China: Chancen für Weisswein steigen

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Bisher galt für den Weinmarkt in China: Wein ist im wesentlichen rot, Rotwein ist Frankreich und Frankreich ist Bordeaux. Einer aktuellen Studie zufolge kommt jetzt etwas Bewegung in die Szene.  Importierte Rotweine dürfen etwas milder, ja sogar leicht süß sein und die Chancen für Weissweinsteigen.

Jenny Li – Research Manager

Jenny Li – Research Manager Wine Intelligence London foto:WineIntelligence

Eines der wichtigsten Ergebnisse der von Wine Intelligence durchgeführten Studie ist, dass sich der chinesische Weinhandel auf  eine Diversifizierung des Geschmacks der Verbraucher vorbereitet. Das ergaben ausführliche Hintergrund-Interviews mit 21 Managern des chinesischen Weinbranche, die zwischen November 2011 und Februar 2012 geführt wurden. Verantwortlich für die Studie ist Jenny Li, die für das britische Marktforschungs-Unternehmen den chinesischen Markt beobachtet. Erste Ergebnisse wurden bereits bei der Prowein vorgestellt.

Zwei Drittel der Konsumenten in China, so die Studie, fänden Spaß daran, neue Weine und verschiedene Weinstile auszuprobieren. Das deute auf eine neue Phase in der Entwicklung der Weinkultur hin. Für über 90% ist Wein mit modernem, internationalem Lifestyle verbunden. Er schafft eine warme Atmosphäre. In der Vergangenheit war er oft ein offizielles (Firmen-)Präsent mit Prestigewert – jetzt wird er mehr und mehr auch bei privatem Get-together mit Familie und Freunden in der neuen chinesischen Mittelschicht gereicht. 60% des Weins werden dann auch zu den beiden großen Familienfesten verkauft: Neujahr und Herbstfest. Interessant ist auch, dass sich in China relativ gesehen mehr Verbraucher über das Internet zum Thema Wein informieren als in Deutschland, UK oder den USA.

Das Wachstum, auch im Weinmarkt, wird sich von der bisher dominaten Achse Beijing-Shanghai-Guangzhou auch in die Städte der 2. Kategorie ausdehnen. Interessante Einblicke in die doch großen Lifestyle-Unterschiede zwischen den einzelnen Kategorien liefert die Ogilvy-Studie „Consumers in the real China„.

Chancen sehen die Experten zukünftig für weiche, fruchtige Rotweine und erste wirkliche Chancen für Weißwein, vor allem im Süden des Landes, wo die Weißen besser mit der leichteren, Meeresfrüchte-orientierten Küche harmonieren. Diese Entwicklung wird auch die Dominanz der Bordeaux-Weine bei den Import-Weinen abschwächen, die in den letzten Jahren den Markt beherrschten.

Jenny Li meint, die Zeit der ersten Begegnung Chinas mit dem Wein nähere sich dem Ende : „Man kann sagen, dass die erste Phase der Entwicklung des chinesischen Weinmarktes langsam abgeschlossen ist – in der nächsten Phase werden wir es mit einem wesentlich reiferen Markt zu tun haben. Anzeichen dafür sehen wir in den zunehmenden Einkäufen für private Anlässe…. Insgesamt ist dies ein positiver Schritt, er wird den Verbrauchern mehr Anlässe und mehr Möglichkeiten geben, Wein zu kaufen. Das wird den Markt allerdings auch komplexer werden lassen. Die Einzelhändler, Distributeure und Markenartikler werden sich auf neue Herausforderungen einstellen müssen.“

Indikatoren für eine weitere Entwicklung der Weinkultur und es Marktes sind auch das große Interesse an Wein-Ausbildung und die Teilnehmer-Zahlen an WSET Kurse. WSET zertifizierte in den letzten Jahren 23 neue Ausbildungszentren in Festland-China (ohne Hongkong, das als Drehscheibe für das Fine Wine Geschäft in Asien gelten kann).

Die Studie „Emerging Opportunities in the Chinese Wine Market“ kostet 1.800 Euros. Weitere Informationen zur Studie (pdf download) gibt es bei Wine Intelligence London.

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