Georgien: Amphoren, alte Rebsorten, neue Leute, neue Weine

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In einem neu angelegten Amphoren (Kvevri) - Keller

In einem neu angelegten Amphoren (Kvevri) - Keller foto:Anja Wetzl

Saperavi, Rkatsiteli und Mtsvane. Eigene Rebsorten, den Kaukasus, Amphoren-Weine und tausendjährige Tradition: Georgien hat eigentlich alles, was zu einem eigenständigen Profil im Reigen der Weinbau-Regionen gehört. Hier gibt es wirklich etwas zu entdecken – erfreulicherweise nicht die allgegenwärtigen Chardonnay, Cabernet und Merlot, wie sie weltweit angebaut werden. Die Georgier können zwischen 500 autochthonen Rebsorten wählen. Ein großer Teil der Weine wird mittlerweile mit moderner Technik produziert und entspricht internationalen Standards.

Eine neue Region, neue Rebsorten, neue Weinstile, neue Leute. Das sollte die Wein-Fans elektrisieren. Trotzdem sind georgische Weine bei uns so gut wie unbekannt. Im kleinen Georgien-Spezialisten-Kreis wird über den Amphoren-Ausbau gestritten, wird von der Wiege des Weinbaus geraunt und werden die Erlebnisse mit den Trinkhörnern zum besten gegeben . Ob das der richtige Weg ist? Auch die offizielle Website des georgischen Landwirtschaftsministeriums ist eher etwas für Insider. Die dargestellte Tradition dürfte kaum Lust aufs Kennenlernen und Probieren machen. Wenn dann ein deutscher Wein-Journalist auf der Prowein ein georgisches Mützchen aufsetzt, ist das ungefähr so, als würde ein Japaner in Lederhose auf der Messe in Tokio das neueste Modell von Mercedes Benz vorstellen.

Information tut not. Der gleiche Journalist hat sich darum schon große Verdienste erworben: als einer der ersten ist er vor Ort gewesen und hat darüber berichtet. In Georgien erinnert man sich gerne an seinen Besuch. Geschäftlich blieb er allerdings weitgehend ohne Folgen. Da in Deutschland so gut wie keine georgischen Weine distribuiert sind, wird nicht darüber berichtet. Und weil nicht darüber berichtet wird, beschäftigt sich niemand im Handel mit den Weinen.

Nachdem Russland vor drei Jahren ein Embargo verhängte, fielen 80% des Marktes weg.  Die Georgier selber setzen auf die verbliebenen traditionellen Märkte: Ukraine, die baltischen Staaten und Kasachstan. Für den europäischen Markt sehen sie sich noch nicht gerüstet: bei den niedrigen Preisen zum Beispiel in Deutschland meinen sie, nicht mithalten zu können. Trotz extrem niedriger Löhne ist Georgien kein Billig-Land für Wein: das Material muß teuer importiert werden. So kommen Flaschen zum Beispiel aus Bulgarien oder Rumänien über das Schwarze Meer, da es in Georgien keine Glashütte gibt. Die Transportkosten liegen bei 6.000 Euro pro LKW.  Ebenso müssen die Weine auf dem Land- und Seeweg über die Türkei und das Mittelmeer versandt werden. Bei Kleinmengen entstehen dadurch hohe Kosten.  Dazu kommt, daß Georgien zwar Mitglied im Europarat ist, die Weine aber als Herkünfte aus „Drittland“ behandelt werden und mit Zoll belegt sind.

Eine funktionierende Gemeinschaftswerbung gibt es nicht. Die Stände bei der Prowein in den letzten Jahren wurden zum Teil durch Entwicklungshilfe-Organisationen (PPT download) zur Verfügung gestellt.

Welche Möglichkeiten hat georgischer Wein bei uns? Einzelne Betriebe sind zur Zeit dabei, Parker-Punkte, Medaillen und Auszeichnungen zu sammeln. Das gilt vielen als Nachweis internationalen Niveaus. Moderne Weine und Tradition müssen miteinander verknüpft und mediengerecht aufgearbeitet werden. Es werden neue Amphoren(Kvevri)-Keller angelegt. Spezialcuvees ein oder zwei Monate darin ausgebaut und mit Barrique verfeinert.

Die Hausaufgaben im Hintergrund werden gemacht: die guten Betriebe sind nach ISO und IFS zertifiziert, es wird mit Öko-Anbau experimentiert und man macht sich über Nachhaltigkeits-Konzepte Gedanken. Fachkräfte werden zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn ausgebildet.

In der Kommunikation sind die einzelnen Betriebe gefordert: neben dem Aufbau der Distribution wären klassische und Internet-PR wichtig. Eine gemeinschaftliche Anstrengung mehrer großer Betriebe könnte auch mit einem kleinen Etat viel bewegen. In der Tat haben die Georgier recht, wenn sie sagen, niemand habe auf Georgien gewartet. Doch wenn sie selbst nicht aktiv werden, bleiben Saperavi, Rkatsiteli und Mtsvane auch weiterhin bei uns unbekannt.

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