Wein-Blogs erzielen große Reichweite und Professionalität

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Obwohl Wein-Blogs einen starken privaten Hintergrund haben, verzeichnen sie eine erstaunliche Reichweite. Die meisten Blogger sind erst seit 2 – 3 Jahren dabei, haben sich aber stark professionalisiert: 60% nutzen zum Beispiel regelmäßig Google-Analytics um den Erfolg ihres Blogs zu messen. Sie schreiben gerne über Weine und möchten mit anderen Weinfans und Freunden darüber diskutieren.

Das sind erste Ergebnisse der Weinakdemie-Berlin-Umfrage zur Situation der Online-Wein-Szene . In der vergangenen Woche beteiligten sichan 2 Tagen über 220 Personen. Davon füllten 161 die 10 Fragen der Umfrage vollständig aus. Eindeutig aus Deutschland kamen davon 114. Von den Beteiligten bezeichneten sich 38% als Foren-Teilnehmer (Wein-Plus, talk-about-wine), 22% als Blogger, 20% als Leser in Blogs und Foren, 14% als Twitterer und 6% posten hauptsächlich auf Facebook.

Heute schauen wir uns die Blogger etwas näher an. Nach der letzten Zählung im Frühjahr 2009 gibt es ca. 70 deutschsprachige Weinblogs. 50 davon, deren Verantwortliche sich ausmachen ließen,  hatten wir per email gebeten, sich an der Umfrage zu beteiligen. Mit letztendlich 24 vertretenen Wein-Blogs ist unsere Umfrage keine Vollerhebung, liefert aber mit 1/3 der online-vertretenen Blogs sicher einige Anhaltspunkte.

Beruflich oder privat?

Hauptberuflich sind nur wenige Wein-Blogger unterwegs, 20% bloggen nebenberuflich. Ein Drittel bloggt rein privat, knapp 60 % bloggen sowohl aus privaten als auch beruflichen Gründen. Trotz der starken privaten Komponente des Bloggens,  möchten 60% der Blogger auf sich aufmerksam machen und 45% wollen neue Kunden werben.

40% der Befragten wollen ihre Meinung veröffentlichen und sich darüber mit Freunden (13%) und anderen Weinfans (38%) austauschen.

Wie lange dabei?

50% der befragten Blogger sind in den letzten beiden Jahren dazu gestossen, immerhin 1/4 hat vor fünf Jahren und früher mit dem Bloggen begonnen.

Frage: Seit wann bloggen Sie?

Frage: Seit wann bloggen Sie?

Die Themen der Wein-Blogger

Zu welchen (Wein)-Themen wird vorwiegend gebloggt? Um die 60% der Befragten verfassen oder äußern sich Weinbeurteilungen und Weinempfehlungen. Das Produkt steht eindeutig im Vordergrund.

Frage: Zu welchen Themen bloggen Sie vorwiegend?

Frage: Zu welchen Themen bloggen Sie vorwiegend?

Gut 50% widmen sich Winzern, Veranstaltungen mit Wein-Hintergrund und Weinregionen. Der Weineinkauf (ein traditionelles Foren-Thema) interessiert immerhin noch 29%.  45% bloggen auch zu anderen Themen. Blickt man durch die Blogs, wird viel zu Blog- und Social-Media-Themen gebloggt, also zu Themen, die das Medium selbst betreffen.

Die Analyse-Tools

Wie messen die Wein-Blogger ihren Erfolg? 10% der Befragten verwenden keinerlei Analyse-Tools. Die anderen betrachten ihr Blog mit 3 – 4 verschiedenen Programmen.  58% setzen Google-Analytics ein.

Welche Analyse-Tools verwenden Sie?

Welche Analyse-Tools verwenden Sie? (Mehrfachnennungen möglich)

Bei Blogoscoop schauen 13% herein und bei Bloggerei 10%. Wikio, Technorati und e-tracker spielen keine Rolle. 15% der Befragten verwenden andere Tools. Das dürften die von ihrem Provider zur Verfügung gestellten Auswertungen oder freie Tools wie Statcounter sein.

Wo sind die Wein-Blogger noch aktiv?

In welcher Beziehung stehen Twitter und Facebook zu den Wein-Blogs? In der Blog-Szene wird heute heftig getwittert. Kurze Statements und Kommentare, die sich früher in den Blogs fanden, sind heute auf 140 Zeichen geschrumpft. Mit vielen Vor- und Nachteilen.

 Frage: Auf welchen anderen Plattformen sind Sie noch aktiv unterwegs?

Frage: Auf welchen anderen Plattformen sind Sie noch aktiv unterwegs?

Auch bei den Wein-Blogs ist es nicht anders: über 58% der Blogger nutzen Twitter und Facebook. Neben einem manchmal recht heftigen Meinungsaustausch werden die beiden Kanäle benutzt, um Traffic zu erzeugen. Fast jeder stellt seine Blog-Artikel und Verweise dort ein. Facebook ist zur Zeit deutlich im Kommen, während StudiVZ/MeinVZ keine Rolle spielt. Das mag auf das Alter der Blogger, aber auch auf die größere Internationalität von Facebook zurückzuführen sein.

33% der Befragten experimentieren mit Posterous und Youtube. Auch Flickr und Social Bookmarks werden von 21% genutzt. Blogs und Microblogs scheinen eine Welt für sich zu sein: nur wenige Blogger sind auch gleichzeitig in Foren wie Wein-Plus (17%) oder talk-about-wein (8%) unterwegs.

Reichweite der Wein-Blogger

In der Umfrage hatten wir auch gefragt, wie viele Personen man schätzungsweise pro Tag in den verschiedenen Kanälen erreicht. Die meisten Blogs (über 70%) erreichen bis zu ca. 200 Unique Visitors pro Tag. 15% haben bis zu 500 und weitere 15% bis zu 1.000 Visitors. Kein Blog erreicht im Schnitt mehr als 1.000 Besucher. Das Thema RSS-Abonnenten scheint bei vielen Blogs noch gar nicht angekommen zu sein: 50% verzeichnen nur 100 – 200 Abonnenten, die anderen haben dafür umso mehr. 30% verzeichnen bis zu 1.000 Abonnenten und einige Blogs sogar 1.000 und mehr.

Bei den Twitter-Followern liegt der größte Teil der Blogs zwischen 500 – 1.000. Bei Facebook sind die Zahlen niedriger: 50% der Blogs haben bis zu 100 Freunde, die anderen bis 500. Niemand schafft zur Zeit die es 1.000er Marke. Das liegt sicher daran, dass Facebook in der Wein-Szene  noch Neuland ist. Das sieht man auch daran, daß viele Facebook-Features nicht oder kaum genutzt werden. Xing liegt auf ähnlichem Niveau: 60% der Blog-Betreiber haben bei Xing 100-200 Kontakte, die anderen bis maximal 500.

Zählt man die Kontakte in den einzelnen Kanälen zusammen ergibt sich für die befragten Wein-Blogs immerhin eine Reichweite von über 57.000 Kontakten pro Tag. Das sollte für Werber und PR-Leute Anlaß genug sein, sich mit der Szene zu beschäftigen!

In diesem ersten Bericht wurden nicht alle Fragen der Erhebung ausgewertet. Am Freitag folgt Teil 2 zu den Foren. Die Gesamt-Ergebnisse werden in der kommenden Woche zur Verfügung stehen.

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7 Kommentare

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  3. Pingback: Ranking – Deutsche Weinblogs im November 2009 » Seitenaufrufe, November, Blog, Weinblogs, Zahlen, Google » Weintipps von Michael Liebert

  4. Lieber Herr pleitgen

    vielen dank für das große engagement und Ihre Arbeit an dieser Sache. Das muss erstmal einer nachmachen…

    Als alter Skeptiker zählt bei mir immer noch der Spruch aus Studienzeiten: „Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“. Ichbin mir nicht wirklich sicher, wie aussagekräftig diese Zahlen sind, aber sie sind in jedem Fall einmal ein Anfang. Ich denke das Ganze ist so komplex, dass es sicherlich als Diplomarbeit taugen würde.

    Gruss

    Wääärtz

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