Wichtig – Weinprobe mit Konzept

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Nach dem Wein Nummer 26 erlahmte das Interesse dann doch etwas. Klar – es war schon spannend, die einzelnen Verschnittpartner und Herkünfte für den letztendlichen Top-Weindes Gutes einmal einzeln und im „Ur-Zustand“ zu probieren.

Tasting bei Norton / Mendoza

Tasting bei Norton / Mendoza foto:mpleitgen Weinkademie Berlin

Aber ist es auch zielführend, wenn man Journalisten einen Überblick über die verschiedenen Linien des Hauses verschaffen will?

Bei unserer Chile- /Argentinien-Exkursion hatte die Agentur, die die Reise organisierte, den Betrieben vorgeschlagen, bei der Probe jeweils 6 Weine zu präsentieren. Schon bei Los Vascos war das schwierig: umfasst doch hier das Repertoire der aktuellen Weine schon acht verschiedene Weine – vom den eher einfachen Las Huertas und Brisandes bis hin zum Le Dix, von dem je nach Jahrgang nur 2.000 bis 5.000 Kisten gemacht werden. Das Los Vascos Sortiment ist recht übersichtlich – die meisten Wineries haben eine Rebsorten Linie, eine Reserva Linie und ihre Top-Weine. Die einzelnen Linien werden dann noch durch die Rebsorten dekliniert und wahlweise noch einmal  mit und ohne Holz-Einsatz präsentiert. Von Fall zu Fall wird das Sortiment zusätzlich durch Weine im entry-level und im Top-Segment ergänzt. Außerdem darf der hauseignene Icon-Wein nicht fehlen!

Zurück zur Frage: soll man das alles Besuchern vorführen? Klare Antwort: nein!

Das wichtigste bei einer Weinprobe für Profis ist die Vorbereitung! Zunächst sollte man sich darüber klar werden, was man vorstellen möchte. Was sollen die Besucher über den Betrieb erfahren, was sollen sie mitnehmen? Was steht exemplarisch für mein Haus? Die Probe muss also ein Thema haben.

Zweiter Schritt bei der Vorbereitung: vernünftige Unterlagen. Nichts ist unprofessioneller, als die Flaschen herumzureichen und es jedem zu überlassen, sich schnell die wichtigsten Daten vom Etikett herunterzuschreiben. Das führt zu Nachfragen und garantiert Verwechslungen. Die Besucher sind mehr mit dem Schreiben als mit dem Wein beschäftigt. Wichtig kann eventuell auch eine numerierte Verkostungsmatte sein, damit man gleich sieht, welcher Wein zu welcher Position auf der Liste gehört. Ob man einen Verkostungsbogen beilegt oder nur eine Liste mit der Probenfolge aushändigt, ist Geschmacksfrage – eine Unterlage mit der Verkostungsreihenfolge muss sein.

Viele Journalisten und Weinprofis haben ihre eigene Notizschrift und ihr eigenes Notizheft. Ich schreibe meine Notizen lieber in ein Notizbuch – da habe ich sie alle beieinander – die Verkostungszettel der Betriebe haben alle unterschiedliche Formate und verschwinden gerne mit den Prospekten in einem Stehsammler. Sie wieder zu finden ist umständlich.

Auf die Liste gehören nicht nur die richtige Bezeichnung, sondern auch einige Basis-Angaben zum Alkohol-Gehalt, zum Restzucker, zur Säure und zum Schwefel. Das erspart Nachfragen und erleichtert die Einschätzung des Weins im Glas. Möchte man noch mehr tun, kann man auch noch andere wichtige Daten mitgeben, wie Erntezeitpunkt, Ausbau, Mengenangaben oder Flaschenzahlen. Wer es ganz gut meint, kann die Probenfolge auch noch als Word-Dokument  oder PDF auf einem Stick abspeichern – da braucht es beim Schreiben hinterher nur ein copy/paste um die korrekten Daten im Text zu haben.

Auf den Stick gehört dann auch die digitale Pressemappe mit Vorstellung des Weingutes, Angaben zu Personen, Fotos, Videos und Karten. Die herkömmlichen Prospekte und Pressemappen braucht man natürlich immer noch, aber man muss Verständnis haben, wenn viele Profis sie liegenlassen oder später wegwerfen. Bei zwanzig besuchten Betrieben machte das Konvolut bei der letzten Südamerika-Reise mehr als fünf Kilo aus – wer nicht entsprechend vorbereitet ist, zahlt saftig für das Übergepäck!

Alternativ oder auch ergänzend: gleich nach der Reise ein Dankeschön an die Besucher per email mit dem Hinweis auf die eigene Website und dem link zu einem Download-Bereich für Journalisten – wer es ganz individuell machen möchte, kann dort auch nochmal für eine gewisse Zeit die Probenliste vorrätig halten.

Das alles sollte heute wirklich Allgemeinwissen sein – aber man wundert sich immer wieder, wie häufig diese ganz einfachen Regeln auch von bekannten Betrieben nicht beachtet werden.

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2 Kommentare

  1. „Zunächst sollte man sich darüber klar werden, was man vorstellen möchte. Was sollen die Besucher über den Betrieb erfahren, was sollen sie mitnehmen?“

    Nein, das reicht bei weitem nicht aus. Das ist sogar einer der übelsten Fehler im Marketing, besonders im Umgang mit Journalisten. Bevor man sich Gedanken macht, was man vorstellen möchte etc. sollte man sich erst mal Gedanken darüber machen, was die Besucher vielleicht wissen, sehen bzw verkosten wollen. Erst danach ergibt der Rest einen Sinn.

    Sonst gibt es Vorschläge, wie ich sie noch kürzlich in der Champagne bekam: „Didaktische Verkostung von verschiedenen Champagnern“. Das mag ja für jemanden, der noch keinen Champagner verkostet hat, ganz nützlich sein, aber nach 35 oder mehr Verkostungsjahren fand ich den Vorschlag dann doch etwas despektierlich.

  2. Zurück zur Frage.
    Wenn alle Gäste Journalisten sind, die auch mit Wein zu tun haben und über Wein schreiben, dann ääähhh…
    Sorry, Du hattest gar keine Frage gestellt !

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