WHO berät über schärfere Maßnahmen gegen Alkohol

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Steuern erhöhen, Verfügbarkeit einschränken, Werbeverbote foto:Andreas H. Lunde/flickr

Steuern erhöhen, Verfügbarkeit einschränken, Werbeverbote foto:Andreas H. Lunde/flickr

Steuern erhöhen, Beschränkung der Verfügbarkeit und Werbeverbote. So läßt sich der Entwurf für die Fortschreibung der Alkohol-Politik der Weltgesundheitsoranisation der UNO (WHO) zusammenfassen. Das Papier soll bei der Gesundheitsministerkonferenz im Mai verabschiedet werden, berichten die Kollegen von Wine and Spirits Daily aus New York.

Die Beschlüsse der Konferenz sind für die Mitgliedsstaaten nicht bindend, werden aber in der Regel in vielen Ländern zur Richtschnur der Politik. Der Alkoholkonsum wird von der WHO als die drittwichtigste Ursache für vorzeitigen Tod und Krankheit weltweit eingestuft. Ziel ist es von daher, den Alkoholkonsum soweit als möglich zu reduzieren. Konkrete Zahlen nennt das Papier nicht.

In dem Papier (hier zum PDF download) wird die Preispolitik als wirksamste Waffe gegen Alkoholmißbrauch gesehen und empfohlen, die Steuern so zu gestalten, daß die Preise eine abschreckende Wirkung haben. Die Konsumenten sollen aber dadurch nicht verleitet werden, zu schwarzem oder illegalem, womöglich noch gesundheitsschädigerendem, Stoff zu greifen.

Die Verfügbarkeit von Alkohol soll eingeschränkt werden. Als geeignete Maßnahmen empfehlen sich restriktive Verkaufzeiten (wie zum Beispiel das Nachtverkaufsverbot wie in Baden-Württemberg), Beschränkung der Verkaufsstellen: kein Verkauf im LEH, Abgabe nur über staatliche Monopole oder staatlich kontrollierte Läden, kein Verkauf übers Internet.

Werbe-Beschränkungen gehen von freiwilligen Selbstbeschränkungen der Branche bis hin zu kompletten Verboten durch die Regierungen.

In dem Papier wird deutlich, daß man Konflikte zwischen gesundheits-orientiertem Handeln der Regierungen und privatwirtschaftlichem Interesse sieht. Auch kulturelle Unterschiede im Umgang mit Alkohol werden konstatiert.  Deshalb wird eine Einbeziehung und  Mitwirkung der Branche angestrebt. Dies verspreche bessere Akzeptanz.  Ziel müsse eine neue, gesamtgesellschaftliche Einstellung gegenüber Alkohol sein.

Die EU hatte sich in der Vergangenheit die Forderungen der WHO weitgehend zu eigen gemacht und von den Regierungen konkrete Schritte gefordert. Das WHO-Papier zeigt, daß man entschlossen ist, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Und auch die schwarz-gelbe Regierung wird nicht umhin können, nächste Schritte einzuleiten. Auch die ersten Äußerungen der neuen Drogenbeauftragten Mechthild Dykmans (Ausweispflicht beim Alkoholkauf) deuten daraufhin.

Die Alkohol-Industrie und auch die Weinbranche täten gut daran, deutlich mehr Eigeninitiative in Richtung Prävention zu zeigen, bevor die nächsten Ideen und Vorschläge aus Berlin kommen. Spätestens im Mai mit dem neuen Drogenbericht wird Alkohol wieder im Fokus stehen.

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