangen. Dann ist bei FB oder Twitter schon der Account falsch angelegt, auf der Website oder dem Shop gibt es keine Landingpage für User, die über einen bestimmten Kanal kommen,…..

  3. Aus der Zukunft gesprochen, in Neuseeland sind wir ja schon viel weiter und die Social Media Aktivitäten laufen schon 1,5 – 2 Jahre. Die Erfahrungen sind genau so. Am Anfang wird sehr viel Geld verbrannt und nach dem Boom kristalisieren sich die Firmen raus, die wissen wie man Konzepte macht. Und für die ist dann auch Geld da. In Neuseeland muss man nicht mehr was vollkommen Unbekanntes vostellen, da haben die Firmen das Budget schon bereitgestellt, wollen aber auch ihre Erfolge sehen.

    Bebo war in Neuseeland übrigens sehr gross. Wer darauf gesetzt hatte hat nun gelernt, dass das Tool nicht die Hauptaktivität beinhalten sollte. Auch das haben wir da schon durch :)

  4. Hallo zusammen,

    @Elke – wie ist dann Deiner Meinung nach der Boom von Facebook einzuschätzen, nach der Bebo-Erfahrung? Ist Facebook schon zu groß oder kann auch hier der Trend ganz schnell zurückgehen? (vgl. Myspace) Welcher Marketing-Mix ist unter Social Media anzuraten? 60% Facebook, 30% Twitter und 10% Sonstigen?

  5. Pingback: Twitter zeigt, wer Herr im Hause ist | Tweetpress – Das Twitter Magazin

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