California – die Herausforderung

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Wie sieht die aktuelle Herausforderung für die kalifornische Weinwirtschaft aus? Wie kann ein Betrieb in weltweiter Krise überleben und weiterwachsen?

Eric Wente

Eric Wente

Die Frage haben ich heute mehrfach gestellt. Hier zwei Antworten, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Einmal von Jim Ryan, der in Livermore CA für die Concannon Vineyards verantwortlich ist. Und die andere von Eric Wente, dessen Famile dieses Jahr ihre 126te Ernte ohne Unterbrechung einfährt.

Concannon gibt es  genauso lange wie die Wentes, aber die 110 Hektar wurden vor einigen Jahren in die WineGroup eingebracht und gehören als Premium-Marke zu einem der größten weltweit operierenden Wein-Imperien. In den USA steht die Gruppe für preiswerte Weine und hat mit Franzia den Bag-in-Box populär gemacht. In Europa gibt es eine strategische Partnerschaft mit den Grand Chais de France (GCF). Jim Ryan sagte, die Zusammenarbeit oder die Integration in eine große Gruppe erlaube Concannon vieles , was sonst nicht machbar wäre. Concannon wäre ohne die Gruppe im Hintergrund eine der vielen Boutique-Wineries die ums Überleben kämpfen.

Die kalifornische Weinwirtschaft hat sich eine umweltverträgliche Produktion auf die Fahne geschrieben. Auf Concannon wird seid 3 Jahren nach biodynamischen Gesichtspunkten angebaut. Das sieht man:  in den weinbergen Vogelhäuser und Anflugstangen für Raubvögel, von denen man auffallend viele hier ihre Kreise ziehen sieht. Der Transport des Leerglases wurde optimiert: die Flaschen werden in den Kartons angeliefert, in die sie hinterher wieder verpackt werden. Auspacken und Einpacken natürlich vollautomatisch. Für die Gruppe füllt Concannon zahlreiche Markenweine ab. Witzige, junge und erfolgreiche Labels wie die Cupcake Wines oder die Underdog Weine. Und Concannon liefert als Estate-Premium-Wein einen  Petite Sirah, einen dichten, körperreichen nach Holunder- und Brombeeren duftenden Wein.

„Hard work“ sagt Eric Wente nach dem Rezept für das Überleben seiner Familienfirma gefragt. Innnovation und Tradition gehören für ihn gleichermaßen dazu. Man muß wissen, was man kann und was man will. Und damit an den Markt gehen.

Die Wentes sind vor 126 Jahren aus der Gegend von Hannover nach Kalifornien eingewandert. Noch heute gibt es Verwandschaft in Deutschland. Die Prohibition haben sie überlebt, weil sie Mess-Wein für die katholische Kirche lieferten und damit eine Sondergenehmeigung zur Weinproduktion erhielten. Heute gehören mehr als 1.200 Hektar zum Familenbesitz. Die fünfte Wente Generation arbeitet sich gerade ein. In Livermore ensteht ein neues Besucherzentrum und wenige Meilen entfernt findet man unter „Wente Vinyards“ einen Golfplatz, ein Restaurant und eine Tagungs- und Konzertstätte. Mehr als 120.000 Besucher kommen das Jahr über.

Überall merkt man, daß viel ausprobiert wird, aber alles mit Augenmaß. „Wenn was schiefgeht, verliert ein Manager seinen Job, wir aber sind unsere Firma los. Das macht doch einen gewaltigen Unterschied“ sagt Wente.

„Was wichtig ist? Den Kontakt halten, präsent sein. Ständig gucken was man besser machen kann.  Wir sind in über 100 Ländern vertreten.“ Dann erzählt er, wie er in Holland seinen ersten Kunden gewann. Das war, als er selbst anfing. Albert Heijn ist heute immer noch Wente-Kunde. Die größte Gefahr für die kleinen und die Mittelständler sieht Wente in den großen Gruppen. „Die jonglieren mit Marken und Märkten. Setzten ohne Not die Preis-Spirale nach unten in Gang. Wie die Australier in Großbritannien. Und eines Tages stellen wir dann fest, daß im Regal kein Platz mehr für uns ist. Wir können das nicht auf dem Finanz-Wege lösen.   Da müssen die Beziehungen zum Kunden eben so sein, daß es heißt: der Wente bleibt auf jeden Fall drin. Wir brauchen auch verläßliche Qualitäten, mit denen wir uns profilieren können. Und wir müssen auch manchmal ’nein‘ sagen können, wenn es zu weit in den Keller geht.“

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