Weinmarkt vor der Prowein: Wettbewerb wird härter

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Über 3.300 Aussteller aus 50 Ländern. So viele waren es noch nie – Aussteller-Rekord bei der Prowein 2010. Ist das ein positives Zeichen für die Branche?

Aussteller-Rekord bei der Prowein foto:Rene Tillmann / Messe Duesseldorf

Aussteller-Rekord bei der Prowein foto:Rene Tillmann/Messe Düsseldorf

Professionelle Beobachter wie zum Beispiel die Zeitschrift WEIN+MARKT sind skeptisch: viele Anbieter aus dem Ausland haben sich in den letzten Jahren vom  deutschen Markt abgewandt schreibt Chefredakteur Werner Engelhard in der Ausgabe März 2010 (PDF download). Was ist passiert? Deutscher Wein wurde stärker, die Preise waren insgesamt zu niedrig, der Wettbewerb zu tough. Jetzt kommen viele wieder zurück. Die Erfahrungen in UK, USA und im Fernen Osten waren desaströs. Da darf  Deutschland nach den internationalen Erfahrungen 2009 noch als Hort der Stabilität gelten.   Deshalb ist man jetzt in Düsseldorf dabei und hofft, verlorenes Terrain zurück zu erobern. Daher der Andrang.

WEIN+MARKT berichtet ebenfalls, daß die Zahl der Käuferhaushalte für Wein (laut GFK) weiter abgenommen haben. Mit 60,4 % der Haushalte, die regelmäßig Wein kaufen (im LEH), ist diese Zahl seit dem Peak mit 65,6% in 2004 kontinuierlich zurückgegegangen. Die Menge pro Haushalt ist  ebenfalls leicht rückläufig (43 l gegenüber 43,8 l in 2008) und der Preis mit 2,55 € pro Liter (Vorjahr 2,49 €) so hoch wie nie. Die GFK Zahlen sagen also: Käuferhaushalte = minus, Menge = minus, Preis = plus.  Nach wie vor läuft die Menge beim Discounter (47% des Marktes), über den Fachhandel wurden 7% (Vorjahr 8%) abgesetzt. Im Wert legten beide auf Kosten der SB-Warenhäuser und der Verbrauchermärkte zu.

Konsumieren die Kunden mehr zu Hause (statt in der Gastronomie) und kaufen dabei höherwertiger? Monika Reule vom DWI lieferte vor einiger Zeit diesen Erklärungsansatz. Profitiert davon der Fachhandel?

Bei näherer Betrachtung sieht die Situation im Fachhandel nach einer Umfrage von macRom Wine Consult (zitiert nach Wein+Markt) alles andere als rosig aus: auch wenn das Weihnachtsgeschäft bei vielen überraschend positiv verlief, begann sich doch in 2009 die Spreu vom Weizen zu trennen. 42% der Betriebe verkauften 2009 weniger Flaschen, bei 37% war der Umsatz rückläufig. Interessant ist eine Zwei-Teilung : kleine Betriebe (unter 1 Mio Umsatz) konnten verlorenengegangene Umsätze mit alten Kunden durch Neu-Geschäft kompensieren und zum Teil ihre Umsätze steigern. Große  Läden und Ketten konnten ihre Umsätze mit Anstrengungen halten oder nur geringfügig ausbauen. Nach Ansicht von macRom agiern die Kleinen näher am Kunden. Das hat aber nicht verhindern können, daß die Zahl der kleinen Läden auch 2009 weiter abgenommen hat.

Wohin tendiert der Weinmarkt? Es bleibt spannend: eine gut besuchte ProWein ist kein Indiz für einen prosperierenden Wein-Markt, rückläufige Zahlen bei den Käufer-Haushalten sollten zu denken geben, der Wettbewerb wird härter.

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Ein Kommentar

  1. mal schauen, wie sich das ganze entwickelt… Ich bin gespannt.

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