Darwin läßt grüßen: den Kleinen geht es an den Kragen

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„Capitalistic Darwinism Envelops Wine Biz“ überschreibt der US-Branchendienst WSD seinen Newsletter vom 6. Mai und zitiert damit den Jahres-Bericht von Rob McMillan von der Wine Division der Silicon Valley Bank, der Bank mit dem größten Engagement in der US Wein-Industrie.

Farina Espana foto:Rivard/flickr

Farina Espana foto:Rivard/flickr

Zusammengefasst: es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht aus den USA. Die gute: im 4. Quartal soll es mit den Absätzen im Vergeich zum Vorjahr wieder nach oben gehen. Einschränkung: wahrscheinlich wird das aber vor allem dem Mengengeschäft zugute kommen. „Fine wines“ und damit die kleinen Boutique Wineries werden es schwer haben. Und das führt zu der schlechten Nachricht:  viele Distributeure verabschieden sich zur Zeit von den hochpreisigen Weinen und forcieren das Mengengeschäft.  Die Gastronomie ist für die Kleinen bereits im letzten Jahr als Standbein weggebrochen. Folge:  jede Menge kleiner Boutique-Wineries werden in diesem Jahr zu Schnäppchen-Preisen den Besitzer wechseln.

Eigentlich, so Rob McMillan, passiert jetzt alles nur etwas schneller: seit langem anstehende Probleme resultierend aus schlechtem oder nicht exsitierendem Marketing brechen an die Oberfläche. Zu langsam, zu teuer, zu unbekannt, zu klein – survival of the fittest. Die Überlebenden werden stärker und marktorientierter sein.

Ein Scenario wie es für unseren Markt unvorstellbar ist? Kalifornien ist weit weg und so schlimm wird es nicht kommen! Weit gefehlt: Sancho Campo, spanischer Master of Wine und Gründer der Spanish Wine Academy kennt allein 30 – 40 Betriebe die zu verkaufen sind. Die Situation ist ähnlich wie in den USA:  die Kleinen sind extrem gefährdet. 85% der Kellereien, berichtet Reuters, sind klein, haben weniger als 10 Angestellte und produzieren hauptsächlich für den Fassweinmarkt.  50% der spanischen Weine werden von diesen Kleinst-Betrieben erzeugt. 33 cts gab es im Februar noch für den Liter.

Der Offen-Wein-Markt steht unter gewaltigem Druck:  Täglich fallen die Preise. Der spanischen Gastronomie geht es wie überall: schlecht.  Der Export ist um 40% , in den Hauptabnehmer-Ländern Italien und Rußland um über 70% zurückgegangen. „Spanien wird sich weltweit auf Rioja reduzieren, denn das ist die einzige Region, die es geschafft hat, sich weltweit einen Namen zu machen“, sagt Beeca Reeves Marketingfrau der englischen Supermarktkette ASDA.

Die Stunde der Wahrheit wird in Spanien im Herbst schlagen: die Rücklagen reichen bei den meisten Betrieben bis Oktober. Gleichzeitig werden viele große Kellereien ihren Traubenlieferanten oder Fassweinwinzern nur sehr viel weniger oder garnichts zahlen können. Beispiel: Der meistverkaufte  spanische Wein produziert von Felix Solis, einem der größten spanischen Vermarkter (auch in Deutschland überall zu finden), steht zur Zeit in Spanien für unter 2 Euro im Regal. Diese Situation wird für viele Kleine der Anfang vom Ende sein, vermuten Insider.

Die Einschläge kommen näher. Sind unsere Betriebe in Deutschland durch die Discounter schon so gestählt, dass wir die Krise besser überstehen als die Kollegen in den USA und Spanien? Oder gibt es Parallelen,  die bedenklich stimmen?

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