Weihnachten wieder Festival der kleinen Preise?

| 8.195 mal gelesen | 5 Kommentare |

Weihnachten kann kommen – die Kassen werden klingeln! So geht es jedenfall aus den neuesten Prognosen der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) und des Einzelhandelsverbandes hervor.

Permanent Sale

Permanent Sale foto:ell brown/flikr/CC BY 2.0

Laut GFK haben die Bundesbürger bei niedrigen Zinsen und mangelndem Vertrauen in die Finanzmärkte wenig Lust zum Sparen – sie wollen ihr Geld lieber ausgeben. Der Einzelhandel erwartet für November / Dezember ein Umsatzvolumen von 78 Mrd Euro, 1,2 Mrd oder 1,5% über dem Ergebnis von 2010.

Die Weinbranche scheint in weiten Teilen den positiven Vorhersagen nicht zu trauen: sie bereitet wie in den letzten Jahren wieder ein vom Rotsstift geprägtes Weihnachten der kleinen Preise vor. Hier einige aktuelle Beispiele:

Mövenpick startet unter der Rubrik Festagsweine  mit einem reduzierten Amarone die Valpolicella 2008 für 19,80 € statt 23,00 € und den Brut Reserve von Pol Roger gibt es für 31,90 statt für 34,00 €.

Rindchen erfreut auf seiner Homepage mit bis zu 40% Ersparnis für ein „Luxuspaket – 6 Flaschen Tempranillo, 2 mundgeblasene Gläser und 1 Dekantiertrichter“ für € 97,80 statt € 161,70. Auch beim Cahors „Le Palombier“ lassen sich satte 29% sparen, beim Grauburgunder von Klaus Hilz sind es nur 20% .

WIV Tochter VINO läßt auf seinem Online-Portal VINO24 die Weihnachtsglocken mit -25 und -33 Prozent läuten. Für Erstkäufer gibt es einen 5 Euro Gutschein und weil Weihnachten ist, spendet VINO24 von jeder verkauften Flasche Vernaccia di San Gimignano und Chianti Colli Senesi einen Euro an die Tafeln – bei einem Preis von 5,79 € pro Flasche sind das auch gute 17%.

Der HAWESKO Neuzugang WEIN&VINOS ist für seine Streichkonzerte bekannt, die die Nerven des Mitbewerbs strapazieren. Die Glückszahlen heissen diesmal 34, 43, 38, 35 und 50 Prozent off.  „So macht Weihnachten schon jetzt richtig Spaß!“ texten die Berliner dazu.

Jacques‘ fährt seine übliche Kundenkarten-Wein Aktion: alle Jahre wieder kommt vor Weihnachten der Villalta Reserva – für Jacques‘ Kartenkunden nur 5,95 € statt 7,90 € Normalpreis. Leicht im Preis gesenkt zwei Sortimentsweine: den Chablis von Durup gibts um 60 Cent günstiger und Le Bocce Paladino wurde von 11,90 auf 10,90 € gesenkt.

Keine durchgestrichenen Preise gibts bei HAWESKO selbst: hier erstrahlen die Weihnachtspräsente im festlichen Glanz.

Vorbildlich Pro Idee: hier wird man qualitätsvoll begrüßt. Mit 90 Punkten aus dem Guia Penin, 92 Punkten von Parker oder mit dem „neuesten Coup von Star-Weinmacherin Mireia Torres„.

Auch wenn der Einzelhandelsverband für den ersten Advent noch „Luft nach oben“ konstatiert, das Geld und die Ausgabe-Bereitschaft scheint wenige Wochen vor dem Fest bei den Kunden vorhanden zu sein. Die angesagte Strategie hiesse eigentlich „abschöpfen“ – in der Praxis würde das bedeuten: festliche Stimmung und interessante Geschichten wie bei Pro Idee,  statt dessen regiert bei den meisten Händlern nach wie vor der Rotstift.

Gehören jetzt auch im Weinhandel Sonderverkäufe als selbstverständliche Marketing-Leistung dazu? Die Marketing-Literatur beschreibt Preis-Aktionen als ein defensives Marketing-Instrument  mit zweischneidiger Wirkung. Die Praxis lehrt, daß sie immer dann eingesetzt werden, wenn es an wirklich zugkräftigen Argumenten und Geschichten fehlt.

 

 

Das könnte Sie auch interessieren:

5 Kommentare

  1. Und die momentan so angesagten Weinclub-Konzepte heizen den Markt zusätzlich an. Jeder will das interessanteste Angebot haben. Wine in Black bringt Champagner Roederer für 33 €, 52weine kontert mit einem 3er-Probierpaket Champagner…

  2. Das ist klar! Andererseits ist ja wirklich interessant, dass die Investoren bei diesen Konzepten Schlange stehen, während sie ansonsten um die Weinhändler einen großen Bogen machen…

    Die zweite Frage ist, schafft man es wirklich, mit diesen Konzepten neue Endkunden an gute Weine heranzuführen, so wie es Wine in Black behauptet?

  3. Pingback: Kein Schnee nirgends

  4. Mal abgesehen von den „Großen“ macht es für den „Kleinen“ schon Sinn, seine „Inventuropfer“ noch vor Weihnachten zu einem guten Preis zu verkaufen, als nach dem Fest zu verschleudern.

Schreibe einen Kommentar zu Michael W. Pleitgen Antworten abbrechen

Pflichtfelder sind mit * markiert.