Alkohol-Diskussion: Hoffentlich verschlafen wir hier nichts?!

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Bei meinen WSET-Seminaren (Wine and Spirit Education Trust) spreche ich immer auch das Thema Alkohol-Prävention an. Das ist im von WSET vorgeschrieben. In UK ist klar: wir sprechen ganz offen auch über negative Wirkungen von übermäßigem Alkoholgenuss und diskutieren in der Ausbildung über den verantwortungsvollen Umgang mit Wein, Bier und Spirituosen.

In Deutschland ist das noch nicht so unbedingt der Fall. Die Branche tut sich schwer mit dem Thema, noch weniger schafft sie es, die Vorreiterrolle zu übernehmen. Den aktiven Part überlässt man den Drogenbekämpfern aus Berlin.

Vorbild sein - Probleme ansprechen!foto drinkawaretrust

Vorbild sein - Probleme ansprechen!foto drinkawaretrust

Umso interessanter war die Reaktion einiger Mitarbeiter aus einem der größten Weineinzelhandesunternehmen Anfang dieser Woche: Wo ist unsere Verantwortung? Was tun mit Problemfällen?  Sollten wir nicht Hilfestellung leisten?

Aus der Diskussion ergab sich:  es ist nicht unsere Aufgabe, einzuschreiten. Aber wir sollten genau so, wie wir über den genußvollen Umgang mit Wein informieren, auch über den Mißbrauch informieren und Hilfen an die Hand geben, zum  Beispiel Telefonnummern.

In Großbritannien liegen in den Filialen von Oddbins oder Majestic Folder des DrinkAware – Trust aus. Die Mitarbeiter „an der Front“ auch bei uns würden sich freuen, wenn es bei uns etwas Gleichwertiges gäbe.

Lesen Sie auch den Bericht über die Portman-Group

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5 Kommentare

  1. Eine Broschüre nach dem genannten Vorbild würde ich ebenfalls begrüßen. Genau so eine Aktion könnte den Wind aus den Segeln der „Drogenbekämpfer“ nehmen. Das DWI sollte darüber unbedingt nachdenken.

  2. Hallo Michael, hallo Lars,
    soweit ich weiss gibt es beim Deutschen Weinbauverband schon eine entsprechende Initiative. Es gibt ein europäisches Programm namens WINE in MODERATION. Laut der Pressemeldung vom DWV ist die Deutsche Weinakademie mit der nationalen Umsetzung betreut.

  3. Hier noch der Link zur Pressemeldung: http://www.dwv-online.de/index.php?id=18&oid=523
    Und zur WINE in MODERATION Webseite: http://www.wineinmoderation.eu/

    Viele Grüsse aus der Schweiz

  4. Danke für den Tipp! Das DWI war sehr angetan von der Broschüre und der cd für den Unterricht, die ich letztes Jahr aus UK mitgebracht habe.

    Eigenes Material gibt’s noch nicht (zumindest habe ich noch nichts gesehen) und ich bin ziemlich regelmäßig mit Frau Dr. Stein-Hammer von der Deutschen Weinakademie in Kontakt, die mit der Umsetzung betraut ist. Wir hoffen, dass bald etwas zur Verfügung steht!

    Beste Grüße Michael Pleitgen

  5. Die Drogenbekämpfer brauchen sehr viel mehr Wind in den Segeln!
    Das m.E. auffälligste Problem sind Vodkaflaschen in den Händen von Kindern und jungen Erwachsenen. Darüber hinaus werden sehr viele Jugendkriminalitätsdelikte unter Alkoholeinfluss begangen. Nach meiner Wahrnehmung geht es vordringlich um eine andere Trinkkultur und um die Zugangsbegrenzung zu harten Alkoholika. Viele Probleme entstehen an ganz anderer Stelle als an der Ladenkasse von Oddbins oder vergleichbaren Fachhändlern. Dass die britische Indusatrie reagiert ist wohl notgedrungen, der Alkoholmissbrauch hat dort auch erschreckende Ausmaße angenommen und die jugendlichen Komasäufer sind bald die Alkoholiker von morgen. Diese Trinkkultur ist auch bei uns angekommen und die Auswüchse nehmen zu. Hier sind sehr wohl auch die Händler gefragt. Klar bewegen sie sich innerhalb vom gesetzlichen Rahmen, aber das reicht nicht aus.
    Ein Verkaufsverbot von harten Alkoholika in Lebensmittelläden, entweder ganz oder deutlich Zeiteingeschränkt, nicht nach 18 oder 20 Uhr wäre eine Idee. Eine satte Steuererhöhung auf ebensolche Waren auch. Prävention ist natürlich notwendig, keine Frage, aber eine Broschüre als Alibi reicht nicht! Und so klingt es leider.

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