amazon wird Weinhändler

| 4.795 mal gelesen | 6 Kommentare |

foto:trekkyandy/flickr

foto:trekkyandy/flickr

Die Anzeichen verdichten sich, daß amazon eventuell noch im Herbst ins Weingeschäft startet. Berichte in der Financial Times und  Reuters weisen darauf hin.

Weinverkaufen in den USA kommt einem Hindernislauf gleich, davon wissen auch deutsche Weinexporteure ein Lied zu singen: jeder Staat hat seine eigenen Gesetze und Regelungen. So ist es in den meisten Staaten nicht möglich über die Staats-Grenzen hinweg direkt von der Winery an Endverbraucher zu versenden. In vielen Staaten ist man gezwungen mit einem ortsansässigen Händler oder Importeur zusammenarbeiten. Auch Amazon wird den Meldungen zufolge erst einmal in 26 Staaten starten. Einmal ist amazon bereits an den zahlreichen rechtlichen Restriktionen in den USA gescheitert: 1999 verlor der Versender 30 Mio $ bei der Pleite von wineshopper.com, einem Joint-Venture mit Kleiner, Perkins Caufiled and Byers.

Was bedeutet der Markteintritt von amazon für die Erzeuger? Zunächst einmal einen neuen Distributionskanal. Und einen interessanten dazu: bekommt der Erzeuger heute nicht mal ein Drittel dessen, was für eine Flasche erlöst wird, will amazon 47% weiterreichen. Gleichzeitig soll der Erzeuger auf amazon den Endpreis seines Produktes selbst bestimmen können. Die Reichweite von amazon gibt’s gratis dazu! Zur Zeit verhandelt amazon über die neue Internet-Plattform mit den Napa Valley Vintners, einer Non-Profit Organisation, der 315 Betriebe angehören.

foto:JeffSandquist/flickr

foto:JeffSandquist/flickr

Für den Weinliebhaber wird durch amazon das Weinangebot noch größer und leichter zugänglich. Hier kann sich der Long-Tail-Effekt des Internets bemerkbar machen: amazon ist mit seinem Geschäftsmodell in der Lage, kleine und kleinste Anbieter und deren Weine vorzustellen und verfügbar zu machen. Wie immer, wird es aber keine Wunder geben: entwickelt sich das Amazon Weingeschäft ähnlich wie der Buch-Verkauf, werden langfristig nur 20 – 35 %  des Absatzes mit Nischenweinen realisiert werden.

Jetzt darf man spekulieren, ob auch der deutsche Wein-Markt für amazon interessant sein kann? Welche Rolle kann amazon spielen? DWI und GFK gehen noch immer davon aus, daß etwa 20% des Weins in Deutschland seinen Weg direkt vom Winzer zum Verbraucher findet. Dafür gibt es eine eingespielte Infrastruktur. (Die amazon für Wein nicht hat.  Auch in den USA wird diese Leistung zugekauft.) Außerdem ist der auf diesem Weg erzielte Preis von durchschnittlich 4,90 Euro pro Liter eine Herausforderung. amazon als Marktplatz für Erzeuger und Verbraucher würde in Deutschland wahrscheinlich nicht funktionieren.

amazon wäre also in Deutschland ein Online-Anbieter wie jeder andere, würde aber sicher etliche Stärken ausspielen können: Bekanntheitsgrad, Seriosität, EDV-Infrastruktur und jede Menge online-erfahrene Kunden. Fehlt die Weinkompetenz. In den USA hat man das gleich als erstes erledigt: mit Michael Gelvin hat man sich einen erfahrenen Berater und anerkannten Wine Educator ins Boot geholt. Beim Jahresmeeting der American Wine Society wird er am 8. November zu dem Thema „Wine by style – a new way to present wines“ (Mit Weintypen verkaufen) sprechen. Ein Hinweis, wie amazon sein Weinangebot präsentieren wird?

PS: Wer „live“ beim wine-rollout dabei sein will, sollte sich velleicht bei einem der newsletter zum Thema „gourmet-food“ oder „grocery“ auf amazon.com anmelden.

Das könnte Sie auch interessieren:

6 Kommentare

  1. Welcome Amazon! Der deutsche Buchhandel ist durch den amerikanischen Versandhändler nicht ausgelöscht worden, auch die deutschen Winzer brauchen Amazon nicht zu fürchten. Ob sie davon allerdings so profitieren, wie sie das könnten, ist zu bezweifeln.

    Schon heute könnten viel mehr Winzer viel mehr aus der Plattform Internet machen. Halbherzige Angebote mit wenig aktuellen Inhalten und oft lieblose Präsentation legen eher den Schluss nahe, dass die meisten Betriebe den Schritt ins Internet eher zögerlich wagen. Wer es professionell angeht, der profitiert schon jetzt von einem rasch wachsenden Marktsegment.

    Und die Kunden? Bekommen eine größere Auswahl und einen vertrauenswürdigen Partner, der sich bekanntlich fair an die Spielregeln hält. Das Weingeschäft wird Amazon nicht neu erfinden können oder so beleben wie den Buchhandel, aber er wird es kräftig aufmischen.

  2. Aha, höchst interessante Wein-News………

    Grüße,
    Martin
    http://www.berlinkitchen.com

  3. Pingback: bestebioweine.de » Blog Archiv » Michael Pleitgen meint: “Amazon wird Weinhändler”

  4. Pingback: Weinakademie Berlin

  5. Pingback: Amazon: Wein-Partner pleite

  6. Pingback: Amazon: Essig statt Wein | Le Gourmand

Schreiben Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.