Viele Blogs und Wein-Seiten abmahngefährdet

| 7.964 mal gelesen |

Viele Blogs und Wein-Seiten sind hochgradig abmahngefährdet. Bei der Durchsicht aktueller Seiten zur Vorbereitung unserer Umfrage zum Status der Online-Wein-Szene im Herbst 2009 fielen sehr viele Blogs durch eine fehlende Kontaktmöglichkeit oder ein nicht-exsistentes Impressum auf.

Das hat zum einen eine juristische Seite: die Telemediengesetzgebung stellt auch bei rein privaten Anbietern, die kein kommerzielles Interesse verfolgen Mindestanforderungen, was eine Kennzeichnung angeht. So sieht  § 55 Abs. 1 RStV vor,

„dass Anbieter von Telemedien, die nicht ausschließlich persönlichen oder familiären Zwecken dienen, nur nachfolgende Informationen leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar zu halten haben:

  • Namen und Anschrift sowie
  • bei juristischen Personen auch Namen und Anschrift des Vertretungsberechtigten.“

Ein Indiz, daß ein Blog zumindest unter diese Regelung fällt, ist zum Beispiel eine öffentliche Kommentarfunktion. Umso mehr erstaunt, daß viele Blogs nicht einmal diesen Minimalanforderungen genügen.

Sebastian Einbock aus Hannover bietet eine informative und aktuelle Seite zum Thema Impressum und Recht. Sehr viel umfangreichere Pflichten haben Personen zu erfüllen, die auf ihren Seiten Werbung veröffentlichen oder Dienstleistungen und Waren anbieten. Wein-Plus bietet hier im Rahmen seines Profi-Abos einen günstigen Check und vermittelt Rechtsberatung.

Sorglosigkeit nach dem Motto: „ist ja nur eine Bagatelle, da bin ich mit 10 Euro gerne dabei“  können teuer werden! Das OLG Hamm hat erst in diesem Frühjahr mit Urteil vom 02.04.2009 (Az. 4 U 213/08) einen Bagatellverstoß bei fehlenden Pflichtangaben im Web-Impressum abgelehnt: das bedeutet freie Fahrt für Abmahner!

Neben dieser eher formalen Seite, ist aber noch etwas anderes zu bedenken: Chris Brogan widmet in seinem neuen Buch Trust Agents“ mehrere Seiten dem Thema Anonymität in der Online Diskussion. „poptart“ und „karlgirl“ haben Vielen geholfen, sich freier zu äußern. Damit war es möglich, Themen zu diskutieren, die sonst nicht öffentlich geworden wären. Nach Brogan hat sich eine neue Kultur der Transparenz entwickelt (die Diskusionsteilnehmer übrigens auch schützt). Den großen Vorteil von Blogs, Twitter  und Facebook sieht er darin, daß wir den Diskussionen jetzt Namen und Gesichter hinzufügen können. Das erhöht das Vertrauen und macht auch gerade Kritik noch seriöser.

In diesem Licht betrachtet: wie relevant sind dann eigentlich Wein-Kritiken von Osterhasi oder Nikolausi?

Empfehlen Sie diese Seite weiter:

Das könnte Sie auch interessieren: