Spitzen-Weingüter vs Gault-Millau

| 50.065 mal gelesen |

14 Top-Betriebe haben sich in einem offenen Brief an den Verlag des Gault-Millau gewandt. Sie halten den vom Weinführer angekündigten  „freiwilligen Beitrag“ der am Wettbewerb teilnehmenden Weingüter “ für die positive Weiterentwicklung unserer Weinkultur abträglich„.

Alles Sturm im Wasserglas? <br>foto:96dpi/flickr

Alles Sturm im Wasserglas? foto:96dpi/flickr

Im Brief kündigen sie an dem Gault-Millau keine Proben mehr zur Verfügung zu stellen und bitten „dass in Zukunft von einer Publikation von Verkostungsergebnissen ihrer Weine und einer Beschreibung ihrer Weingüter abgesehen wird.“  Nach Bekanntwerden des Briefes gab es eine lebhafte Diskusion auf Twitter und in Wein-Foren , Blog-Beiträge hier: Dirk Würtz und in der Presse.

Einige meinen bereits, das Ende des Gault Millau sei gekommen. Es sei abzusehen, dass sich weitere Betriebe an dem Boykott beteiligen. Ein Weinführer, der nicht über die Top-Betriebe schreiben darf, sei nicht glaubwürdig.

Vom Gault Millau mag man halten, was man will. Es gab auch in der Vergangenheit schon genug lebhafte Diskussionen um diese Publikation. Er hat auch seine Verdienste. Die Briefschreiber selbst bedanken sich für die gute Zusammenarbeit und zollen „Respekt und Dank auch für viele positive Beiträge zum Marketing deutscher Weine im In- und Ausland„.

Aber was wollen die Weingüter? Ein Führer kostet Geld, Weine von Profis beurteilen zu lassen auch. Wenn das von den Verbrauchern über den Buchpreis nicht mehr honoriert wird und in Zeiten schleppender Konjunktur zusätzlich an den Anzeigen gespart wird, dann wird es den Führer eben nicht mehr geben. Der Versuch, bei den Produzenten einen Beitrag zu bekommen, war unsensibel aufgegleist. Herausgeber und Verlag hatten wohl ihre Position falsch eingeschätzt: die deutsche Weinwelt kann auch ohne einen Gault Millau leben. Allerdings würde mit dem Gault Millau eine weitere Plattform für Wein-Darstellung verschwinden. Das kann nicht im Interesse der Branche sein.

Übrigens: sollte von Seiten der Produzenten tatsächlich nicht mehr für Wettbewerbe gezahlt werden, wäre das Ende eines Großteils der Veranstaltungen besiegelt. Keine Medaillen mehr, keine Orden und Ehrenzeichen. Darüber hatte ich hier schon einmal berichtet.

Quo vadis Weinjournalismus? Ein Mitglied der schreibenden Zunft beantwortete die Frage letzthin etwas zynisch: außer den Journalisten interessiere dieses Thema doch niemanden. Die Produzenten hätten nur das Interesse, sich positiv dargestellt zu sehen. Und dafür brauche man keinen Journalisten oder Kritiker, sondern einen PR-Mann oder eine PR-Frau.

Vielleicht ist auch alles ganz anders: Mario Scheuermann hält das Ganze für einen Sturm im Wasserglas. Nach der Lektüre seines Artikels fragt man sich, ob es bei der neuesten Diskussion auch um eine Auseinandersetzung zwischen Feinschmecker und Gault-Millau gehen könnte. Marktbereiningung in Zeiten der Krise unter Mitwirkung des Winzer-Orchesters?.

Empfehlen Sie diese Seite weiter:

Das könnte Sie auch interessieren: