Weinmarketing – ohne Facebook schon morgen am Ende?

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Geht es um Social Media (SM) und Online Marketing in der Weinbranche, werden die Diskussionen schnell unübersichtlich.

Online - eine Welt für sich foto:mpleitgen

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Auf der einen Seite die SM Fans: wer heute nicht mindestens 1.000 Facebook Freunde hat, ist auf dem Abstellgleis.

Auf der anderen Seite (und zu der gehöre ich auch) der Aufruf, erst mal die Hausaufgaben zu machen und sich dann in das SM-Abenteuer zu stürzen.  Hausaufgaben heißt, eine ordentliche Online-Präsentation zu haben. Und wenn man direkt etwas verkaufen will,  einen funktionierenden Shop oder eine Online Verbindung zu einem Händler zu haben und damit sicherzustellen, daß die Ware die Kunden innerhalb von zwei bis drei Tagen erreicht. Unerheblich ist dabei zunächst, ob man das alles selber macht oder sich eines  Dienstleisters bedient.

Ich habe mich schon seit langem gefragt, warum sich denn zwischen diesen beiden Positionen Abgründe auftun: wir wollen doch alle nur die neuen Medien erfolgreich für unser Geschäft nutzen?!

Am Wochenende bin ich fündig geworden. In dem schmalen Bändchen E-Commerce für Fortgeschrittene von Jochen Krisch gibt es einen sehr erhellenden Artikel zum kleinen und großen Einmaleins des E-Commerce. Dieser Artikel erschien zuerst 2010 als Beitrag in seiner Kolume in Internet World Business.

Die erste Grundregel laut Krisch lautet: „Denken und handeln Sie online!“

Damit sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt: viele in der Branche denken und handeln nicht online – einfach weil sie keine Online-Vermarkter sind und es auch nicht sein wollen. Für sie geht es bei online um eine Außendarstellung, um eine Adresse, untern der sie gefunden werden können.

Wenn man bedenkt, daß aktuell SM Aktivitäten von den Suchmaschinen überproportional hoch bewertet werden, spricht das für ein Engagement in den sozialen Medien. Betreibt man neben seiner Website noch einen Blog und ist auf Facebook und Google + aktiv, erhöht das die Chance, gefunden zu werden.

Das ist aber kein Ersatz für den Dialog mit bestehenden Kunden. Die meisten von denen dürften immer noch über die klassischen Medien wie Briefe, Mailings und Kataloge zu erreichen sein. Sie als Stammkunden zu halten ist erfolgsentscheidend – vorderhand sogar mindestens genauso wichtig, wie neue Kunden zu gewinnen.

Man kann den Versuch machen, einiges per Newsletter und Email-Marketing zu erledigen – aber man sollte die traditionellen Kanäle nicht vernachlässigen. Alle Versender und die großen stationären Händler bedienen sich eines Mix aus offline und online.

Erst wenn man in diesem eher konventionellen Dialog mit den Kunden wirklich gut ist und noch freie Kapazitäten hat, sollte man sich den neuen Medien widmen. Denn wie gesagt, sie sind kein Ersatz.

Wer wirklich online verkaufen will, muss online denken und handeln. Online ist nicht „der Markt“ sondern ein Teilmarkt, der eigenen  Gesetzen folgt. Den Unterschied und die Entfernung zum konventionellen Markt kann man sich in etwa so vostellen, wie zwischen dem stationären Fachhandel und den Direkt-Vertrieblern a la Pierroth. Im Netz geht es um Online-Käufer und Online-Anbieter.

In diesem Markt sind ganz neue Qualitäten gefordert, die die Möglichkeiten der meisten Direktvermarkter und Händler übersteigen. Ein Webshop ist noch kein e-commerce und wie sich gezeigt hat, ist Hendrik Thoma trotz Hawesko im Hintergrund kein deutscher Vaynerchuk geworden.

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