Top US Wein-Anbieter und ihre Marken Grafik:Michigan State University

Weinsortimente – die Vielfalt, die keine ist

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Bis zu über tausend verschiedene Weine finden sich in den Regalen deutscher Verbrauchermärkte. Ein normaler Supermarkt führt je nach Standort und Region zwischen vierhundert und achthundert Sorten. Eine Vielfalt, die es so in keiner anderen Warengruppe gibt. Weder bei anderen Getränken wie Bier oder Wasser, noch bei Zahnpasta oder Marmeladen.

Top US Wein-Anbieter und ihre Marken Grafik:Michigan State University

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Auf den ersten Blick verwirrende Vielfalt

Wie sieht es mit dieser Vielfalt wirklich aus? In den USA bietet sich ein ähnliches Bild am Weinregal, wie bei uns.

Wissenschaftler der Michigan State University haben das Weinangebot in ihrer Region analysiert und sind zu einem interessanten Ergebnis gekommen. Untersucht wurde das Sortiment in 20 Märkten von Aldi über Walmart bis hin zu zwei Fachhändlern. Die Geschäfte führten zwischen 31 bis zu 288 Sorten, insgesamt wurden mehr als 3.600 verschiedene Weine von mehr als 1.000 Herstellern identifiziert.

Bei näherer Betrachtung der Absender und Adressen der Hersteller stellte sich dann heraus , daß sich ein großer Teil der Weine auf drei Anbieter zurückführen läßt. Hinter den vielfältigen Adressen verbergen sich Marken und Tochterfirmen von J Gallo Winery (Carlo Rossi, Barefoot Cellars, etc), The Wine Group (Franzia, Almaden, etc) und Constellation Brands (Woodbridge, Arbor Mist, etc), die zusammen 51.5 Prozent der Weinverkäufe in den USA kontrollieren. Auch weltweit gehören sie zu den Top-Anbietern.

Viele Etiketten – wenige Anbieter

In den untersuchten Supermärkten kamen über 20 Prozent der Etiketten von nur 6 Firmen – bei den Verkaufzahlen verschiebt sich das Gewicht noch deutlicher hin zu den Top-Anbietern.

Warum trotz dieser Konzentration die Vielfalt in den Regalen aufrecht erhalten wird – manche Firmen sind mit bis zu zwölf verschiedenen Absendern und noch mehr Weinen präsent – führt Philip H. Howard, Associate Professor an der Michigan State University auf die Komplexität des Produktes Wein zurück und vor allem auf die Preisspanne im Angebot,  die von Einfachst-Weinen im Tetra-Pack bis zu über 100 Dollar reichen kann.

Er beobachtet bei den großen Anbietern eine Tendenz sich mit ihren Weinen mehr und mehr in das gehobene Segment vorzuarbeiten. So verkaufte Constellation Brands’ 2008 seine Billig-Marken Almaden, Inglenook and Paul Masson und kündigte 2012 an, mehr als fünfzig neue Produkte und Sortimentserweiterungen vor allem im gehobenen und Premium-Bereich auf den Markt zu bringen.

Interessant: bei den untersuchten Fachhandelsgeschäften entfielen auf keinen Anbieter mehr als 2,6 Prozent des Angebotes. Ein wichtiger Hinweis für Winzer und weingüter: in Zeiten zunehmender Konzentration werden die Fachhändler immer wichtiger. Nur hier besteht auf lange Sicht noch die Möglichkeit, seinen Wein überhaupt in Regal zu bringen.

Sieht es in Deutschland anders aus?

Die deutsche Handelslandschaft sieht etwas anders aus als in den USA. Mehr als in den USA arbeiten deutsche Discount-Anbieter mit eigenen exklusiven Abfüllern zusammen und bieten Eigenmarken an. Trotzdem stehen auch deutsche Händler tagtäglich vor dem Spagat, auf der einen Seite ein attraktives Angebot mit einer entsprechenden Vielfalt zu präsentieren und auf der anderen Seite aus betriebswirtschaftlicher Sicht die Zahl der Artikel und Lieferanten klein zu halten.

Interssant wäre, einmal zu sehen, zu welchem Ergebnis eine Studie, wie sie Ende des Jahres in den USA vorgelegt wurde, bei uns kommen würde. Würde sich die Vielfalt in den Regalen dann auch deutlich relativieren?  Die Firmen im Hintergrund könnten bei uns Grands Chais de France, Peter Mertes oder Mack&Schühle heissen – sie operieren wie die Großen in den USA ebenfalls mit einer Vielzahl von Marken und Absendern.

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2 Kommentare

  1. Hallo Herr Pleitgen,
    relativ betrachet stimmt die Beobachtung leider komplett – sowohl für LEH, Fachhandel und Gastronomie. Auf der ProWein hören wir (Saale-Unstrut) immer wieder denselben Sermon, insb. von den „Fach“händlern: Wir „interessieren“ uns für Ihre Produkte, weil wir mal was Neues brauchen. Nach der Probe dann alles toll und spannend aber kaufen – nö, dann lieber noch einen 5. Wein aus Spanien oder Rheinhessen als die Weinanbaugebiete 12 (Saale-Unstrut) und 13 (Sachsen) mal in sein Programm aufnehmen, um sich als Deutschwein-Experte gegenüber der Konkurrenz zu profilieren.
    Lieber verkaufen, was auch der Nachbar verkauft als sich mit Eigenständigkeit und Mut zu unterscheiden. Und dann natürlich von denselben 2-4 Zulieferern (Schlumberger etc.). Warum soll ich denn als Kunde meinem Weinhändler treu bleiben, wenn halb Deutschland dieselben Weine anbietet?

    Mehr Mut liebe Händler & Gastronomen!

  2. meinem Vorredner muss ich ebenfalls leider recht geben. Selbige Erlebnisse konnte ich als Moselaner mehre dutzend male erleben! Es wird leider immer auf die gleichen Etiketten geschielt…und wenn ich dann in Weinläden überall in Deutschland / Europa/Welt bin, sehe ich immer die gleichen Namen und Verdächtigen.

    Liebe Fachhändler, ganz ehrlich: Das ist Einheitsbrei und gähnend langweilig ……und übrigens nicht nur vom VDP kommen gute Weine!

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