Winzer an der Mosel machen mobil

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Mono-Rak-Bahn im Weinberg

Arbeiten in der Steillage an der Mosel copyright: Deutsches Weininstitut (DWI)

Diese Tage erreichte ein Rundschreiben die Winzer an der Mosel: Absender ist eine Gruppe von Betrieben, die sich schon seit längerem mit den anstehenden Gesetzes-Änderungen im Weinrecht beschäftigen. Sie stimmen nicht in das Lamento über die bedrohten Steillagen ein, das zur Zeit landauf – landab auf den Winzerversammlungen der Verbände zu hören ist. Sondern sie setzten sich dafür ein, die Chancen für einen Neuanfang, die sich aus der EU-Weinmarktreform (der Weinblogger Roundtable sprach mit EU-Direktor Lars Hoelgard darüber) ergeben, für die Mosel zu nutzen.

Die neuen Regelungen lassen es nämlich durchaus zu, Lagen, auch Steillagen, und deren besondere Bewirtschaftung, die Rebsorten, Hektarerträge und Mindestmostgewichte schützen zu lassen und damit Qualität festzuschreiben. Konsequent haben sie eine Qualitätspyramide entworfen, die dem Prinzip „Je enger die Herkunft, umso höher die Anforderungen an das Produkt“ folgt. Vom Gebietswein, geht es über den Ortswein bis zur Spitze, dem Lagenwein. Die Lage, das Terroir, zählt. Ganz so wie im romanischen Raum soll Qualität an Herkunft gebunden sein. Aus Spitzen-Lagen an der Mosel sollen dann nur noch Spitzen-Rieslinge kommen und eben keine Merlot-Spätlese. Die dort sicher in guten Jahren auch erzeugt werden könnte – aber nicht ins Profil paßt. Das ist eine Inititative gegen Gleichmacherei und „everything goes“,  eine Initiative für ein klares, unverwechselbares Profil.

Kommt die Initiative zu spät? „Es hat sich jetzt, für mich auch ein wenig überraschend, ein Fenster geöffnet, zusammen mit Teilen unseres Weinbauverbandes (insbesondere GF Gerd Knebel) für eine qualitäts- und herkunftsorientierte Neufassung unseres Bezeichnungsrechtes zu kämpfen“ schreibt Gernot Kollmann vom Weingut Immich-Batterieberg, der den Rundbrief im Auftrag der Initiative verschickt hat.

Der Hintergrund: die Winzer diskutieren nicht erst seit gestern, wie sie die Zukunft an der Mosel retten können – als auf den Winter-Versammlungen das neue Bezeichnungsrecht nur in einem Nebensatz erwähnt wurde, lud man zu einem Treffen in Enkirch ein. Und alle kamen: engagierte Winzer, Vertreter des großen und des klitzekleinen Rings, Spitzenproduzenten. Auch die Verbands-Oberen waren eingeladen und sahen sich bei der Versammlung massiv mit den Themen Weinmarktreform und Bezeichnungsrecht aus Winzersicht konfrontiert.

Die Diskussion führte dazu, daß es jetzt wohl einen Vorstoß des Verbandes bei der Landesregierung geben wird, die Haltung zur Weinmarktreform zu überdenken und sich dafür einzusetzen, den Winzern vor Ort und den Verbänden bei der Neudefinition mehr Mitspracherecht zu geben. Die Willensbildung könnte dann in ein Votum für die neue Qualitätspyramide und für den besonderen Schutz der Steillagen münden. Jetzt sind die Winzer an Mosel, Saar und Ruwer aufgefordert, durch ihre Unterschrift unter den offenen Brief an den zuständigen Minister der Initiative und dem Verband mehr Rückenwind zu verschaffen.

Um Diskussionen ist man vor Ort nicht bang:  „Da müssen wir durch“ sagte Kollmann gestern in einem Telefon-Gespräch „es geht um unsere Zukunft!

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3 Kommentare

  1. Da bin ich doch überrascht , datt wenigstens ein Mitglied der “ Tintenklexer“ – Gilde sich mal zu der sensationellen Initiative der deutschen Winzerschaft äussert ! Nitt nur ich werde diese Initiative , die von den mosellaner Winzern ausging , unterstützen – Ich dachte schon , die Jungs vonner Mosel würden mit ihrem sehr klugen Ansinnen und Aktion so völlig unbeachtet gelassen !

    Danke , für die umsichtige News in Sachen
    >><DEUTSCHER WEIN STELLT SICH AUF DIE ZUKUNFT IN DER €U EIN !!
    LG CpS – Weinnase – times are changing !

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