Alkoholverbot zeigt Wirkung

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Alkoholverbot gilt nicht nur an Tankstellen

Alkoholverbot gilt nicht nur an Tankstellen foto:duke raoul/flickr

Das Baden-Württembergische Alkoholverbot zeigt Wirkung: zunächst zaubert es einmal Verblüffung auf die Gesichter von Autofahrern, die nach 22 Uhr auf dem Nach-Hause Weg noch ein Bier oder eine Flasche Wein mitnehmen wollen. Betroffen zeigt sich der Architekt, der nach einer späten Besprechung noch etwas mitnehmen will, genau so wie das Pärchen, das gerade aus dem Kino kommt und den schönen Abend bei einem Glas Wein ausklingen lassen möchte.  So richtig im Bewußtsein der Bevölkerung scheint diese  Maßnahme, die seit dem 1. März im Ländle gilt, noch nicht angekommen zu sein.

Die Reaktionen sind unterschiedlich. Nur, was das Verbot mit dem Schutz der Jugend oder von Risiko-Gruppen zu tun haben soll, geht so recht niemandem auf. Online-Kommentare in den Karlsruher KA-News:  „Im Stadtrat wurde Flatrate Saufen als Problem angeführt – was hat es mit Nachtverkauf zu tun?“ oder „Selbst die verblödetsten jugendlichen Säufer werden innerhalb kürzester Zeit kapieren, dass sie sich ihren Alk halt früher besorgen müssen“.

Auch ganz aus dem Süden wird von erstaunten Nachtkäufern berichtet: der Südkurier aus Konstanz erzählt die Story vom abendlichen Schlange-Steher im Supermarkt, der um 3 vor zehn noch ein Bier mitnehmen konnte. Ab 22 Uhr kann an der Kaufland-Kasse in Friedrichshafen kein alkoholisches Getränk mehr abgerechnet werden, obwohl der Markt bis 24 Uhr geöffnet hat. „Wegen der Technik“ sagt die Kassiererin.

Die Polizei in Freiburg hatte bereits im Vorfeld angekündigt, nach einer Karenz-Zeit durchzugreifen. Ulm und Karlsruhe verfahren ähnlich, in Mannheim werden Polizei und Jugendamt gemeinsam vorgehen und auch gebührenpflichtig verwarnen. In Stuttgart und Tuttlingen wird die Polizei ebenfalls die Einhaltung kontrollieren. Aber das Alkoholverbot hat hier nicht erste Priorität.

Die Alkohol-Diskussion ist noch lange nicht am Ende. Das Beispiel Baden-Württemberg zeigt, daß sich weitgehende Verbote relativ geräuschlos durchsetzten lassen, selbst in CDU/FDP regierten Weinbau-Ländern. BILD.de berichtet heute über einen Vorstoß der Hamburger SPD, die vorschlägt, auch in der Hansestadt das württemberger Modell einzuführen. Die Drogen-Beauftragte der Bundesregierung Mechthild Dykmans (FDP) ist zwar offiziell gegen Verbote, sagt aber andererseits, der der Bußgeld-Rahmen bis zu 50.000 Euro für Händler viel zu selten ausgeschöpft wird. Die Branche sollte Frau Dykmans ernst nehmen und tatsächlich selbst etwas tun. Sonst wird sie bei der nächsten Runde wieder mit schwachen Argumenten und ohne nachweisbare Taten dastehen.

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