No cheating – keine Tricks bei Preisen!

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Deutsche Kunden kennen sich bei Preisen aus – das bestätigt eine internationale Studie des Beratungsunternehmens OC&C, bei der 130.000 Verbraucherbeurteilungen zu Preisen im Handel ausgewertet wurden.

Die Kunden kennen sich bei den Preisen aus

Die Kunden kennen sich bei den Preisen aus foto:freefotouk/flickr/CC BY-NC 2.0

Fazit von Christian Ziegfeld, dem deutschen Partner von OC&C „Keine billigen Tricks – das Preisgespür der Kunden ist dafür zu ausgeprägt“ – wird er in der Lebensmittelzeitung (15/12) zitiert.

74% aller Preise wurden von deutschen Verbrauchern als richtig eingeschätzt – besser kennen sich nur noch die customer in UK aus. Frauen sind beim Schätzen besser als Männer und junge Verbraucher besser als ältere. Deutsche Verbraucher dürfen als besonders preissensibel gelten: sie wechseln sogar die Einkaufstätte, wenn zu heftig am Preisrad gedreht wird – 27% würden zum Wettbewerb wechseln. In anderen Ländern ist man da gelassener und kauft einfach weniger.

Auch die verschiedenen Einkaufsstätten werden hinsichtlich ihres Preisniveaus richtig eingeschätzt. Allerdings unterschätzen viele Verbraucher den Preisabstand zwischen den Discountern und Händlern wie REWE oder EDEKA. Bei den als mit einem relativ gehobenen Preisniveau wahrgenommenen Supermärkten, wissen trotzdem viele, dass sie sich beim Kauf der Eigenmarken auf dem Preisniveau der Discounter bewegen.

Ähnliche regelmäßig durchgeführte Studien zum Weinhandel gibt es leider nicht. Interessant wäre, wie dort die Preiswahrnehmung und Positionierung ist. Vielleicht ist das Preisinteresse der Weinhandelskunden aber auch gar nicht so ausgeprägt?! Im Marketing wird davon ausgegangen, dass dort wo eine geringe Kaufkraft vorliegt, das Preisinteresse der Konsumenten hoch ist – bei den Weinkunden dürfte ausreichend Kaufkraft vorhanden sein. Zum anderen kann man aber auch unter Weinkäufern das Phänomen des Smart-Shoppings beobachten, bei dem die viel Energie darauf verwandt wird, bekannte Produkte zu günstigsten Preisen (Geiz ist geil) zu erstehen. Dass die Weinkäufer sehr wohl auf extreme Preise reagieren zeigen auch die neuen Online-Portale wie 52 Weine oder Wine in Black, deren Geschäftsmodelle bei dieser Preiskenntnis ansetzen.

Man sollte immer daran denken, dass die Weinkunden in der extrem preisdominierten Welt des deutschen Lebensmittelhandels aufgewachsen sind und dort einkaufen gelernt haben. Ihr Preis-Gedächtnis dürfte also gut geschult sein – sie kennen die Tricks und Kniffe von empfohlenen Hersteller-Preisen, Mond- und Schaukelpreisen und was da noch alles so gibt.

Zwar haben sich die deutschen Verbraucher auf moderate Preiserhöhungen (+ 2,2% in 2012) eingestellt, für den LEH erwarten sie sogar 4,5% – aber 42% gehen davon aus, das der Handel Preiserhöhungen zur Margenverbesserung benutzt. Auch das sind weitere Ergebnisse der OC&C Studie.

Aber genau deshalb dürfte gelten: „No cheating“ – Vorsicht bei der nächsten Rabatt-Aktion, den durchgestrichenen Preisen und den Hammer-Prozenten – der Kunde ist vielleicht schlauer als Du denkst!

Die Studie kann bei OC&C als kostenloses PDF angefordert werden.

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