Wein-Events: Schmeck den Süden – BW Classics in Berlin

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Ulrich-M Breutner in grünem Licht

Ulrich-M Breutner in grünem Licht fotos:mpleitgen

Samstag morgen, kurz nach 11, Regen in Berlin. Ich komme aus der U-Bahn und muss mich erst einmal orientieren. Wo geht’s den hier zum Hangar 2 des ehemaligen Flughafen Tempelhof? Eigentlich ganz einfach: immer den Menschen nach, die auf dem Gelände unterwegs sind. An der Kasse der 11. Baden-Württemberg Classics staut es sich ein bisschen. Etwas später, zur Mittagszeit ist der weitläufige Flugzeughangar schon ganz gut gefüllt. Ich bin mit Ulrich-M. Breutner verabredet. Er ist für die Weinwerbung der Württemberger Genossenschaften verantwortlich.

Was bringt eine solche Veranstaltung? Breutner nennt zunächst ein paar Zahlen: 1.200 Weine aus Baden und Württemberg können probiert werde. Dazu sind rund 100 Winzer und Wengerter, wie man in Württemberg sagt, persönlich angereist. 6.000 Besucher werden an den beiden Tagen in Tempelhof erwartet. Der Eintritt beträgt 15 Euro. Bis vor zwei Jahren war der Eintritt frei – das führte zum Teil zu chaotischen Verhältnissen. „Die wirklichen Weinfreunde wurden eher abgeschreckt“ sagt Breutner. Nachdem auf Bezahlen umgestellt wurde, gingen die Besucherzahlen leicht zurück – aber die Besucher-Qualität stieg.

„Probieren ist wichtig, besonders wenn man so unbekannt ist wie die Württemberger Weine. Hier erreichen wir ein weininteressiertes Publikum, das auf Entdeckungsreise ist.“ Außerdem nutzen viele Betriebe die Veranstaltung, um ihre Direkt-Kunden einzuladen, neue Weine vorzustellen, Kontakte zu pflegen. „Eine richtige Order-Messe ist das“ meint Breutner.

weisses Licht

weisses Licht foto:mpleitgen

Die Berliner  BW-Classics ist die größte Veranstaltung der Serie. „In Duisburg stossen wir auf  viel Interesse – die Leute frischen bei einem Glas Wein ihre Urlaubserinnerungen auf. Eine sehr angenehme Atmosphäre. In Leipzig sind wir jetzt zum zweiten Mal gewesen. Dort ist noch viel Aufbauarbeit zu leisten – aber wir bleiben dran. München ist wie Berlin ein Selbstläufer.“

Aber auch dort, wo es gut läuft, darf man nicht stehen bleiben. „Wir versuchen die Veranstaltung etwas breiter anzulegen. In München haben wir eine Aktion mit der Gastronomie getestet – die Gastronomen haben zu Weinproben, Wein-Menüs, Wein-Events am Vorabend der Classics eingeladen. Unsere Winzer haben sie dabei unterstützt. Das hat gut funktioniert. So können wir uns eine Weiterentwicklung der Classics vorstellen.“

Warum nimmt man nicht an Veranstaltungen wie der Eat&Style (GuJ) oder Lust auf Genuß (Burda) teil – Food-Events und Koch-Shows sind doch enorm angesagt? „Bei diesen Messen konzentriert sich alles auf die Promis am Herd. Wir gehen mit unseren Weinen dort unter. Zudem kommt Wein im Konzept der Veranstalter nicht wirklich vor. Solange das so ist, machen eigene Veranstaltungen wie die BW-Classics viel mehr Sinn. Der Wein steht im Vordergrund, man entscheidet selbst, was man macht – am Ende ist es effektiver und günstiger.“

Was wird aus der Veranstaltung, wenn sich die badischen Kollegen bei der weiteren Finanzierung der WWZ nicht zusammenfinden? „Auch dann wird es die BW Classics weiter geben“ sagt Breutner, „ich bin überzeugt, auch die Kollegen in Baden haben ein starkes Interesse an der Weiterführung.“

rotes Licht

rotes Licht

Über eine freiwillige Umlage sammeln die Württemberger 3,8 Millionen ein, durch den Verkauf von Anzeigenplätzen und Service-Leistungen erhöht sich das jährliche Budget auf 5 Millionen. Wichtigstes Werbemittel ist der „Württemberger“ der dreimal im Jahr mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren erscheint. Er ist in einer Kooperation mit VINUM entstanden. Daneben steht Anzeigenwerbung in Spiegel, Stern, BAMS und „Meine Familie und ich“ und eben die Veranstaltungen.

2011 soll verstärkt  im LEH und dort vor allem bei den Supermärkten Flagge gezeigt werden. Die Vorgehensweise ist schwäbisch-schlau: die Werbegemeinschaft, die WZG in Möglingen und die Orts-Genossenschaften haben sich auf einen gemeinsamen Auftritt geeinigt. Displays, Deckenhänger und andere Werbemittel werden genutzt, um die Marke Württemberg nach vorne zu bringen. Nebeneffekt: für alle wird es günstiger.

Machen die Württemberger alles richtig? „Auch in der Krise ist die Reichweite für Württemberger Weine gestiegen“ sagt Breutner „Wir haben noch nie so viel Wein verkauft wie im letzten Jahr.“ Die Württemberger Genossen setzten im Wirtschaftsjahr 2009/10  insgesamt 87,2 Mio Liter ab. Ein Plus von 2,7% gegenüber dem Vorjahr.

Zu den Fotos: Sie zeigen Breutner bei der Erlebnisweinprobe „Licht & Wein“ auf den Baden Württemberg Classics Berlin 2010 – Wie die Umgebungsfarbe das Geschmacksempfinden von Wein beeinflusst

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3 Kommentare

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  3. Ich habe am Samstag meine erste BaWü-Classics erlebt. Ist ein ganz anderes Publikum als beim VDP;-) Ich weiss auch nicht genau, wo die Gäste herkommen. In meinem Kiez wohnen die auf alle Fälle nicht.
    Extrem gut besucht, fast schon zu voll, man muss teilweise anstehen zur Verkostung. Ich habe den Eindruck, dass jüngere Besucher fehlen. Meine Privat-Theorie ist dazu, dass in den letzten 10-15 Jahren andere Gebiete erfolgreicher waren, die Weineinsteiger für sich zu begeistern.
    Es fehlen Glamour, Rock und Lässigkeit.

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