Starbucks – aussen hui , innen pfui ?

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Broken heart foto:CarbonNYC/flickr

Jetzt bekommt Starbucks Druck – von Mitarbeitern in USA und Deutschland. Nach dem Bericht in Frontal21 am 14. Dezember dürften auch treue Kunden ins Grübeln kommen.  Brachten vor nicht allzu langer Zeit die Starbucks Kaffee-Preise die Kunden zum Wechseln, sind es heute die Arbeitsbedingungen, die den ein oder anderen von einem Starbucks-Latte Abstand nehmen lassen.

Eine straff geführte Organisation, starke Filialleiter, die das Personal auf sich einschwören und auch schon mal unter der Gürtel-Linie argumentieren, so sieht laut Fernsehbeitrag die innere Organisation aus. Das Unternehmen spricht nicht von Mitarbeitern sondern von „Partnern„. Und mit denen pflege man ein sehr persönliches Verhältnis – dazu brauche es keinen Betriebsrat und keine Gewerkschaft: “ Starbucks firmly believes that the direct employment relationship which we currently have with our partners is the best way to help ensure a great work environment. We believe we do not need a third party to act on behalf of our partners“ heißt es in einer Presseerklärung. Allerdings   befand bereits 2008 ein US-Richter, dass  Starbucks massiv Gewerkschaftsmitglieder behindere.

Modern times – oder 19. Jahrundert? Nach einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung gibt es nur in fünf von 144 Filialen eine Mitarbeitervertretung. Im gleichen Bericht werden Mitarbeiter zitiert, die trotz 30-Stunden-Job bei Starbucks eigentlich Hartz IV beanspruchen könnten und denen trotzdem die Aufnahme eines Zweitjobs untersagt wird. Begründung: die Flexibilität für den Starbucks-Einsatz könne gefährdet sein. Weitere Berichte lassen bei Starbucks Probleme erkenne, wie sie oft in schnell expandierenden Organisationen vorkommen, die vorwiegend mit jungen Leuten arbeiten: die Mitarbeiter sind zum Teil hochmotiviert –  Ausbildung und soziale Qualifikation sind aber beim schnellen Wachstum auf der Strecke geblieben. Erst im letzten Jahr, als Starbucks die Schließung von 600 Filialen ankündigen mußte, gingen Berichte von merkwürdigen Mitarbeiter-Schulungen mit Kinderspielzeug durch die Presse.

Was in den USA aus Unternehmenssicht richtig ist  – findet international vielleicht nicht immer Zustimmung. In den USA haben Gewerkschaften eine andere Stellung als bei uns.  Wichtig: man muss sehen, in welchen Markt man sich bewegt.

Je größer eine Organsition wird – desto schwieriger wird die Anpassung an lokale Gegebenheiten.  Starbucks ist in über 50 Ländern aktiv. In Deutschland reagieren die Verbraucher auch auf Verstösse gegen den ungeschriebenen Verhaltenkodex, wie Unternehmen mit Mitarbeitern umzugehen haben: Lidl soll nach der Aufdeckung seiner Mitarbeiter-Bespitzelung mehrere Wochen bis zu 25% Umsatzrückgang gehabt haben. Sich aus solch einem Image zu befreien, kann Jahre dauern. Erst unlängst wurde bei einer Veranstaltung Lidl-Einkaufs-Chef Goudbloum trotz aller Bemühungen in Richtung Bio und Fairtrade davon wieder eingeholt.

Nachbemerkung: Zustände wie sie jetzt bei Starbucks geschildert werden, liessen sich sicher ohne große Mühe auch in anderen Betrieben aufspüren. Anfällig sind die Gastronomie und selbst im Wein-Fachhandel geht es teilweise noch sehr nach „Gutsherren-Art“ zu. Eine Zeitlang geht so etwas gut, früher oder später spricht es sich herum und kann das schönste Image kippen lassen.

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