Prinzip kostenlos

Wie funktioniert das Prinzip kostenlos ?

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¨FREE – kostenlos¨so hieß das Erfolgsbuch von Chris Anderson. Fast alle Waren oder Dienstleistungen würden früher oder später im Netz kostenlos erhältlich sein, war seine These. Mittlerweile wissen wir, dass das nicht stimmt: irgend jemand zahlt immer – auch wenn es der Kunde nicht wahrnimmt – mit Werbung, seiner Adresse, seinen Daten.

Das neue Buch von Kerstin Hoffmann

Das neue Buch von Kerstin Hoffmann

Saull Berman, IBM –Online-Berater, sagt dazu in der Juli Ausgabe von brand eins, es sei ein großer Fehler gewesen, auf dieses Modell einzusteigen – man habe es jetzt sehr schwer, die Erwartungen an die Gratis-Kultur im Netz auf ein normales Maß zurückzuführen.

In ihrem neuen Buch „Prinzip kostenlos“ fordert Kommunikationsexpertin Dr. Kerstin Hoffmann Berater, Trainer und Experten auf, Wissen zu verschenken um an neue Kontakte, Kunden und Aufträge zu kommen. Kann das funktionieren?

Das Prinzip kostenlos sei im Grunde ganz einfach: man bekommt mehr zurück, als man gibt. Schenken hat viel mit Teilen zu tun – auch wenn es heute bei Facebook „share“ heißt, schon immer habe man geteilt. In den Zeiten des Internets sei das nur viel einfacher geworden. Wir alle verteilten heute mehr und schneller Informationen als früher. Wer Informationen und Wissen mit anderen teilt, wird wahrgenommen, bekommt Aufmerksamkeit und Feedback.

„Menschen merken sich, wer sie inspiriert hat“ sagt Klaus Eck in einem der Experten-Interviews in Hoffmanns Buch.

Für jemanden der täglich mit Wissen umgeht, bietet es sich an, Wissen zu verschenken – im Netz kann er das auf einer Webseite, einem Blog oder in anderen sozialen Medien tun. Welche Medien sich dazu am besten eignen, welche Strategien es gibt und wie man sie umsetzt, zeigt Hoffmann in ihrem Buch.

Kerstin Hoffmann tut das sehr systematisch, mit vielen Details – ganz so wie man das von ihrem PR-Doktor blog kennt. Das Buch ist in diesem Sinne ein guter Ratgeber für Einsteiger – aber es ist auch für „alte Online-Hasen“ interessant: es liefert zahlreiche Anregungen und praktische Tipps. Zum Beispiel einen Themenplan für das eigene Blog aufzustellen – ich selbst schreibe meist spontan über etwas, was mir bei der täglichen Arbeit begegnet.

Oder: wer möchte, daß sein Geschenk gut ankommt, beim Empfänger nicht nur Neugier sondern Nutzen stiftet, muss sich nicht nur über den Inhalt und die Verpackung Gedanken machen, sondern sich zuerst einmal mit dem Empfänger beschäftigen. Eigentlich eine Binsenweisheit – die aber all zu oft vergessen wird. In diesem Sinne kann die Lektüre Anlass sein, das ein oder andere an der eigenen Strategie und Arbeit zu überdenken.

Am Schluss bleibt die entscheidende Frage: Wovon soll derjenige leben, der alles gratis herschenkt? Wie funktioniert der Schritt von kostenlos zu kostenpflichtig? Dafür hat auch Hoffmann kein Patentrezept. „Sie bestimmen, was sie verschenken“ schreibt sie und ab wann es kostet. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es dabei sehr auf den Einzelfall ankommt. Natürlich rufen auch bei mir jeden Tag Leute an, die etwas wissen möchten, einen Tipp oder einen Ratschlag brauchen. Oder es gibt Termine, die nicht in einen Auftrag münden – aber das gehört dazu. Die Fälle, in denen ich den Eindruck hatte, „gratis“ würde ausgenutzt, kann ich an einer Hand abzählen.

Der Weinakademie Berlin blog hat sich im Laufe der Jahre ganz von selbst in die Richtung von Hoffmanns „Prinzip kostenlos“ entwickelt – einfach weil ich merke, dass es bei den Lesern ankommt. Die von ihr beschriebene Strategie hat bisher funktioniert: er ist die einzige „Werbung“ die ich für die Beratungs- und Trainingsangebote von Weinakademie Berlin mache.

Hier kann man ins Buch hineinschauen

Dr. Kerstin Hoffmann, Prinzip kostenlos
Wissen verschenken – Aufmerksamkeit steigern – Kunden gewinnen
2012, WILEY-VCH Verlag Weinheim, 24,90 Euro

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