Wieviel Markt braucht der Mensch?

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„Märkte sind Gespräche“ an diesen Satz aus dem Cluetrain-Manifest mußte ich denken, als wir am Samstag nach langer Zeit einmal wieder über den Borough Market in Southwark schlenderten.

Borough Market Southwark foto:a.wetzl

Borough Market Southwark

Ein Durcheinander und ein Stimmengewirr – jede Menge Touristen, aber auch Leute aus dem Viertel tummeln sich Samstags unter den Eisenbahnbögen auf einem der schönsten Wochenmärkte Londons. Winter-Gemüse, Fisch, in der Nacht voher mit dem Kutter vor der walisischen Küste gefangen, alle erdenklichen Käsevaritionen von der Insel, frische Milch und auch Cider und Wein. Mittendrin im Schatten der alten Kathedrale kleine Restaurants oder Steh-Bistros, in denen man die Köstlichkeiten vom Markt probieren kann.

Es macht einfach Spaß zuzusehen, zu probieren, eine Kleinigkeit zu kaufen! Schade, dass wir diesmal kein Appartement mit Küche haben.

So chaotisch dies alles wirkt – der Markt hat ein festes Regelement. Wer hier verkaufen will, muß eine Zulassung haben. Er und seine Produkte müssen zum Markt passen. Es soll verhindert werden, dass es zu viele Imbissstände gibt – so attraktiv sie für die Touristen auch sein mögen. Auch das Abdriften in Luxus will man verhindern – der Markt soll weiterhin als Versorgung für das Viertel dienen. Es dürfen keine abgepackten Produkte verkauft werden, alles wird abgezählt oder abgewogen. Wenn ich nur eine Orange, eine Praline oder drei rote Kartoffeln haben möchte – dann bekomme ich das. Die Verkäufer müssen fachkundig sein und die Kunden beraten können.

Damit alles stimmt, werden neue Marktbeschicker voher von einer Kommission aus Marktverwaltung und zukünftigen Kollegen auf Herz und Nieren geprüft. Nach der Zulassung gibt es eine Testphase – sollte das Konzept nicht funktionieren, ist nach einem Monat alles vorbei. Trotz dieser harten Bedingungen, stehen die Interessenten Schlange. Der Markt soll eine Gold-Grube sein.

Der Markt leistet sich eine eigene Website und ein eigene Zeitschrift, „MarketLife“ heißt sie. Er ist für jeden Foodie, der London besucht ein Muss. Was macht den Markt so atttraktiv?
Bestimmt trägt die Auswahl der Produkte dazu bei, es sind aber, denke ich, die Anbieter und vor allem die Gespräche und die Stimmung.

Wieviel Markt braucht der Mensch? Wenn er denn einen findet, kann er gar nicht genug davon bekommen – dort erfährt man mehr als bei jeder Nachrichten-Sendung, das ist ein besserer Stimmungsaufheller und bessere Unterhaltung als jede Commedy,.

„Märkte sind Gespräche“ Wie sprachlos sind dagegen unsere Super-Märkte, wie wenig valide Information und Tipps fürs eigene Kochen sind dort zu bekommen? Wer es schafft, Markt-Atmosphäre in sein Geschäft zu bringen, braucht sich um seinen Erfolg keine Sorgen mehr zu machen. Ein Besuch auf dem Borough Market in Southwark hilft den Ideen dabei auf die Sprünge. Der Weinmarkt von Tony Laithwaite im VINOPOLIS, wenige Meter vom Borough Market liefert ein anschauliches Beispiel.

Vorne, an der Ecke zur Southwark Street gibt es seit einiger Zeit eine ausgezeichnete Tapas-Bar. „Besser als vieles, was ich aus Spanien kenne“ meinte meine Frau, die lange Jahre für einen spanischen Importeur gearbeitet hat. „Tapas Brindisa“ hat auch einen Stand auf dem Markt. Den Tipp hatten wir von einer Berliner Blog-Kollegin. Vielen Dank!

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2 Kommentare

  1. Gerade ein paar Artikel durchgegangen und auf diesen gestoßen – da kommen nette Erinnerungen von wöchentlichen Borough Market Besuchen und Veranstaltungen im Vinopolis auf. Southwark gehört einfach zu den schönsten Seiten von London, weil so authentisch!

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