Letter from London: mid-season sales

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Mid-season sales“, das ist zunächst einmal nichts anderes als der Ausverkauf im Frühjahr oder Herbst. Der Begriff kommt aus der Modebranche und wird auch dort noch am meisten genutzt. Aber die mid-season scheint ja jetzt permanent zu sein: bereits im März wunderten sich in London Mode-fans darüber, daß die „mid-season-sales“ bei manchen Labels schon begonnen hatten, nachdem gerade der Winterschlussverkauf zu Ende gegengen war.

Oxford Street London

Oxford Street London

H&M hat den Begriff jetzt auch auf der Suche für einen schönen Namen für eine weitere Aktion nach Deutschland gebracht. Und seine Kunden in Verwirrung gestürzt.

Für den Wein hat ihn bei uns noch niemand entdeckt.  Als Weinkunde kann man den Sonderangeboten kaum noch ausweichen: bevor ich Kunde werde, gibt es das Test-Angebot, für meinen Erst-Kauf gibts den Erst-Kauf Rabatt, wenn ich Kunde bin, bekomme ich meine Kunden-Karten Prozente und wenn ich öfter kaufe, meinen Treue-Bonus, beim ersten Kauf nach Re-Animation erhalte ich dann mein Wieder-Begrüßungungs-Angebot.

Also: wenn ich schlau bin, bin ich immer in der Kundengewinnen- , Kundenhalten- und Kundenwiedergewinnen-Schleife. Dazu kommen die derzeitigen Krisen-Angebote.

Als Kunde darf man sich dann schon fragen: was ist denn jetzt der richtige Preis für den Rioja Riserva? 12,80 € im Katalog oder 6,40 € wie imAngebot für den Erst-Käufer? Hab ich da nicht immer zuviel bezahlt? Warum nicht für mich als treuen Kunden? Und was ist, wenn ich meinen Chianti, den ich sonst immer für teures Geld bestellt habe, jetzt für kleines Geld über Tchibo kaufe?

Ach so: nur für kurze Zeit und solange der Vorrat reicht. Na ja, warten wir mal ab. Bis zum nächsten Angebot.

„deep-discounting“ mag verlockend sein. Aber: es zerstört Werte, verunsichert treue Kunden und ist sicher häufig ein Zeichen für Einfalls-Losigkeit und Kurzfrist-Denken. Besonders in den Zeiten des Internets, das schlaue Kunden noch schlauer gemacht hat und nichts vergißt.

Anders ausgedrückt: das nächste Quartals-Ergebnis ist damit vielleicht gesichert, aber die Marke geht peu-a-peu vor die Hunde.

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3 Kommentare

  1. Na dann machen „meine“ Winzer doch alles richtig: Da gibts keine Rabatte, kaum mal Aktionen – obwohl ich als Journalist und PR-Mensch mir das an der Schnittstelle zwischen Weingut und Verbraucher doch manchmal wünsche.

    Das „Sales“-Phänomen ist eher eine Erscheinung des Weinhandels, den WInzern ist ihr Wein für Sonderangebote meistens zu wertvoll.

    Dass ich dennoch ganz zufrieden bin hängt am guten Preis-Leistungs-Verhältnis beim Einkauf im Weingut. Und an der Tatsache, dass nach anregenden Gesprächen meistens doch noch die eine oder andere Flasche oben drauf gelegt wird: „Den müssen Sie mal probieren…“

  2. Hallo, wenn es denn so wäre.
    schon Ende Februar sah ich auf einem „Frühjahrsangebot“ einer führenden WG 2008 ! Weine im Sonderangebot. Viele Weingüter und WGs meinen bei jedem Mailing Weine aus dem Angebot besonders „günstig“ anbieten zu müssen, anstatt für besondere Anlässe zu empfehlen. Oft findet man z.B. Weine zum Spargel im Angebot und zu allem Überfluss besonders günstig im Preis.
    Der Preis ist das am einfachsten zu handhabende Instrument des Marketing-Mix, aber auch das gefährlichste. Die Arbeit einer Werbeagentur kostet Geld, das Hinsitzen und Entwerfen einer Strategie kostet Zeit, den Preis senken ist einfach und man muss ja nur entgangene Gewinne rechtfertigen und kann dabei alles auf die Gegebenheiten des ach so harten Wettbewerbs schieben.

    Gruss

    Hans-Peter Decker

  3. Über twitter haben mich noch weitere Kommentare zum Thema erreicht. Vielen Dank!

    1. Heimrich SUPERIOREsuperiore_de@michaelpleitgen Sie haben mir zu 100% aus der Seele gesprochen http://2big.at/8y7 #deflation – Kunden warten auf immer niedrigere Preiseungefähr 12 Stunden ago from web in reply to michaelpleitgen

    2. Tobias Strunz (Tobi)gerardo_de@michaelpleitgen Traurig aber wahr: Es gibt genug Händler wo ständig 20 – 50% des Sortiments im Angebot stehen. Professioneller Weinhandel?ungefähr 12 Stunden ago from web in reply to michaelpleitgen

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